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Olching:Durch den Körper sprechen

Therapeutisches Reiten

Auf dem Fritton-Hof in Olching helfen Sonja Lauber-Karres (links) und Tamara Nelz Emily beim Reiten

(Foto: Günther Reger)

Vor allem Kinder lernen bei der Therapie mit Pferden viel dazu

Das Glück der Erde liegt bekanntlich auf dem Rücken der Pferde. Wenn es so ist, wie Sonja Lauber-Karres erklärt, dann könnte an der Redensart tatsächlich etwas dran sein: Lauber-Karres, betreibt in Olching eine Reittherapieschule und sagt, die Tiere förderten das Selbstvertrauen, steigerten die Konzentration und sensibilisierten die Menschen für den Umgang mit anderen Menschen.

Vor allem die Körpersprache spiele bei der Interaktion mit den Tieren eine besondere Rolle, erklärt sie. Ein Pferd wisse im Bruchteil einer Sekunde, ob sein Gegenüber in der Rangordnung niedriger-, gleich-, oder höhergestellt ist. "Dementsprechend verhält es sich dann." Wirke man auf sie schutzbedürftig, werden die Pferden in ihren Bewegungen langsamer und vorsichtiger, sie behandeln denjenigen wie ein Fohlen. Lerne man jedoch, entschieden aufzutreten, hörten sie auf die Kommandos, wie beim Hengst oder der Leitstute der Herde.

Lauber-Karres erinnert sich dabei an einen Buben, der in der Schule gehänselt worden sei und sich nie getraut habe "Nein" zu sagen, auch nicht zum Pferd. "Ich meinte zu ihm, stell' dir vor, du wärst ein Bär. Und dann sagst du zum Pferd, es soll anhalten". Gesagt, getan. Das Tier sei sofort stehen geblieben. "Das gibt viel Selbstvertrauen, wenn man realisiert, dass man ein Tier von 400 Kilo zum Stehen bringen kann, auch wenn man selbst nicht mehr wiegt als 50 Kilo." Der Junge habe die "Bärentaktik" daraufhin in der Schule angewandt. "Das Kind, das ihn ärgerte, ist dann sofort gegangen." Körpersprache mache im Gespräch sehr viel aus, die meisten Menschen achten jedoch mehr auf Worte. "Im Umgang mit Pferden muss man sich seiner Bewegungen aber bewusst sein. So kann man das üben."

Anders als beim Menschen, sehe man an der Reaktion sofort, wie man sich gerade verhält. "Ein Pferd lebt im Jetzt". Ist man angenehm, kommt es auf einen zu. Ist die Situation stressig, geht es weg. Und schweift beim Reiten die Konzentration ab, merkt es das Tier auch sofort. "Dann bleibt es stehen und grast", sagt Lauber-Karres. Vor allem bei Kindern mit ADHS, der Aufmerksamkeitsdefizitstörung, sei das sehr nützlich. "Sie realisieren oft gar nicht, dass sie nicht mehr aufmerksam sind. Dadurch, dass das Pferd stehen bleibt, wird ihnen das bewusst." Für ein Kind sei es ohnehin etwas Besonderes, im wahrsten Sinne des Wortes die Zügel in die Hand zu nehmen. "So übernimmt es die Verantwortung", sagt die Reittherapeutin, "damit wird die Persönlichkeit enorm gefördert."

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