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Olching:Faschingsvereine planen mit reduziertem Programm

Die Gilden im Landkreis bereiten sich auf ein Jahr mit wenigen Veranstaltungen und nur einem Prinzenpaar vor

Von Karl-Wilhelm Götte, Olching

Der 11. November - der traditionelle Faschingsauftakt auch im Landkreis - naht. Und bis zum Faschingsdienstag sind es noch knapp vier Monate. Doch Fasching unter Corona schließt sich nahezu aus. So sehen es auch die örtlichen Faschingsvereine. Zum jetzigen Zeitpunkt rechnen sie mit keiner regulären Faschingssaison und haben ihre Veranstaltungen und geplanten Aktivitäten weitgehend abgesagt. "Da wird nichts gehen", sagt Gerhard Fuchs, der stellvertretende Vorsitzende von Fun Unlimited. Doch einige Vereine lassen es sich nicht nehmen, wenigstens ein Prinzenpaar zu proklamieren.

Der Germeringer Faschingsverein Fun Unlimited wird in diesem Jahr kein Prinzenpaar proklamieren. "Wir sehen keine passende Möglichkeit ein Paar zu präsentieren", erklärt Fuchs. In geschlossenen Räumen wäre das nicht möglich. Zumal das Prinzenpaar keine Saison hätte, weil alle Veranstaltungen schon abgesagt sind oder damit zu rechnen ist, dass sie noch abgesagt werden. Die Show-Garden von Fun Unlimited würden zwar trainieren, aber neue Programme habe man vorerst "auf Eis gelegt", so Fuchs, der aktuell den erkrankten Vorsitzenden Thomas Spitalny vertritt.

Eine Szene, die es in diesem Jahr so wohl nicht geben wird: eine Gruppe beim Mammendorf Faschingszug.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Auch die Brucker Faschingsfreunde werden die neue Saison "nicht aktiv starten", wie ihr Vorsitzender Karlheinz Graff mitteilt. Auch hier wird es kein neues Prinzenpaar geben. Der traditionelle Galaball im Bruck Stadtsaal ist ebenfalls abgesagt worden. "Die Gesundheit unserer Garden geht uns vor", versichert Graff, "wir wollen das nicht auf Biegen und Brechen durchziehen." Er sieht sich als Vereinsvorsitzender, wenn etwas passieren sollte, auch in einem möglichen Haftungsrisiko. Die benachbarte Brucker Heimatgilde wird dagegen ein Kinder-Prinzenpaar küren. "Das haben wir", bekräftigt Daniel Brando, der Gildemeister des Faschingsvereins. Wie die Vorstellung des Kinder-Prinzenpaares erfolgen wird, steht noch nicht fest. Brando könnte sich das per Live-Stream im Internet vorstellen. Trainiert wurde trotz Corona bei der Heimatgilde offenbar sehr fleißig. "Unsere fünf Show-Tanzgruppen haben alle ein neues Programm einstudiert", berichtet Brando. Wann und wo sie es zeigen können, steht noch nicht fest. Das "Supergardetreffen", das die Heimatgilde jeden Faschingssonntag mit einem Dutzend Show-Gruppen aus der Region München und Augsburg veranstaltet, möchte Brando auch dieses Jahr nicht missen. Im Stadtsaal wird es gehen, "aber im Hof des Veranstaltungsforums wäre ausreichend Platz", so der Gildemeister. Das würde man dann am 14. Februar, wenn es klappt, ohne Eintrittsgeld auf Spendenbasis veranstalten wollen. "Die Vereine wollen sich doch präsentieren", sagt Brando, "das wollen wir ermöglichen."

Die Olchinger Tanzfreunde (OTF) stellen in Olching regelmäßig das Kinder-Prinzenpaar. "Ja, wir werden eines proklamieren", kündigt Adalbert Heim, der OTF-Chef, an. Das Männerballett des Vereins das jedes Jahr für Furore sorgt, wird wohl eine Auftrittspause einlegen. In der Olchinger Faschings-Arbeitsteilung kümmern sich die OTF um die Kinder und Jugendlichen im Fasching. Das sind die OTF-Kids. "Für die vielen Kinder, die an unseren Verein gebunden sind, wollen wir den Fasching auch unter Corona hochhalten", sagt Heim. Das solle auch irgendwie öffentlich passieren. Wie, das weiß Heim noch nicht ganz genau. Er hofft noch auf eine Abstimmung mit dem Nachbarverein, der Faschingsgilde Olching.

Umzüge fraglich

"Es ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen", sagt Johann Krämer, "aber zu 90 bis 95 Prozent wird es am 16. Februar keinen Olchinger Faschingszug geben." Der langjährige Chef des Olchinger Faschingszug-Komitees sieht keine Perspektive für die Veranstaltung des größten Faschingszuges in Südbayern. "Die Wagenbauer brauchen Planungssicherheit", so Krämer, "die können wir ihnen nicht geben." Zuletzt sind 27 Faschingswagen und zehn Fußgruppen dabei gewesen. Es wäre die 68. Auflage des Olchinger Faschingszugs gewesen. Dreimal ist er in den vergangenen 60 Jahren abgesagt worden. 1961 während der Flutkatastrophe in Hamburg, 1990 anlässlich des Orkans "Wiebke" und ein Jahr später während des ersten Irak-Kriegs. Auch im Vorstand des Kartells der Gernlindener Ortsvereine, das den dortigen Faschingszug regelmäßig am Faschingssonntag veranstaltet, "überwiegt die Meinung, es nicht zu machen", teilt Christian Kemether, der Leiter des Ortskartells, auf Nachfrage mit.

"Wir können die Zugstrecke nicht überblicken und überwachen", erklärt Kemether eines der Probleme, das auf die Verantwortlichen zukommen würde. Schon immer wieder hätte man Probleme mit Alkohol und zerbrochenen Glasflaschen gehabt, mit Corona würde alles noch viel schwieriger werden. Auch in Mammendorf ist man skeptisch, ob der Faschingszug am Faschingsdienstag mit anschließendem Faschingstreiben stattfinden kann. "Im Moment kann ich mir das nicht so richtig vorstellen", sagt Organisator Anton Fasching. Er will jedoch der Entscheidung des Volksfest- und Kulturausschusses des Gemeinderates nicht vorgreifen. Der wird wohl im November in nichtöffentlicher Sitzung einen Beschluss fassen und auch über das Stattfinden des Bürgerballs entscheiden. kwg

Die Faschingsgilde Olching (FGO), so sieht es aus, wird als einziger Verein im Landkreis ein erwachsenes Prinzenpaar proklamieren. Der 7. November ist dafür vorgesehen. Die Prinzenpaar-Präsentation soll im Kom stattfinden. Dafür hat die Showgruppe "Spirit of Motion" auch ein Auszug aus ihrem neuen Programm "Lebensgefühl" vorbereitet. Möglicherweise wird es im Kom, um alle Corona-Auflagen zu erfüllen, die Präsentation in zwei Schichten geben. "Das Paar wird dann zwei Jahre im Amt sein", erläutert FGO-Pressesprecherin Gabriele Daniel. Zwei Jahre deshalb, weil die Inthronisation des Paares nicht stattfinden kann. Der dafür vorgesehene Galaball am 9. Januar in der Olchinger Mehrzweckhalle ist bereits abgesagt worden. Im Innenbereich rechnet Daniel in der kommenden Faschingssaison nicht mit einer Veranstaltung. "Vielleicht können wir Outdoor auf dem Volksfestplatz etwas machen", spekuliert Daniel.

© SZ vom 23.10.2020

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