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Olching:Längere Nächte, größere Gefahr

Wohnungseinbruch

Viele Einbrecher hebeln Balkontüren oder Fenster auf oder gelangen durch Kellerfenster in die Häuser. Wird das durch technische Einrichtungen erschwert und verzögert, tritt mancher auch ohne Beute den Rückzug an.

(Foto: Silas Stein/dpa)

In ihrem Dienstbereich hat die Polizeiinspektion in der "dunklen Jahreszeit" von September bis März 27 Wohnungseinbrüche oder Einbruchsversuche registriert. Ein Experte gibt Tipps, wie man sich schützen kann

Von Manfred Amann, Olching

Wenn die Nächte länger werden, nehmen die Einbrüche zu - in Deutschland passiert so etwas alle vier Minuten. Ungesicherte Fenster und Türen können mit einem Schraubenzieher meist in weniger als 30 Sekunden aufgehebelt werden. Besonders gefährlich ist es zwischen Dämmerung und den späten Abendstunden. Dann dringen Täter besonders häufig in Wohnungen und Häuser ein und nehmen mit, was sich leicht versilbern lässt. In Deutschland kommt durch Einbrüche jedes Jahr eine Gesamtschadenssumme von rund 600 Millionen Euro zusammen, Tendenz steigend. Um die Bevölkerung zu sensibilisieren, hat der Bund den Tag der Zeitumstellung zum "Tag der Einbruchsicherheit" erklärt. Im Dienstbereich der Polizeiinspektion Olching seien in der "dunklen Jahreszeit" von September 2015 bis März 2016 insgesamt 27 Wohnungseinbrüche oder Einbruchsversuche aufgenommen worden, erklärte Oberkommissar Wolfgang Klein - das ist eine leichte Zunahme der Delikte. Die Bürgervereinigung Schwaigfeld unter Leitung von Michael Metschkoll hatte den Präventionsbeauftragten der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Fürstenfeldbruck, Josef Heggmeier, eingeladen, der auf launige Weise und mit Beispielen aus der Praxis den gut 30 Gästen Tipps gab, wie man Einbrecher fernhalten oder ihnen ihr Handwerk erschweren kann. Einen hundertprozentigen Schutz vor Profis gibt es laut Heggmeier aber nicht. Von 2011 an bis heute hätten Einbrüche, mit einer Ausnahme 2015, in Bayern kontinuierlich um etwa ein Drittel zugenommen. Die Aufklärungsquote liegt bei lediglich bei etwa 15 Prozent.

Grundsätzlich sollte man es vermeiden, dass potenzielle Täter ohne großen Aufwand erkennen, dass niemand zu Hause ist. Wenn der Briefkasten tagelang nicht geleert wird und sich Zeitungen vor der Haustür stapeln, kommt dies einer Einladung gleich. Auffällig ist auch, wenn Rollläden immer in gleicher Stellung bleiben und wenn im Winter tagelang der Schnee nicht von Wegen geräumt wird. Bei längerer Abwesenheit sollte man, so der Tipp des Experten, mehrere Zeitschaltuhren einsetzen, die zu unterschiedlichen Zeiten in jeweils einem anderen Raum das Licht an- oder ausschalten. Wichtig sind auch aufmerksame Nachbarn. Wenn man freilich "in den sozialen Medien hinausposaunt", dass man eine Woche lang in Südtirol Urlaub macht, darf man sich nicht wundern, wenn dies einem Kriminellen auffällt. Guten Schutz bieten laut Heggmeier mechanische und technische Sicherungssysteme, die es dem Einbrecher schwer machen, Rolläden, Fenster der Türen aufzuhebeln. "Wenn es dem Täter zu lange dauert, dann haut er in der Regel wieder ab und sucht sich ein leichteres Ziel", so der Präventionsbeauftragte. Seltener würden Scheiben zertrümmert, weil dies großen Lärm verursacht. Einbruchsichere Scheiben einzubauen, sei eigentlich nur bei Neubauten wirtschaftlich vertretbar und auch nur dann sinnvoll, wenn in der Wohnung viele Wertsachen, Gemälde oder Münzen zu holen wären. In diesem Falle könnte man auch über Alarmanlagen nachdenken. Egal für welche Art von Prävention man sich entscheidet, man sollte stets darf achten, dass die Materialien Mindestnormen nach DIN erfüllen. Heggmeier rät generell, vor dem Einbau von Sicherungen die Fachleute der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle zu konsultieren.

© SZ vom 03.11.2016
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