Olching Großmeister und Kleinholz

Katharina Pabst legt unter den Augen von Song Jun-Ho die Prüfung zum zweiten Dan im Taekwondo ab. Dazu gehört das Durchschlagen eines Bretts

Von Karl-Wilhelm Götte, Olching

Katharina Pabst ist zuversichtlich. "Das wird schon klappen", meint die 18-jährige Mammendorferin, die gleich in der Turnhalle der Olchinger Martinschule ihre Taekwondo-Prüfung zum zweiten Dan abgelegen will. Den schwarzen Gurt des ersten Dan trägt sie schon. Jetzt muss sie bei ihrem Verein Taeryon Olching vor den Augen von "Großmeister" Song Jun-Ho, der den sechsten Dan besitzt, fünf Prüfungsbereiche bestehen. Es beginnt mit dem sogenannten "Formenlauf", also den zahlreichen Grundbewegungen des Taekwondo. Danach folgt Selbstverteidigung und am Ende der spektakuläre Bruchtest. Ist Taekwondo eine weibliche Domäne? Sind doch acht der zehn Prüflinge Frauen. "Nein", sagt Otfried Schanz von Taeryon, "das ist nur diesmal so."

Angedeutete Fußtritte, Fauststöße und Verteidigungsstellungen.

(Foto: Matthias Döring)

Doch der Frauenanteil im 140-Mitglieder-Verein ist mit 40 Prozent durchaus beachtlich. Bei der Vereinsgründung 2001 ist das noch anders gewesen. "Das waren nur Männer ", erinnert sich Otfried Schanz, Träger des vierten Dan. Die acht Frauen, die sich jetzt der Prüfung stellen, seien aber schon als Mädchen im Verein aktiv gewesen. Die Prüfungskandidaten machen ihre Sache gut. Es wird in der Gruppe vorgeführt. Fauststoß, Doppelfauststoß und der Vorwärts- und Rückwärtsfußstoß gelingen synchron, untermalt mit regelmäßigen Kampfschreien, die durch die ganze Turnhalle hallen. Immer wieder nickt Großmeister Jun-Ho zustimmend. Doch Patrick Schanz, der die Kommandos für die Vorführungen gibt, ist streng. Hier und da besteht er auf eine Wiederholung der Bewegungsform. "Das ist zu hektisch; bitte ruhiger und die Form sauber laufen", bemängelt Schanz, der ebenfalls den vierten Dan besitzt.

Feste Bewegungsfiguren werden in der Schulturnhalle möglichst synchron sowie korrekt und schnell in der Gruppe absolviert.

(Foto: Matthias Döring)

Einer der Männer unter den vielen Frauen ist Alex Siegl. Der 50-jährige Gröbenzeller betreibt seit 13 Jahren Taekwondo. "Das ist eine schöne Sportart, sehr umfassend und prima für Körper und Geist", sagt er. Der Softwareentwickler mit viel Schreibtischarbeit schätzt auch den Bewegungsausgleich zum Arbeitsalltag. Siegl will ebenfalls die Prüfung zum zweiten Dan bestehen. Beim "Freikampf", bei dem die Angriffe mit Händen, Fäusten und Füßen nur angedeutet werden, bekommt Siegl einen tatsächlichen Fußstoß seines Gegners ab. Doch den steckt er weg. Jeder Angriffsversuch der Kämpfer wird nun mit einem Schrei unterstützt. Den 50 Besuchern in der Halle, die die Aktionen fachkundig verfolgen, gefallen die Vorführungen und sie applaudieren. Auch Prüfungschef Jun-Ho spricht von einem "sehr guten Niveau." Hinter seinem Beobachtungskasten, auf dem er zusammen mit Otfried Schanz sitzt, liegen die schwarzen Gürtel, die später vergeben werden. Alle bestehen die Prüfungen. Das hatte Jun-Ho nicht anderes erwartet; kommt es doch selten vor, dass ein Kandidat durchfällt. "Die sind alle vom Verein und von den Trainern gut vorbereitet worden, sonst würden sie nicht zur Prüfung zugelassen", sagt der Koreaner, 46, der in München lebt und fließend Deutsch spricht. Er unterrichtet an der dortigen Volkshochschule, die bereits seit 1972 Taekwondo anbietet.

Für den späteren Bruchtest liegen etwa 50 quadratische Bretter aus Fichtenholz bereit. Die sind drei Zentimeter dick und müssen mit der Handkante, den Ellenbogen, mit dem Fuß oder gar mit dem Kopf durchschlagen werden. Jun-Ho sagt: "Ich erwarte viel Kleinholz." So kommt es am Ende denn auch. Dieser Test bildet so etwas wie den krönenden Abschluss der Prüfungen. "Da besteht durchaus ein gewisses Verletzungsrisiko", erläutert Siegl. Wenn das am Schluss passiere, sei nicht die ganze Prüfung in Gefahr. Doch Verletzungen kommen letztlich höchst selten vor. Ihm und den anderen gelingen die Bruchtests anstandslos. Vor allem die Technik und auch die Schnelligkeit der Bewegung entscheiden, ob es schmerzt oder nicht. "Wenn man es richtig macht, geht's gut", meint Siegl schmunzelnd, "wenn nicht, dann tut's weh."