Olching Berliner Ornithologe gibt Vogelpark recht

Greifvogel-Fachwart Sascha Kuchenbaur mit Seriema-Laufvogel.

(Foto: Johannes Simon)

Olchinger Betreiberverein erreicht mehrere Gerichtsurteile zu seinen Gunsten und hofft auf Einigung mit Landratsamt.

Von Stefan Salger, Olching

Der Konflikt darüber, welche und wie viele Greifvögel in einer vor mehr als vier Jahren genehmigten, aber seit Frühjahr 2015 leer stehenden Anlage des Olchinger Vogelparks gehalten werden dürfen, könnte vor der Lösung stehen. Darauf lassen Äußerungen sowohl des Vogelliebhabervereins als auch des Landratsamts schließen. In den zurückliegenden Monaten waren bereits zahlreiche juristische Verfahren abgeschlossen worden. In der Regel haben die Gerichte im Sinne des Vogelparks entschieden. Dessen Vertreter sehen sich in ihrer Meinung bestätigt, dass Veterinäramtschef Hans-Werner Merk weit übers Ziel hinausgeschossen sei und den Vogelpark zu Unrecht blockiert habe.

Vor allem mehrere Gutachten des renommierten Ornithologen Martin Kaiser vom Berliner Zoo brachten den Durchbruch. Um seine fachliche Einschätzung abzuwarten, hatten Verwaltungsrichter mehrere Verfahren zwischen Vogelliebhaberverein und Kreisbehörde zunächst ausgesetzt. Strittig waren Vorgaben, die das Landratsamt teils unter Androhungen von Bußgeldern durchsetzen wollte.

So ging es in einem Fall um Winterquartiere für Gelbkopfgeier und die Laufvögel der Gattung Seriemas - genauer gesagt darum, wie kälteempfindlich diese sind und wie Beleuchtung und Belüftung in der kalte Jahreszeit beschaffen sein müssen. Kaiser widerspricht in seinem Gutachten sehr deutlich den von Merk wiederholt vorgebrachten Vorwürfen, im Vogelpark werde gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Eine artgerechte Haltung sei in Olching gewährleistet, so der Wissenschaftler, der auf seinem Fachgebiet bundesweit als versierteste Kapazität gilt. Vorsitzender Dieter Ernst und Fee Huber, Rechtsanwältin des Vogelliebhabervereins, freuen sich über den Erfolg "auf der ganzen Linie" und darüber, dass die Behörde die Kosten tragen muss. Beide Parteien hatten sich mit Blick auf das Gutachten gegenüber dem Verwaltungsgericht dazu bereit erklärt, das Verfahren "für erledigt zu erklären".

Im Verlauf des jahrelangen Rechtsstreits hatte der Verein zuvor noch vergeblich versucht, die Kreisbehörde durch Zugeständnisse zu einer gütlichen Einigung zu bewegen. So wurde trotz fachlicher Zweifel am realen Bedarf ein halb offener Unterstand für die großen Emu- und Nandu-Laufvögel errichtet sowie das Gehege vergrößert und Enten, die angeblich durch Wildtiere wie Marder oder auch durch Tierseuchen gefährdet waren, wurden an andere Einrichtungen abgegeben.

Strafrechtlich bleiben auch die separaten Verfahren, die die Kreisbehörde gegen Sascha Kuchenbaur angestrengt hat, ohne Folgen. Hier freilich gibt es keine eindeutigen Gewinner und Verlierer, auch wenn der 25 Jahre alte Olchinger Greifvogelfachwart zufrieden ist mit dem Ergebnis. Die auf Initiative des Landratsamts im vergangenen Jahr beschlagnahmten Falklandkarakaras und Singhabichte wurden zwar artgerecht gehalten, zurück bekommt sie Kuchenbaur aber nicht. Die Tiere hatte er von einem Luxemburger Züchter gekauft, der eine falsche Adresse angegeben hatte. Weil sich somit die Herkunft der Tiere nicht belegen lässt, wurden sie von der Kreisbehörde, wie in solchen Fällen durchaus üblich, beschlagnahmt. Vergeblich hatte sich der Vogelliebhaberverein dafür eingesetzt, die Tiere dennoch in den geräumigen Gehegen in Olching unterbringen zu dürfen. Ein weiterer Bescheid des Landratsamts hingegen wurde vom Gericht kassiert: Kuchenbaur muss sich nicht vorwerfen lassen, ein gewerblicher Tierzüchter zu sein und für Transporte keine Zulassung besessen zu haben. Gleichwohl einigten sich beide Parteien darauf, dass Kuchenbaur vorsorglich eine Transportzulassung beantragt.

Kuchenbaurs Mutter Daniela, früher Vorsitzende des Vereins und aktuell ebenfalls Fachwartin, schüttelt den Kopf über den ganzen Konflikt: "Warum muss da alles über die Rechtsabteilung laufen?" Mit anderen Behörden funktioniere es doch auch: "Auf Bitten des Lindauer Landratsamts haben wir letzte Woche Edelpapageien aufgenommen, die nicht artgerecht gehalten worden waren. Das zeigt doch, dass der Vogelpark einen guten Ruf genießt." Dieter Ernst hofft, dass auch das Brucker Landratsamt dies noch erkennt. Beim Besatz der Greifvogelanlage als letztem offenen Konflikt sei man "auf einem guten Weg". In den nächsten Tagen soll es erneut Gespräche geben. Das bestätigt die zuständige Abteilungsleiterin im Landratsamt, Luitgard Reigl. Geklärt werden müssten noch Details zu Größe und Grundriss der einzelnen Gehege.