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Olching:Eis und Kuchen zum Jubiläum

Vor zehn Jahren wurde aus dem Ort eine Stadt. Aus dem Festakt wurde nichts, gefeiert wird trotzdem

Von Katharina Knaut, Olching

Bürgermeister Andreas Magg (SPD) nimmt eine Kuchengabel zur Hand, bugsiert ein Stück Torte auf einen Teller und überreicht ihn Anni Wunderlich, mit 105 Jahren die älteste Einwohnerin Olchings. Landrat Thomas Karmasin und Reinhold Bocklet, vormaliger erster Vizepräsident des Bayerischen Landtages (beide CSU) verfolgen das Geschehen, mehrere Kameras halten den Moment fest. Die Stimmung ist locker an diesem schwülheißen Samstag auf dem Platz vor dem Laurentiushaus in Olching. Neben den Politikern haben sich weitere Gäste vor der Senioreneinrichtung versammelt, darunter Emmi van Laack, seit 2020 Leiterin des Laurentiushauses, und Barny Ganser von der Konditorei Ganser, der den Kuchen gebacken hat. Dazu 13 Senioren sowie einige Mitarbeiter. Sie bilden die Geburtstagsgesellschaft für die kleine Feier anlässlich des zehnten Jubiläums der Stadterhebung Olchings.

Nichts deutet an diesem Tag darauf hin, dass eigentlich ein anderer Rahmen für den Jubiläumstag geplant war. Magg hatte zu einem Festakt vor der Olchinger Kulturwerkstatt (Kom) geladen. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wollte eine Festrede halten, Karmasin und Bocklet hatten zugesagt, die Stadträte waren eingeladen, sogar eine Blaskapelle sollte spielen. Doch die Olchinger CSU-Fraktion und die Freien Wähler Olching (FWO) wollten an der Veranstaltung nicht teilnehmen. Die Pandemie erlaube noch keine Zusammenkünfte, die nicht absolut notwendig seien. Ein Fest anlässlich des Stadtjubiläums, auch in kleinem Rahmen, zähle nicht dazu, so die Begründung. Auch solle ein solches Ereignis mit der gesamten Stadtbevölkerung gefeiert werden, erklärt die FWO.

Andreas Magg schneidet eine Torte für die Bewohner des Laurentiushauses an. Mit dabei sind Reinhold Bocklet (links) Emmi von Laack (sitzend), und Landrat Thomas Karmasin (rechts).

(Foto: Günther Reger)

Magg sagte die Feier daraufhin ab. Ereignislos sollte das Jubiläum aber nicht vorübergehen: Für alle Bürger spendierte die Stadt 2011 Kugeln Eis, an die Bewohner von Senioreneinrichtungen wurde außerdem Kuchen verteilt. Und wenn schon kein Festakt vor dem Kom, sollte zumindest ein symbolischer Tortenanschnitt vor dem Laurentiushaus in Olching stattfinden.

Magg ist zufrieden mit dieser Veranstaltung. Es freue ihn, dass Karmasin und Bocklet gekommen seien. Sogar Innenminister Joachim Herrmann schickte eine Videobotschaft, in dem er die Fortschritte der Stadt Olching lobt. Die Auseinandersetzung um die ursprünglich geplante Feier ist für Magg erledigt: "Es wurden alle Positionen ausgetauscht."

Karmasin will die Diskussion ebenfalls nicht in den Fokus rücken. Er und Bocklet betonen in kurzen Ansprachen, wie gut sich die Kommune seit der Stadterhebung entwickelt hat. Olching habe die Ansprüche der Menschen erfüllt und sei ihnen gleichzeitig eine Heimat geblieben, sagt Karmasin. Die Erhebung habe dazu beigetragen, die Ortsteile Esting, Graßlfing, Geiselbullach und Olching, die im Rahmen der Gebietsreform 1978 eher unfreiwillig zusammengebracht wurden, endgültig zu vereinen, erklärt Bocklet, der längere Zeit in Geiselbullach lebte.

Später gibt es Gratis-Eis für alle.

(Foto: Günther Reger)

Etwa eine Stunde dauert das Beisammensein, danach zerstreuen sich die Gäste. Für Magg geht es weiter. Um 16 Uhr hat er das Kuchenmesser gegen einen Eisportionierer getauscht. Kugel um Kugel drapiert er hinter der Theke des Eiscafés Dolomiti auf Waffeln und Becher. Die Stadt spendiert bis Sonntag in drei Eisdielen in Olching Gratis-Eis. Wegen der großen Nachfrage wurde das Kontingent von 2011 auf 3011 Kugeln erhöht. "Das ist eine wirklich gute Idee" sagt eine Olchingerin. "Die Kinder freuen sich und wir Erwachsenen haben auch etwas davon." Ein Olchinger stimmt zu. "Es passiert nicht jeden Tag, dass der Herr Bürgermeister persönlich ein Eis ausgibt." Er freue sich darauf, wenn das Jubiläum mit einem großen Fest nachgefeiert werde.

© SZ vom 21.06.2021
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