Rackls Backstubn, eine Handwerksbäckerei aus Olching, die im Großraum München 30 Filialen unterhält, ist in finanziellen Schwierigkeiten. Für die gesamte Unternehmensgruppe wird derzeit ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung vorgenommen. Die Kundinnen und Kunden bemerken davon erst einmal nichts, denn der Geschäftsbetrieb in den Filialen sowie im Liefergeschäft läuft derzeit uneingeschränkt weiter.
Der Familienbetrieb aus Olching blickt auf eine 136-jährige Tradition zurück. Gegründet im Jahr 1889 wird er mittlerweile in vierter Generation geführt. Die Unternehmensgruppe besteht aus der Rackls Backstubn GmbH & Co. KG sowie den Gesellschaften Bäckerei Xaver Rackl GmbH und Konditorei Xaver Rackl GmbH. Zu Spitzenzeiten zählte sie 35 Filialen, derzeit sind es 30 Standorte: neben dem Geschäftssitz in Olching auch in Fürstenfeldbruck, Puchheim, Eichenau, Esting, Germering, Gilching, Dachau, Karlsfeld, Erding, Parsdorf, Pullach, Starnberg sowie an 13 Standorten in München. Daneben ist das Liefergeschäft mit einem Anteil von etwa 40 Prozent am Gesamtumsatz ein wesentliches Standbein. Die Firma beschäftigt derzeit etwa 470 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Angebot der SZ:Wählen Sie den Whatsapp-Kanal für Ihren Landkreis
Die Süddeutsche Zeitung bietet Whatsapp-Kanäle für alle Landkreise rund um München an. Das Angebot ist kostenlos. So abonnieren Sie die Kanäle.
Ein Eigenverwaltungsverfahren ist im rechtlichen Sinne ein Insolvenzverfahren, allerdings bleibt die Verantwortung für die Fortführung des Betriebs weiterhin in Händen der bisherigen Geschäftsführung. Unterstützung kommt dabei von erfahrenen Sanierungsexperten, im Fall Rackl ist es Tobias Sorg von dmp solution, einer auf Unternehmensrestrukturierung und Insolvenz- und Eigenverwaltungsverfahren spezialisierten Anwaltskanzlei aus Ulm. Das Verfahren wird zudem durch Michael Schuster von der bekannten Münchner Kanzlei Jaffé als gerichtlich bestelltem vorläufigen Sachwalter überwacht. Die Eigenverwaltung bringe den Vorteil mit sich, dass die Geschäftsführung eine größere Handlungsfreiheit besitze, sowie die Möglichkeit, Sanierungsmaßnahmen schneller umzusetzen, sagt Sorg auf Nachfrage der SZ. Voraussetzung dafür sei, dass die Geschäftsführung „sanierungswillig und -fähig ist und keine Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten vorliegen“.
Warum ist es überhaupt so weit gekommen? Auch die Bäckerei Rackl leidet daran, dass die gesamte Branche in den vergangenen Jahren besonderen Belastungen ausgesetzt war und ist: die Folgen der Corona-Pandemie, stark gestiegene Rohstoff- und Energiepreise sowie ein hoher Preisdruck im Liefergeschäft. Sorg erinnert auch daran, dass sich zudem das Konsumverhalten der Menschen verändert habe, die auch Bäckereierzeugnisse häufiger beim Discounter als beim Handwerksbäcker kauften.

Das Ziel des Verfahrens ist es nun, „die Unternehmensgruppe zukunftsfähig aufzustellen und die Arbeitsplätze zu sichern“, betont Sorg. Der Geschäftsbetrieb in den Filialen sowie im Liefergeschäft werde uneingeschränkt fortgeführt. Parallel dazu ist ein Investorenprozess im Gange, bei dem bereits zahlreiche Kandidaten ihr Interesse bekundet hätten. Sorg zufolge ist es denkbar, dass am Ende auch ein Mitinvestor einsteigt. Über konkrete Maßnahmen, wie etwa Filialschließungen, könne zum jetzigen Zeitpunkt aber noch keine Aussage getroffen werden.

