Olching Hund nach Angriff auf Reh getötet

Weimaraner-Hunde sind bei Jägern beliebt, kommen aber auch immer mehr als Familienhunde vor.

(Foto: Imago)

Weder durch einen Zuruf, noch durch einen Warnschuss lässt der wildernde Hund von seiner Beute ab. Dann schießt der Jäger gezielt.

Von Erich C. Setzwein, Olching

Ein wildernder Hund hat in den Olchinger Amperauen ein Reh gerissen und ist von einem Jäger erschossen worden. Die Polizei hat den Vorfall vom Mittwoch vergangener Woche am Montag öffentlich gemacht hat. Demnach hat ein 50 Jahre alter Jäger gegen 16 Uhr in seinem Revier in der Nähe der Dachauer Straße gesehen, wie sich ein größerer Hund in ein Reh verbissen hatte. Er habe, heißt es im Polizeibericht weiter, einen Warnschuss abgegeben, und als der Hund darauf nicht reagiert habe, gezielt auf das Tier geschossen und dieses ins Hinterteil getroffen. Daraufhin habe es von dem Reh abgelassen und sei geflüchtet. Der Jäger habe das schwer verletzte Reh töten müssen. Danach ging er zu Polizei, um den Vorfall zu melden. Später habe die Hundebesitzerin zusammen mit dem Jäger den toten Hund im Wald gefunden.

Was sich tatsächlich in dem kleinen umzäunten Waldstück zwischen Esting und Geiselbullach abgespielt hat, klingt dramatisch. Dem Bericht von Gerhard von Hößlin, dem Vorsitzenden der Kreisgruppe Fürstenfeldbruck im bayerischen Landesjagdverband, zufolge, hatte der Jäger die Klagelaute eines Rehs gehört und dann gesehen, wie ein Weimaraner Jagdhund das Wild am Hals packte und durch die Luft schleuderte. "Wenn ein Reh klagt, geht einem das durch Mark und Bein", sagte Hößlin am Montag. Der Jäger, der laut einem Polizeisprecher nicht der Revierpächter selbst ist, sondern ein sogenannter Mitbegeher, habe den Hund zuerst angeschrien. Als das nicht geholfen habe, habe er einen Schuss aus seiner Schrotflinte in die Luft abgegeben. Als das Tier dann immer noch nicht reagiert habe, habe der Jäger auf es angelegt und geschossen.

Aus Sicht von Rainer Grüther hat der Jäger "rechtlich alles richtig gemacht". Grüther ist selbst seit mehr als 50 Jahren Jäger und berät den Landkreis in Fragen der Jagd. Nur den Polizeibericht kennend und ohne mit den Beteiligten gesprochen zu haben, schätzt Grüther die Situation als außergewöhnlich und ernst ein. Es sei allerdings sehr selten, dass Hunde in dieser Gegend wilderten. Das Tier sei "aus dem Einwirkungskreis seines Herrn" allein im Wald unterwegs gewesen, habe das Reh angefallen, und der Jäger habe zum Schutz des Wildes gehandelt. Allerdings, gibt Grüther zu bedenken, hätte der Jäger den Hund eigentlich sofort tödlich treffen und, als das Tier dann geflüchtet sei, sofort mit der Nachsuche beginnen müssen. So aber sei der Hund erst gefunden worden, als er bereits an den Folgen des Schusses verendet war.

Der Weimaraner habe wohl nicht zum ersten Mal gewildert, sagte Gerhard von Hößlin. Er sei "amtsbekannt" gewesen, habe schon einmal einen anderen Hund gewildert. Das Tier stamme auch nicht aus einer anerkannten Zucht, sondern war Gerhards Worten zufolge aus einer "Schwarzzucht" und sei nicht von einem ausgebildeten Jäger gehalten worden. Weimaraner, so Rainer Grüther, seien eine "anerkannte Jagdhunderasse", es gibt einen eigenen Verband, der über die Zucht und Weitergabe der Tiere wacht. Wegen ihrer Fähigkeiten sind die bis zu 70 Zentimeter hohen Weimaraner aber nicht nur bei Jägern beliebte Tiere, sondern wegen ihres stattlichen und schönen Aussehens auch als Haushunde im Privatgarten. Der Hund war nach Hößlins Wissen einen Kilometer von seinen Besitzern entfernt, als er das Reh anfiel. Zwar sei das Revier von einem Zaun umgeben, aber der habe Löcher, durch die ein Hund schlüpfen könne. Es sei bekannt gewesen, "dass der Hund früher wiederholt ausgebüxt" sei. Für Gerhard von Hößlin ein eindeutiger Fall: "Leute legen sich Hunde zu, mit denen sie nicht umgehen können."

Eine Pflicht, Hunde anzuleinen, gibt es im Stadtgebiet Olching nicht. Das wäre auch nach Erfahrung der Jäger gar nicht durchzusetzen. Momentan sind nach Angaben von Julia Henderichs, der Sprecherin der Stadt Olching, etwa 1300 Hunde bei der Verwaltung angemeldet. Nur für einige Tiere würde eine Maulkorbpflicht bestehen, diese müssten auch an die Leine genommen werden.

Für die Polizei, so hieß es am Montag, sei der Fall abgeschlossen. Weitere Ermittlungen würden nicht folgen. Welche rechtlichen Konsequenzen der tödliche Schuss auf den Hund noch haben kann, ist noch unklar. "Der Jäger kann für das gewilderte Reh Schadenersatz vom Hundebesitzer verlangen", ist sich Rainer Grüther sicher. Und auch Gerhard von Hößlin ist dieser Meinung. Er habe schon mit dem Olchinger Jäger gesprochen und werde ihm dazu raten.

Für Gerhard von Hößlin war der Schuss auf den Hund die "Ultima Ratio". Allerdings habe es keine andere Möglichkeit gegeben, einzugreifen und das Wild zu schützen. Um Hunde gar nicht erst zum Wildern kommen zu lassen, rät Rainer Grüther den Jägern mit den Hundebesitzern ins Gespräch zu kommen und sie über die Folgen aufzuklären. Das habe Wirkung, er habe selten Ablehnung erlebt. "Die meisten Leute nehmen den Rat an."