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Olching:Der einzige Adventsmarkt weit und breit

OLCHING:  Christkindlmarkt-Outlet

Der drei Jahre alte Leo inspiziert einen Nussknacker.

(Foto: Leonhard Simon)

Im "Christkindlmarkt-Outlet" gibt es neben klassischem Kunsthandwerk auch Dinge, die vor allem bei Oktoberfestbesuchern aus Fernost begehrt sind.

Von Stefan Salger, Olching

Unter der Woche habe sich der Besucherandrang in Grenzen gehalten, sagt Pierre Bussjäger. Hinter der Maske kann man das feine Lächeln erahnen. Aber am Sonntag hat sich offenbar herumgesprochen, dass der hünenhafte 43-Jährige so etwas wie der Herr über ein unfreiwilliges Monopol ist. Denn nirgends sonst findet man zurzeit das, was man an einem klassischen Adventsmarktstand erwartet - von Räuchermännchen über Christbaumschmuck bis Weihnachtspyramide. Landauf, landab sind die Adventsmärkte abgesagt worden. Die Lagerhalle am Olchinger Ilzweg, hinterm S-Bahnhof, schwimmt gegen den Strom und öffnet die Türen des "Outlets" - bis kurz vor Heiligabend.

Bussjäger staunt selbst fast ein wenig angesichts der zahlreichen Besucher, die am verkaufsoffenen Sonntag gekommen sind. Manche sind aus der Nachbarschaft. So wie Annemarie Schilcher, die nichts besonderes sucht, sondern sich einfach inspirieren lassen will. Wenn sie etwas Schönes finde, werde sie es kaufen. Eine Win-win-Situation: Das eigene Heim profitiert mit Blick aufs stimmungsvolle Ambiente - und man hilft einem örtlichen Betrieb, der natürlich in Corona-Zeiten ordentlich gebeutelt wird. Viele Besucher sehen das ähnlich und sind aus den umliegenden Gemeinden und Städten gekommen.

OLCHING:  Christkindlmarkt-Outlet

Auch bei Kunden aus dem Landkreis sehr beliebt und deshalb reichlich vorrätig ist der Nikolaus in der Schneekugel.

(Foto: Leonhard Simon)

In diesem Jahr also ist alles anders. Da wirkt der Spruch an einer der dunkelroten Christbaumkugeln in seiner Unbeschwertheit fast wie aus einer anderen Welt: "Lasst uns endlich Weihnachten feiern." Das dürfte 2020 nicht gar so einfach werden. Das gilt ebenfalls für Melanie und Pierre Bussjäger, auch wenn sie sich nicht so schnell unterkriegen lassen. Die beiden haben beizeiten vorgesorgt. Nebenan steht das Firmengebäude von SB Modellbau - das zweite "Standbein". Dort werden mit sechs Angestellten Modelleisenbahnen repariert. Corona kann diesem Geschäftszweig nichts anhaben, eher im Gegenteil - die meist älteren Kunden haben aktuell mehr Zeit für ihr Hobby und dafür, den Fuhrpark von Märklin oder Fleischmann wieder auf Vordermann zu bringen.

Aber der Verkauf von Kunsthandwerk hat einen argen Dämpfer erhalten. Seit es den Christkindlmarkt auf dem Münchner Marienplatz gibt, also seit 1972, sind die Bussjägers dort mit einem Stand vertreten - früher waren dort Ursula und Erich Bussjäger von früh bis spät und bei jedem Wetter, 2005 stieg dann der Sohn Pierre mit ein. In der Folge des 11. September gab es im Jahr 2001 einen spürbaren Umsatzeinbruch, gleiches geschah 2016 nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche. Aber ganz abgesagt? Das gab es noch nie.

Auf dem Münchner Christkindlmarkt machen die Bussjägers in normalen Jahren mehr Umsatz als mit ihren Ständen auf Oktoberfest oder Volksfesten wie jenem in Dachau. Die originellen Miniaturen von Weißbier, Gurke oder Weißwurst, die man sich an den Christbaum hängen kann, dürften eher auf den Geschmack der Wiesnbesucher aus Fernost zugeschnitten sein. Vielleicht bleiben sie Ladenhüter, nachdem in diesem Jahr auch alle Volksfeste gestrichen wurden. An einer Glasflügeltür hängt noch das offizielle Oktoberfestplakat, das wahrscheinlich mal Sammlerwert hat. Auf gelbem Grund unter dem Bild einer Breze steht "Oktoberfest München - 19.9. bis 4.10.2020." An der anderen Flügeltür hängt das Kontrastprogramm: Abstand halten, Mund-Nasenschutz-Pflicht! Nicht so schön, wenn man ein hundert Quadratmeter großes und gut gefülltes Lager hat. Nicht alle Bestellungen konnte Bussjäger rechtzeitig stornieren. Wollte er auch gar nicht, denn noch im Sommer sah alles ja eher nach Entspannung aus.

OLCHING:  Christkindlmarkt-Outlet

Pierre Bussjäger inspiziert außergewöhnlichen Christbaumschmuck, den vor allem Oktoberfestbesucher aus Italien oder China gerne als Souvenir mit in die Heimat nehmen.

(Foto: Leonhard Simon)

Bussjäger wendet sich kurz einer Kundin zu, die vor dem Regal mit den Schneekugeln steht. "Vier davon gibt es als Angebot zurzeit für zehn Euro", sagt er. Bussjäger kauft große Stückzahlen, immer dann, wenn es gerade günstig ist. Die meisten Artikel kommen aus Osteuropa oder Fernost. Die Qualität sei dort mittlerweile gut. Die Originale aus dem Erzgebirge wären zu teuer - für einen Nussknacker müsste man statt 29,50 um die 70 Euro verlangen. Leo, 3, der mit seiner Mutter Andrea Martin und Oma Irmgard Sommerer aus Maisach gekommen ist, gefallen die Nussknacker jedenfalls sehr gut. Fündig wird das Trio dann etwas weiter hinten: eine Schneekugel, eine Weihnachtspyramide und Christbaumkugeln. Der Besuch hat sich gelohnt.

Christkindlmarkt-Outletsale, Olching, Ilzweg 4, bis zum 23. Dezember, Montag bis Freitag 8 bis 12 und 13 bis 16.30 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr (bei SB-Modellbau klingeln). Angeboten werden auch Kunsthandwerk von Mariele Berngeher sowie Produkte der Olchinger Biermanufaktur und Alpenschnaps.

© SZ vom 30.11.2020/vewo
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