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Olching:Beautysalon für Vierbeiner

Sabrina Kraißer nimmt sich Zeit für Hunde in ihrem Salon in Olching. Wie viele andere seriöse Besitzer von Hundesalon auch, hat sie eine spezielle Ausbildung gemacht, die jedoch offiziell nicht anerkannt ist.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Kein Job wie jeder andere ist das Groomen. Im Landkreis gibt es etwa 20 Läden, in denen Fell, Gebiss und Pfoten der Hunde gepflegt und sogar Allergien behandelt werden

Sich ringelnde Löckchen, borstige Zotteln, samtene Strähnen. Das Fell eines Hundes gestaltet sich ähnlich variantenreich wie das Haar eines Menschen. Und wo Haupt, Kinn und Brust gehegt werden, findet eine flächendeckende Körperbehaarung noch mehr Berechtigung, gepflegt zu werden. Sabrina Kraißer hat sich der Pflege von Hundehaaren verschrieben. Die 30-Jährige ist Hundefriseurin und Inhaberin von "Deine Hundezeit". Nun will sie mit ihrem Laden innerhalb Olchings, nämlich in die Dachauer Straße, umziehen. "Die Lage dort ist wesentlich besser. Mein neues Geschäft wird sich direkt an der S-Bahn Haltestelle befinden, da gibt es mehr Laufkundschaft", begründet sie ihren Entschluss.

Ihren Salon in der Ordenslandstraße betreibt sie seit Februar 2019. Mit Tieren hat Kraißer schon immer gerne gearbeitet, deshalb auch die Ausbildung zur Hundetrainerin. Zur Friseurin hat sie sich dann in Nagold, einer Stadt südwestlich von Stuttgart, weiterbilden lassen. Der Hundesalon "Fino" ist eine der wenigen Ausbildungsstätten in Deutschland, die explizit Lehrgänge für werdende "Groomer" anbietet. Die Verbreitung stümperhafter Schneidekünste soll so eingedämmt werden. Weil die Ausbildung nicht offiziell anerkannt ist, erfolgt auch keine staatliche Reglementierung. Grundsätzlich kann jeder selbst ernannte Hundefriseur ein eigenes Geschäft eröffnen, ähnlich wie bei Barbershops.

Die Auszeichnungen und Urkunden, die sich an den Wänden von Kraißers Salon anordnen, sind in der Branche folglich viel Wert. Gleichermaßen beugen die ihnen zugrunde liegenden Kompetenzen dem Frust von Hund und Herrchen vor. Die 30-Jährige fordert eine staatliche Anerkennung ihres Berufs. "Man muss einfach unglaublich viel über die Beschaffenheit des Hundefells lernen, um wirklich Ahnung zu haben. Denn Haut und Haare unterscheiden sich von Hund zu Hund und von Rasse zu Rasse", erklärt sie. Ähnlich sieht das auch Stephanie Hotze vom "Pfotenparadies" in Grafrath. "Man würde ernster genommen werden. Schließlich muss man die Anatomie des Tieres kennen, man muss 'Hundeverstand' haben und darf keine Angst haben, Tiere anzufassen. Das merken die nämlich sofort", führt sie aus. "Hundeverstand haben", das bedeutet, sich innerhalb weniger Sekunden gänzlich in einen fremden Vierbeiner hineinversetzen zu können, der die Prozedur nicht ohne Zappeln über sich ergehen lässt.

Exzentrische Frisurenwünsche nehmen seit den Siebzigerjahren ab. Ohnehin seien bestimmte Fellschnitte stets rassetypisch, erklärt Monika Hotze vom Hundesalon "Vier Pfoten" aus Germering. "Wer einen Russischen Terrier besitzt, der lässt sich das Stutzen meist gleich vom Züchter beibringen. Einen Superpudel wollen nur noch die wenigsten, die meisten bevorzugen einen Familienhund. "Schade ist das schon, ich kann überhaupt nicht zeigen, was ich alles kann", klagt Hotze. Während ihrer dreimonatigen Ausbildung in Oldenburg lernte sie, Showfrisuren zu schneiden, extravagante Schnitte wie sie vor allem auf Hundeschauen oder Laufstegen zu sehen sind. Geschoren werden müssen grundsätzlich nur Hunde, deren Fell lang wächst. Malteser oder Havaneser zum Beispiel. Husky und Spitz müssen gar nicht zum Schneiden kommen, was nicht heißt, dass sie sich nie einem der Pflegesalons blicken lassen sollten. Denn Kraißer zum Beispiel schneidet auch Krallen, befreit Zähne mittels Ultraschall von lästigem Zahnstein und lindert die Allergiebeschwerden betroffener Vierbeiner.

Laut einer Erhebung des Meinungsforschungsportals Statista von 2018 leben in Deutschland etwa 9,4 Millionen Hunde. Etwa 19 Prozent aller Haushalte halten sich einen oder mehrere Vierbeiner. Im Landkreis Fürstenfeldbruck gibt es an die 20 Hundesalons. Stephanie Hotze stellt fest, dass das "Groomen" von Hunden innerhalb der letzten sechs Jahre leicht zugenommen hat. Dem Tierbedarfsladen, in dem sie nebenberuflich tätig ist, ist ein Frisiersalon angeschlossen. "Grundsätzlich ist der Markt für Tiere auf jeden Fall da. Viele gehen bei uns schnell einkaufen, geben ihre Hunde währenddessen ab. Das ist einfach praktisch", sagt Hotze.

Als einmal ein Hund aus dem Tierschutzverein zu Kraißer gebracht wird, kann der erste Besuch nur mit Maulkorb stattfinden. Beim zweiten Mal waschen, schneiden, föhnen war der Hund dann ganz entspannt. "Das sind schon Erlebnisse, die bleiben", sagt sie.

© SZ vom 08.02.2020
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