Noch sind die Schäden nur sichtbar, aber noch nicht beziffert. Die Niederschläge übers gesamte Wochenende haben zu einer Hochwasserlage im Landkreis geführt, die weiter angespannt bleibt. Auch frühen Sonntagabend konnte die Kreisbrandinspektion Fürstenfeldbruck noch keine Entwarnung geben. „Es ist noch keine Entspannung in Sicht“, sagt Kreisbrandmeister Ric Unteutsch, Sprecher der Kreisbrandinspektion. Es seien alle 30 Ortsfeuerwehren im Einsatz gewesen. Die Zahl der Einsätze beziffert die Brandinspektion am Sonntagnachmittag auf 630 und geht davon aus, „dass Pegel an den Nebengewässern der Amper wie Gröbenbach, Ascherbach, Starzelbach sowie Gewässer im nördlichen Landkreis nach derzeitiger Prognose ihre Scheitelwerte heute erreichen oder erreicht haben“.
Dennoch fällt wegen der Hochwasserlage am Montag an der Gröbenbachschule und der Ährenfeldschule in Gröbenzell der Präsenzunterricht aus, wie der Homepage des Bayerischen Kultusministeriums zu entnehmen ist. An der Grundschule an der Bernhard-Rößner-Straße gibt es eine Notbetreuung. Sorgen bereitete der Feuerwehr am Sonntagabend eine überschwemmte Vermittlungsstelle in Gröbenzell. Es wurde befürchtet, dass es dadurch zu möglichen Einschränkungen von Telefon, Internet und Mobilfunk im Ortsbereich Gröbenzell und möglicherweise den angrenzenden Ortschaften kommen könnte. Für den Fall eines Notrufes sei das Feuerwehrgerätehaus in der Wildmoosstraße 28 in Gröbenzell besetzt.
Einer der Schwerpunkt der Feuerwehreinsätze war Olching, wo im Bereich der Zugspitzstraße der Strom abgeschaltet worden sei. Dort habe eine mobile Hochwasserschutzeinrichtung nicht standgehalten. Das Problem sei aber behoben worden. Gleichwohl wurde in der Turnhalle der Schule an der Heckenstraße als freiwilliges Angebot eine Unterkunft für Betroffene eingerichtet. Tische und Bänke wurden aufgestellt, Sportmatten und Spiel- und Lesematerial für Kinder im Gymnastikraum vorbereitet: Im Notfall könnte die Halle auch für Übernachtungen genutzt werden. Bislang gab es aber offenbar keinen Bedarf. Am Sonntagmittag ist die Halle verwaist. Darüber ist Matthias Becker, Zugführer des Roten Kreuzes, gar nicht traurig. Wichtig sei, dass man auf alle Fälle vorbereitet sei. Gemeinsam mit etwa 20 Hilfskräften von BRK, Maltesern und Johannitern, die für den Katastrophenschutz im Landkreis tätig sind, hält er eine Einsatzbesprechung ab.

Die Stadtverwaltung Olching bezeichnet die Lage im Bereich des Starzelbachs als „äußerst kritisch“. Im Bereich der Sommerstraße habe das Wasser in das bebaute Gebiet durchgedrückt. „Betreten Sie bitte keine Keller“, lautet die Aufforderung. Weil die Kanalisation der Stadt derzeit am Limit sei, bittet Bürgermeister Andreas Magg darum, so weit wie möglich Abwässer zu vermeiden, durch Baden oder Duschen etwa. „Es kann sein, dass das Abwasser nicht mehr abfließt oder unter Umständen zurückdrückt“, warnt auch Kreisbrandmeister Tim Pelzl.
Neben Olching sind laut Feuerwehr am Sonntag vor allem die Orte Eichenau, Gröbenzell und Alling die Einsatzschwerpunkte gewesen. In Malching musste die Unterführung zur S-Bahn gesperrt werden, sie soll voraussichtlich an diesem Montag wieder geöffnet werden. Während am Samstag nahezu alle Feuerwehren des Landkreises tätig waren, wurden nach einer kurzen Nachtruhe dann wieder ab den frühen Morgenstunden vor allem für Eichenau und Olching Einsatzkräfte nötig.

Zunehmend kommt es nach dem Abfließen des Oberflächenwassers vor allem durch Grundwasser zu Problemen in vielen Haushalten. Hierbei seien Pumpmaßnahmen nicht zielführend und unter Umständen sogar schädlich für die Gebäudestruktur, erläutert Kreisbrandmeister Pelzl.

Landkreis Fürstenfeldbruck:Wo Hochwasser-Geschädigte Hilfe finden
Das Landratsamt hat eine Hotline eingerichtet, die Feuerwehr gibt Ratschläge und sucht selbst Helfer.
Weitergehend ruhig war die Situation in der Kreisstadt Fürstenfeldbruck. Dort meldet Andreas Lohde (CSU), Referent für Feuerwehr und Katastrophenschutz, eine Entspannung der Gefahrenlage. „Besonders erfreulich ist, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Ordnungsamt der Stadtverwaltung, den Mitarbeitern des Klärwerks, welche die Abflüsse der Hochwasserschutzbauten kontrolliert und bei Bedarf gereinigt haben, sowie den Feuerwehren reibungslos funktionierte und vorbildlich war“, so Lohde. Auch die aufgrund der Erfahrungen aus Starkregenlage von 2002 entwickelten Bauten zum Schutz vor Oberflächenwasser hätten allesamt funktioniert, so Lohde weiter. An einem Graben in Puch seien vorsorglich einige Sandsäcke verlegt worden, außerdem gebe es regelmäßige Kontrollfahrten, um die Dämme und Abflüsse vor Verstopfungen zu schützen.

Neben dem Technischen Hilfswerk (THW) und den Hilfsorganisationen erhalten die Feuerwehren auch Unterstützung durch „Spontanhelfer“ beim Sandsäcke füllen in Fürstenfeldbruck und Olching. Die Koordination der Maßnahmen übernimmt der Krisenstab unter der Leitung von Kreisbrandrat Christoph Gasteiger in enger Abstimmung mit den betroffenen Städten und Gemeinden sowie dem Landratsamt.
Unterhalb der Meldestufe eins befand sich das ganze Wochenende über die Amper mit einem Pegelstand von 139 Zentimetern am Sonntagnachmittag: „Hier werden keine Meldestufen in der Prognose des Hochwassernachrichtendienstes erwartet“, so Pelzl. Meldestufe 1 wird bei einem Pegel von 170 Zentimetern ausgerufen.
Im Westen geht es am Samstagmorgen los

Vollgelaufene Keller, Überflutungen, gesperrte Straßen: Begonnen haben die Hochwasser-Einsätze am Samstag im Westen des Landkreises. Anfangs bestanden hauptsächlich Probleme mit dem Oberflächenwasser der Niederschläge. Die Schwerpunkte lagen in Unter- und Oberschweinbach, Überacker, Mittelstetten und Biburg. Dort waren 17 Ortsfeuerwehren im Einsatz.
In Abstimmung mit dem Landratsamt hat ein Krisenstab den Betrieb aufgenommen, das Landratsamt ein Bürgertelefon eingerichtet. Rat und Informationen zur Hochwasserlage finden Betroffene unter der Nummer 08141/51 99 19 bei der Kreisbehörde.

Im Notfall-Lager werden weiterhin Sandsäcke und Pumpen an die Feuerwehren ausgegeben. Zusätzlich haben am Samstag zwei Sandsackfüllmaschinen beim Kreisbauhof die Arbeit aufgenommen, bis zu 1500 Sandsäcke werden dort pro Stunde gefüllt. Für diese Arbeit hat der Kreisfeuerwehrverband am Samstag Helfer gesucht und eine so große Hilfsbereitschaft getroffen, dass er ein paar Stunden später vermelden konnte: „Aufgrund der Vielzahl an Meldungen ist momentan davon auszugehen, dass nicht alle registrierten Personen zur Mithilfe benötigt werden.“


