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Olching:Angst vor Strahlen

ÖDP

Warnen vor dem Ausbau der 5 G-Technik: Klaus Buchner (links) und Dieter Kreis von der ÖDP.

(Foto: Günther Reger)

Kreis-ÖDP zieht mit Mobilfunk-Thema in Olching 150 Zuhörer an

Stühle mussten ständig noch hereingetragen werden. Die Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP) um den Kreisvorsitzenden Dieter Kreis war selbst überrascht, dass sich zu ihrer Veranstaltung "5 G-Mobilfunk - Gefahr für unsere Gesundheit" 150 Besucher im Olchinger Kolpingsheim drängten und diesen bis auf den letzten Platz füllten. Die Befürchtungen der Menschen, durch Funkstrahlung gesundheitlich geschädigt zu werden, scheinen immens verbreitet zu sein. Besonders die neue 5 G-Technik mit kurzen Wellenlängen und hohen Frequenzen, deren gesundheitsschädliche Konsequenzen noch nicht umfassend erforscht sind, hielt der ÖDP-Europaabgeordnete Klaus Buchner für "hoch problematisch" und forderte deren Ausbaustopp. Er warnte auch vor "totaler Überwachung" durch 5G. "Wenn 5G voll installiert ist, haben wir ein Problem mit unserer Demokratie", bekräftigte Buchner und bekam dafür und für seinen Vortrag lang anhaltenden Beifall.

Buchner ging von mindestens 20 000 Satelliten aus, die für 5 G notwendig werden würden. Da 5 G nur eine kurze Reichweite hat, sind laut Buchner weltweit "um 200 Milliarden sendefähige Objekte", also Basisstationen und Sendeanlagen, erforderlich, die Daten empfangen und übermitteln. 5 G werde vor allem für selbstfahrende Autos und für das sogenannte "Internet der Dinge" benötigt. Da wäre der intelligente Kühlschrank, der seine Lebensmittel selbst bestellt, oder die Waschmaschine, die von alleine arbeitet. Am Ende soll jedes Gerät oder Sache im Haushalt einen Sender haben. "Auch der Chip an der Windel wird sich dann melden, wenn die Windel voll ist", erläuterte Buchner und sorgte für Heiterkeit im Saal. Sehr nachdenklich wurden die Zuhörer aber auch gleich wieder, als sie von Buchner erfuhren, dass zu Beginn der Autobahn von München nach Nürnberg "alle hundert Meter", so der Politiker, schon dichte Sender für selbstfahrende Autos installiert sind. "Das sind sehr starke Sender auf dieser Teststrecke für selbstfahrende Autos", erläuterte der ÖDP-Politiker. 5 G würde zudem für einen enormen Energieverbrauch sorgen. "30 Prozent der weltweiten Stromerzeugung werde dann für Kommunikation gebraucht", rechnete Buchner vor.

Zuvor hatte der Redner noch einmal eine Diskussion aus den Neunzigerjahren aufgegriffen, als mit dem Ausbau des Mobilfunks überall Funkmasten installiert worden sind, um den Handyempfang zu gewährleisten. Damals regte sich viel örtlicher Widerstand, der die gesundheitsschädliche Wirkung der Strahlung thematisierte, was jedoch kaum zum Erfolg führte. Die Funkmasten der Mobilfunkanbieter wurden flächendeckend ausgebaut. Buchner erläuterte anhand von Studien noch einmal die seiner Meinung nach schädigenden Auswirkungen der Funkstrahlung, auch von Wlan, auf menschliche "Weichteilzellen", die Erbänderungen hervorrufen können. Für Buchner bewiesen verschieden Studien an Ratten und Mäusen die Krebsgefahr durch die Strahlung. Er empfahl dann auch Handygespräche kurz zu halten, keine Kopfhörer zu benutzen, das Handy erst ans Ohr zu halten, wenn gesprochen wird, und es nicht am Körper zu tragen. Er plädierte für die Alternative "Sichtbares Licht". Mit Infrarotstrahlung, die nicht gesundheitsschädlich sei, könnte, so Buchner sogar eine höhere Datenübertragungsrate geleistet werden.

Mancher wirkte in der Diskussion desillusioniert. "Ich beschäftige mich seit 30 Jahren damit, habe auch Petitionen verfasst, aber es interessiert niemanden", meinte ein Diskutant spürbar enttäuscht. Buchner machte ihm in Sachen 5 G Mut. "Die Widerstandsgruppen wachsen europaweit", sagte er. 22 Städte in Italien hätten ein 5 G-Moratorium beschlossen. Brüssel hätte, weil die Strahlungsgrenzwerte stark erhöht werden sollten, den 5 G-Ausbau komplett abgelehnt. Auch mehrere Kantone in der Schweiz würden sich dem Ausbau verweigern. Buchner wandte sich gegen die Bestrahlung von Wohnungen, forderte "kein Wlan an Schulen" und bedauerte, dass außer der ÖDP keine andere Partei gegen den 5 G-Ausbau protestiere.