Olching Ausgetrunken

Aus speziellen Probiergläsern verkosten Johannes Krämer, Julius Langosch und Guido Amendt das erste Helle der Olchinger Braumanufaktur.

(Foto: Günther Reger)

Die ersten 40 Hektoliter des neuen, vorerst im Allgäu produzierten Biers sind komplett verkauft. Noch dieses Jahr soll in Esting die eigene Brauerei entstehen

Von Erich C. Setzwein, Olching

Ausgetrunken ist so eine kleine Flasche schnell. Zwei, drei kräftige Schlucke - und weg ist der mit viel Liebe und Wissen zubereitete Sud des Olchinger Hellen. Ganze 0,33 Liter der neuen Olchinger Bierspezialität passen in die braunen Ringbundflaschen, und dieses Maß haben Julius Langosch und Guido Amendt im Hinblick auf die zunehmende Zahl von Bier genießenden Frauen ganz bewusst gewählt. Die beiden sind die Gründer und Geschäftsführer der Olchinger Braumanufaktur, einer Brauerei, die noch ohne eigenes Sudhaus auskommen muss. Aber die Produktion ist in einer befreundeten Brauerei schon angelaufen. Und ausgetrunken haben dürften die Olchinger die ersten 470 Kästen auch schon.

Als Langosch und Amendt vor einer Woche ihr erstes für den Verkauf gebrautes Bier zusammen mit ihrem Vertriebspartner Johannes Krämer in dessen Getränkehandel an der Johann-G.-Gutenbergstraße im Olchinger Gewerbegebiet präsentierten, rissen ihnen die Kunden die Kästen und Probiertragerl buchstäblich aus den Händen. Kaum jemand, der nicht mindestens einen Sechserpack hinaus zum Parkplatz schleppte. "Nach zwei Stunden war die Hälfte schon weg", sagte ein sichtlich euphorisierter Guido Amendt. Nach einer Woche sogar alle Kästen.

Hinter dem süffigen, vollmundigen und naturtrüben, dezent bitteren Hellen steckt ein Rezept von Julius Langosch. Der 29-Jährige hat in Weihenstephan Brauwesen studiert und nach neun Semestern seinen Abschluss als Ingenieur gemacht. Wie jeder angehende Brauer hat er schon seine eigenen Biere daheim gekocht, hat getüftelt und schluckweise probiert, hat mal fünf und mal 30 Liter gebraut - alles für den Hausgebrauch. Denn ohne mit dem Zoll Probleme zu bekommen, dürfen für den Eigenbedarf maximal 200 Liter Bier im Jahr gebraut werden. Jetzt, da die ersten 40 Hektoliter im Nesselwanger Postbräu gebraut worden sind, ist für das junge Unternehmen nicht nur die Biersteuer Pflicht. Langosch und sein Geschäftspartner Amendt wollen echte Brauereibesitzer werden. Zuvor aber werden sie dem inzwischen in Olching gestiegenen Nachfragedruck nachkommen und noch ein paar Sude im Allgäu ansetzen.

Langosch bringt nicht nur das Wissen des Brauers mit in die Firma ein, er ist derzeit bei einem Firma angestellt, die Gaststättenbrauereien ausstattet. Nicht nur in München und Bayern, sondern auch im Ausland wird mit deutschen Anlagen Bier gesiedet. Zuletzt war der Kottgeiseringer Langosch in Japan. Über seine Firma beziehe er auch die Anlage, mit der in einem Gebäude der Grünen Höfe von Andreas Hatzl im Stadtteil Esting im Laufe des Jahres die Braustätte der Olchinger Braumanufaktur entstehen soll. Dort stellt sich Guido Amendt eine Brauerei vor, in der dann nicht nur der Braumeister seiner Tätigkeit nachgeht, sondern auch Publikum beim Sieden zuschauen kann. Degustationen sollen dort ebenso stattfinden wie Brauseminare für Menschen, die vielleicht danach selber mal probieren wollen, in der eigenen Küche aus Wasser, Malz und Hopfen ihr eigenes Bier zu kreieren.

Bis es allerdings so weit ist, dürfte noch viel Wasser die Amper hinunterfließen. Genug Zeit, um die Kontakte zu den Vereinen und Gaststätten zu vertiefen, die im Laufe des Jahres zu Abnehmern des Olchinger Bieres werden wollen. Zunächst, sagt Amendt, wolle man helles Bier herstellen, später auch Weißbier anbieten. Und Julius Langosch denkt schon an weitere Spezialitäten, etwa ein Bockbier. Aus kleinen Flaschen genossen, süffig bis zum Schluss.