bedeckt München 22°
vgwortpixel

Olching:Anmut und Eleganz

Das Duo Elin/Sakas glänzt mit seinem neuen Album "Mittsommernacht"

Christian Elin und Maruan Sakas trotzen der Musik Schönheit ab. Nicht puren Wohlklang und schon gar keine zuckersüße Melodienpracht. Das wäre zu banal. Anmut und Eleganz bestimmen ihren Vortrag. Intensität trotz Introvertiertheit, Spontanität trotz notierter Grundlage, Balance trotz Vielfalt. Das Duo, Saxofon/Bassklarinette und Klavier, das ist eine Konstellation, die klanglich wunderbar zueinander passt, jedoch außer im Jazz eher selten zum Einsatz gelangt, war kürzlich im Olchinger KOM zu Gast. Es war das 180. Konzert im 15. Jahr der Matinee "Eleven-Eleven". Ein Termin, den sich auch das Bayrische Fernsehen und sein Musikmagazin "KlickKlack" nicht hat entgehen lassen.

Dass der Saal fast bis auf den letzten Platz gefüllt war, lag mit Sicherheit an dem Eindruck, den Elin und Sakas an gleicher Stelle bei ihren vorigen Auftritten hinterlassen hatten. Nun waren sie zum vierten Mal in Olching. Sie selbst sprachen von einer Art Wohnzimmer, in das sie immer wieder gern kommen. Diesmal stand ihr neues Album "Mittsommernacht" (Raccanto) auf dem Programm.

Beide Musiker kennen sich ausgezeichnet, ergänzen sich seit fünf Jahren in ihren musikalischen Neigungen, erkennen die Qualitäten des jeweils anderen neidlos an und sind leidenschaftliche Instrumentalisten, die empathisch denken und solidarisch handeln. Ihr Repertoire kommt dem kammermusikalischen Anspruch der Olchinger Reihe absolut entgegen. Neben ihrer klassischen Grundrichtung irrlichtert immer wieder die Unvorhersehbarkeit des Jazz durch ihre Interpretationen, finden orientalische Wendungen und asiatische Kompositionsideen Eingang in ihre Stücke. Es sind meist pastellfarbene Töne und introspektive Haltungen, die in Klang gegossen werden. Keine glamourösen Standards und auch keine abgelegten klassischen Zitate. Stattdessen wunderbare instrumentale Dialoge, die wie ein intelligentes und unterhaltsames Gespräch daherkommen, die einem inneren Austausch von Ideen und Überzeugungen nahe sind und etwas Weltläufiges verströmen.

Pianist Maruan Sakas, der Klassik und Jazz studierte, bevorzugt eine romantische, impressionistische Herangehensweise. Das Emotionale steht in seinem musikalischen Verständnis weit vorn, was jedoch nicht bedeutet, dass er das Intellektuelle, das Lebhafte im Klavierspiel vernachlässigen würde. Denn er ist zugleich ein ausgezeichneter Techniker, ohne jedwede egozentrische Allüren. Trotz solistischer Könnerschaft ein Teamplayer, dessen Empathie und Hinwendung das Besondere darstellt.

Christian Elin liebt die Vielfalt. Nicht nur im Duo mit Maruan Sakas spielt er Kammermusik, zudem musiziert er sehr gern als Orchestermitglied, hat unter Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Kirill Petrenko oder Peter Eötvös gearbeitet und widmet sich mit Freuden Kompositionsarbeiten.

Er wechselt entsprechend den benötigten Klangfarben in den einzelnen Stücken zwischen dem beschwörenden Sopransaxofon und der tiefgründigen, rauen Bassklarinette und wird dabei häufig, sozusagen als Ausgleich, getragen von Sakas perlenden Klavierfiguren, die jede Schwere inspirierend wieder aufheben.

© SZ vom 07.03.2020
Zur SZ-Startseite