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Olching:Blühendes Leben

Die Künstlerin Dora Dorl-Nastasa hat vier Kleider aus Papier entworfen. Jedes steht dabei für eine Jahreszeit. Bei einem Shooting erinnert sie damit an das legendäre Abbey-Road-Motiv der Beatles

Von Florian J. Haamann, Olching

Nicht etwa aus Stoff, sondern aus Papier sind die Kleider der Gröbenzeller Künstlerin Dora Dorl-Nastasa. Drei Monate hat sie an ihren Kreationen gearbeitet, nun hat sie sie bei einem Shooting in Szene gesetzt.

(Foto: Günther Reger)

Die Aufregung ist groß an diesem Sonntagmittag im Gewerbegebiet im Olchinger Süden. Während vier Models in ihren farbenprächtigen Kleidern noch einmal schauen, dass alles richtig sitzt, gibt die Künstlerin Dora Dorl-Nastasa die erste Anweisung an ihre Helfer: "Ab jetzt halten wir die Autos an", ruft sie. Denn für die nächsten Minuten wird die Straße mitsamt Zebrastreifen zur Kulisse für ihr geplantes Fotoshooting. Das legendäre Beatles-Foto mit dem Zebrastreifen will sie mit ihren Models nachstellen - Johann-G.-Gutenberg-Straße statt Abbey Road.

"Nun, die besten Ideen entstehen in der Nacht. Da kam mir auch dieses geniale Fotomotiv in den Sinn. Bin zum Computer gerannt und dann ist mir nur noch ein Satz eingefallen: That is it. Die vier Beatles, meine vier Grazien, dazu John Lennon der einen weißen Anzug getragen hat, genau wie mein Frühlingskleid", erzählt die Künstlern. Jedes der vier Kleider steht für eine Jahreszeit, neben dem weißen für den Frühling, gelb-orange für den Sommer, violett für den Herbst, rot für den Winter. Für Dorl-Nastasa repräsentieren die Jahreszeiten das Leben. "Ich habe mal einen wunderbaren Satz gelesen, der meine Kreationen perfekt beschreibt: Die vier Phasen der Sonne in den vier Jahreszeiten zeigen uns wie wir unserem Leben immer wieder zu neuer Blüte verhelfen können". Das also ist es, was sie mit ihrer neusten Kreation festhalten will, die sie an diesem Mittag in Szene setzt. "Die Bilder müssen dann in die weite Welt getragen werden, was ja heute dank Facebook, Instagram und Co recht einfach ist.

Die Kleider, die Dorl-Nastasa entworfen hat, sind keine normalen Kleider. Denn sie bestehen nicht etwa aus Stoff, sondern aus Papier - dem Lieblingsmaterial der Künstlerin. In einem Onlineshop bietet sie zahlreiche Deko-Artikel, viele davon aus Papier an. "Es ist als Material so vielseitig. Lange haltbar, durch Recycling bleibt es uns erhalten. Durch kreatives Schreiben oder wie in meinem Fall kreative Kunstwerke kommt Papier richtig zur Geltung", sagt sie. Drei Monate habe sie an den vier Kleidern gearbeitet.

In ihrem Onlineshop www.lila-atelier.de vertreibt die Gröbenzellerin Dora Dorl-Nastasa selbstgemachte Dekoartikel für jeden Anlass, in ihrer Freizeit widmet sie sich der Kunst.

(Foto: Günther Reger)

Mittlerweile stehen die vier Models aufgereiht auf dem Zebrastreifen. Daneben steht die Brucker Fotografin Irmgard Brand auf einer kleinen Leiter und schießt Foto um Foto. "Die Finger nicht so weit weggespreizt", ruft Dorl-Nastasa noch eine Anweisung dazwischen. Fünf Minuten posieren die Models, dann ist die Fotografien mit den Ergebnissen zufrieden. Nun steht das zweite Setting an. Gleiches Motiv, diesmal aber mit den jeweils passenden Gesichtsmasken. "Da muss man ja gar nicht mehr lachen", ruft eines der Models und schon steht Brand wieder auf ihrer Leiter und versucht den perfekten Moment festzuhalten. Währenddessen überlegt Dorl-Nastasa schon, vor welchem Hintergrund sie gleich das dritte Setting fotografiert haben möchte. Denn als weiteres Accessoire hat sie bunte Kopfhörer dabei. Soll es also vor die grüne oder die graue Wand gehen? Ach, zur Sicherheit erst noch mal auf dem Zebrastreifen, entscheidet die Künstlerin. Die vier Models, im Alter von Frühling bis Winter aufsteigend, ziehen sich also die Kopfhörer an und gehen wieder in Position. Plötzlich fängt eine von ihnen an zu summen, dann zu singen. "Love, love, love". Die anderen stimmen ein und es legt sich nun endgültig ein Hauch Beatles über den Zebrastreifen.

Wie Sie eigentlich auf die Idee gekommen ist, ausgerechnet Kleider aus Papier zu machen? "Ich hatte nach einem Kleid gesucht mit Weihnachtssternen als Motiv und nichts passendes gefunden. Da stand ich da also ohne Kleid. Aber Not macht ja erfinderisch und dann habe ich entschieden, mir eines zu basteln", erzählt Dorl-Nastasa. Wichtig war ihr, dass es auch wirklich tragbar ist. "Überraschenderweise habe ich dafür viel Lob bekommen. Das hat mich auf die Idee zum Jahreszeiten-Projekt gebracht." Aus eigener Erfahrung ist die Künstlerin überzeugt, dass man die Papierkleider zu bestimmten Anlässen auch wirklich tragen kann. "Auf dem roten Teppich, auf der Bühne zum Konzert, als Begleitung zu bestimmten Produkten. Da passt das".

© SZ vom 16.07.2020

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