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Olching: Diskothek gegen Qualmverbot:Rauchen erlaubt

Qualmer müssen draußen rauchen? Nicht in Olching. Eine Diskothek umgeht die Regelung - und firmiert künftig als "Geschlossene Gesellschaft".

Eine Diskothek als geschlossene Gesellschaft? Das ist kaum vorstellbar - in Olching jedoch soll das Wirklichkeit werden. Denn für den Diskothekenbesitzer Mathias Stuhler ist der bayerische Volksentscheid zum totalen Rauchverbot noch nicht das letzte Wort. "Ich habe auf das bisher gültige Gesetz vertraut und auch entsprechende Investitionen getätigt", erläutert Stuhler, der einer der Kampagnensprecher des Aktionsbündnisses "Bayern sagt Nein" zum Rauchverbot gewesen war.

Striktes Rauchverbot tritt in Kraft

Im Musik-Erlebnis-Center von Olching darf auch weiterhin geraucht werden.

(Foto: dpa)

Das Vorstandsmitglied zur Erhaltung der bayerischen Wirtshauskultur hat deshalb eine Klage auf Vertrauensschutz eingereicht. "Das ist eine Nennungs- und Beurteilungsklage", so Stuhler, der sich selbst als "Genussraucher" bezeichnet und jetzt, wie er sagt, "auf meinen Rechtsstaat vertraut".

"Die CSU hat im Gegensatz zur FDP das Gesetz nicht verteidigt", so Stuhler, der vor allem mit der größeren Regierungspartei hadert. Bis die Gerichtsentscheidung rechtskräftig ist, hat er sein Musik-Erlebnis-Center (MEC) im Olchinger Gewerbegebiet von einem bisherigen Liberalen Raucherclub in eine Geschlossene Gesellschaft umgewandelt, die ausdrücklich nicht mehr öffentlich zugänglich ist.

"Das ist in Abstimmung mit den Vollzugsbehörden geschehen", sagt Stuhler und beruft sich auf die Vollzugsverordnung des bayerischen Gesundheitsministeriums zur Geschlossenen Gesellschaft. "Die ist bei mir im MEC eher gegeben als bei einer Hochzeit oder Familienfeier", argumentiert der 51-jährige Diskothekenchef, der seit 1986 das Musiklokal in Olching betreibt. Stuhlers Spezialität sind Ü30-Partys, Teenager lässt er kaum in seine Diskothek, die mehr als 300 Plätze hat. "Am liebsten habe ich Leute über 30 in Begleitung." Die Geschlossene Gesellschaft betreibt Stuhler mit Clubkarte und Einlasskontrollen. "Da wird richtig aussortiert", sagt er, "Einlass gibt es nur für meine Stammgäste, die ich alle persönlich kenne." Wie viele Mitglieder seine Geschlossene Gesellschaft hat, will Stuhler nicht verraten.

Offenbar gehören auch Nichtraucher dazu, denn im Lokal selbst hat er im Bistrobereich und in einer Ecke des Tanzstadls eine Nichtraucherzone eingerichtet. Stuhler will seine Rechtsauffassung konsequent vertreten, er ahnt aber auch schon, dass er von den Gerichtsinstanzen abgewiesen werden könnte. "Dann muss ich auch einknicken", räumt er ein. Aber vorerst will er aufrecht und bockig bleiben.

Damit steht er offenbar im Landkreis ziemlich alleine da. Die meisten Gastwirte haben bereits zähneknirschend angekündigt, sich an das Rauchverbot halten zu wollen. Lediglich die Zahl der Familien- und Geburtstagsfeste, bei denen es auch in Bayern einen gewissen Ermessensspielraum der Behörden gibt, wird wohl deutlich zunehmen. Die erste größere Bewährungsprobe gibt es vom 27. August an-dann beginnt das Maisacher Volksfest. Ein Blick auf das am Wochenende gestartete Dachauer Volksfest zeigt, dass sich zwar die meisten Gäste im Festzelt ans Rauchverbot halten-bei weitem aber nicht alle.