In Olching Glasfaser für ganz schnelles Internet zu verlegen, ist in den vergangenen Jahren immer wieder gescheitert. Mitte 2024 trat dann das Unternehmen Unsere Grüne Glasfaser (UGG) auf den Plan und tatsächlich erfolgte im Herbst des vergangenen Jahres der offizielle Spatenstich der UGG, um mit dem Ausbau zu beginnen. An der Ecke Brahmsstraße/Ecke Mozartstraße starteten die Bauarbeiten, um erst einmal etwa 450 Anschlüsse zu verlegen. Insgesamt will die UGG die Olchinger in allen Stadtteilen mit mehr als 13 000 Anschlüssen bedienen. Jetzt hat sich die Deutsche Telekom unverhofft gemeldet und will ihrerseits Glasfaser verlegen.
Das gefällt der UGG natürlich gar nicht. Sie erlebt den sogenannten Überbau der Telekom nicht zum ersten Mal. Das erst fünf Jahre alte Unternehmen aus Ismaning mit etwa 400 Mitarbeitern hat mit Telefonica aus Spanien und der deutschen Allianz zwei große Partner als Geldgeber im Rücken. Verlegt die UGG Glasfaser, müssen die Kunden dann mit O2 ihre Verträge fürs „Internet Zuhause“ abschließen. Die UGG kritisiert, dass die Telekom fast gleichzeitig in Hohenpeißenberg, Bad Füssing nun auch in Olching „kostenintensive Doppelstrukturen“ entstehen lässt und damit den „systematischen und schnellen Ausbau des Glasfasernetzes konterkariert“.

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Die Telekom komme daher, um einen „zusätzlichen Ausbau zu bereits begonnenen Ausbauprojekten vorzunehmen“, kritisieren die Ismaninger. „Das bedeutet mehr Baustellen, mehr Lärm und Verkehrsbehinderungen, verunsicherte Bürgerinnen und Bürger sowie eine Verschwendung knapper Ressourcen in Planung und Tiefbau.“ Vor allem betreibe die Telekom mit ihrem punktuellen Ausbau und „Überbaumanöver“ in Olching „Rosinenpickerei“, so der Vorwurf.
Dies führe die Mischkalkulation einer Erschließung von starken und weniger rentablen Gebieten ad absurdum. Die Vorgehensweise der Telekom sei „volkswirtschaftlicher Unsinn“, bilanziert UGG-Pressesprecher Jens Lauser: „Die reißen jede Straße noch einmal auf. Als ob man eine weitere Wasser- oder Stromleitung vor die Häuser legt. Das macht doch auch niemand.“ Nötig wären deshalb wettbewerbs- und investitionsschützende Maßnahmen durch die Politik, findet Lauser, „zum Beispiel, dass fünf Jahre kein Zweiter Glasfaser verlegt“.
Wahr ist, dass die Telekom ihr schnelles Internet offenbar nicht in den eher dünn besiedelten Stadtteilen Esting oder Graßlfing verlegen will, sondern, wie die Stadt Olching mitteilt, nur in einem Teilbereich in Olching-Mitte südlich der Bahnlinie und in Neu-Esting; das sind eher dicht besiedelte Gebiete in der Amperstadt. „6222 Haushalte und Unternehmen in der Stadt werden von dem Ausbau profitieren“, heißt es in einer Pressemitteilung der Telekom. Der Ausbau soll im zweiten Quartal 2026 beginnen und bis Ende 2028 oder Mitte 2029 abgeschlossen sein. Und weiter: Das Telekom-Infomobil berate Bürgerinnen und Bürger am 11. und 12. Dezember auf dem Olchinger Nöscherplatz. Das Unternehmen verspricht schon einmal eine Verbindungsgeschwindigkeit von bis zu zwei Gigabit pro Sekunde.
Man verhalte sich „grundsätzlich anbieterneutral“, heißt es vonseiten der Stadt
Die Stadt Olching, die 2024 sehr froh war, dass die UGG den Glasfaserausbau gestartet hatte, teilt mit, dass sie sich in dem Streit „grundsätzlich anbieterneutral“ verhält. „Die Ausbauplanungen der Unternehmen basieren auf rein unternehmerischen Entscheidungen, die wir nicht beurteilen“, antwortet Edigna Kessel von der städtischen Abteilung Wirtschaftsförderung auf Nachfrage und erläutert die rechtliche Lage: „Gesetzlich sind wir dazu verpflichtet, den öffentlichen Grund zum Zweck der Aufgrabung und Verlegung zur Verfügung zu stellen, was wir entsprechend tun.“
Der Ausbau der UGG, der im sogenannten Komponistenviertel begonnen wurde, wird aktuell weitergeführt, soweit es die Witterung zulässt, bis zum Parkfriedhof. Das Unternehmen möchte bei gutem Wetter den Bauabschnitt über die Feldstraße in die Pfarrstraße vorarbeiten, um ihn so bis zum zentralen Hauptverteilerpunkt fertigstellen zu können. Dadurch wird die Aktivierung im UGG-Ausbaugebiet in Olching ermöglicht, erklärt die Firma. 110 Kilometer Glasfaser sollen es im gesamten Stadtgebiet am Ende werden. „Wo nichts ist, wollen wir hin“, lautete das UGG-Versprechen beim Start.
Das Unternehmen, das sich deshalb als „grün“ bezeichnet, weil Glasfaser grundsätzlich 60 Prozent weniger Energie benötigt als Kupferkabel, will die Verlegung ohne feste Kundenquote realisieren. Daran ist in Olching zuletzt der Glasfaseranbieter Teranet gescheitert. Auch die Telekom will laut eigenem Bekunden ohne Kundenquote liefern. Dass sie Glasfaser verlegen will, ist bisher eine Ankündigung der Telekom. Damit haben potenzielle Kunden, zum Beispiel in Germering, schlechte Erfahrungen gemacht. Dort wartet man seit fast drei Jahren darauf, dass das Bonner Unternehmen seine Ankündigung wahr macht und das superschnelle Kabel verlegt.

