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Offensiver Politikstil:Nachrichten aus Taka-Tuka-Land

Aufstellung des CSU-Landratskandidaten Fürstenfeldbruck 2019

Seit 2007 ist Katrin Staffler CSU-Mitglied, zehn Jahre später gelingt er der Einzug in den Bundestag. Wichtig sei ihr der soziale Zusammenhalt.

(Foto: Matthias F. Döring)

In einem Sammelband schreibt die CSU-Wahlkreisabgeordnete Katrin Staffler über ihre ersten Jahre im Parlament

Eine kleine Überraschung hat Katrin Staffler dann doch zu bieten. Dass sie lieber die freche, mutige Pippi Langstrumpf wäre, als deren brave Freundin Annika Settergren. Erfahren kann das der Interessierte in einem kleinen Aufsatz, den die CSU-Politikerin für den Anfang des Monats erschienenen Sammelband "Der 19. Deutsche Bundestag - unsere Halbzeitbilanz: 13 Jungparlamentarier ziehen ihr persönliches Fazit" (Engelsdorfer Verlag, 205 Seiten, 13,50 Euro) geschrieben hat. Der Autor Aljoscha Kertesz hat darin die Statements von Abgeordneten gesammelt, die zum ersten Mal im Bundestag sitzen - und denen er zutraut, dass sie "die Anlagen und das Engagement mitbringen, eines Tages an herausgehobener Stelle Verantwortung in Regierung oder Fraktion zu übernehmen".

Noch allerdings ist Staffler frische Abgeordnete, die erst einmal ihr Mandat festigen und sich im Berliner Betrieb etablieren muss. In ihrem Essay schreibt sie über ihren Weg in die Politik, ihre politischen Ziele und die Aufregung vor der ersten Rede im Bundestag. Konkrete Einblicke in ihre Arbeit, interessante Anekdoten oder gar Probleme, die der Parlamentsalltag mit sich bringt, erfährt der Leser allerdings nicht. Auch wenn sie betont, "Meine Generation zeichnet aus, dass wir einen sehr offensiven und direkten Politikstil pflegen. Dazu gehört natürlich auch, dass offen Missstände angesprochen werden", bleiben ihre Zeilen eher annikaesk-brav als pippisch-provozierend. "Zur Halbzeit der Legislaturperiode kann ich sagen, dass es zwei Jahre intensives Einstehen für unsere Überzeugungen und Durchsetzung unserer Ideen waren", bilanziert sie und sagt weiter: "Ich bin schon stolz darauf, wenn ich sehe, wie unsere Arbeit erste Früchte trägt." Konkrete Beispiele dieser Fürchte, gar ihren Beitrag daran, liefert sie nicht mit.

Nur als sie die Geschichte zur gewählten Überschrift, "Sei Pippi, nicht Annika", erzählt, löst sie das starre Politikerkorsett ein wenig. Von ihrer Schwester habe sie zu Beginn der Legislaturperiode eine Kette mit eben jenem Satz geschenkt bekommen. "Seitdem begleitet mich dieser Spruch durch meinen Alltag, und ich finde, er passt ganz gut zu mir und meiner Generation. Als Erwachsener vergisst man nämlich schnell, warum wir früher immer wie Pippi sein wollten: Sie ist frech und mutig, unbeschwert und herzlich".

Einen ganzen Absatz widmet Staffler der AfD, die sie als offenkundig rechts-orientiert und in Teilen radikal bezeichnet. Konstruktiv und vor allem auch inhaltlich und sachlich müsse die Auseinandersetzung mit ihr sein. "Nur so können die meist realitätsfernen und widersprüchlichen Antworten der AfD auf dringende Fragen unserer Zeit offengelegt werden." Zugleich erklärt sie aber, dass sie der Meinung sei, dass Populisten häufig eine viel zu große Bühne geboten werde.

14 Reden habe sie im Bundestag bereits gehalten schreibt Staffler. Zu finden sind diese übrigens alle auf ihrer Abgeordneten-Homepage, besonders erwähnenswert sind die farbigen Pullover und Blazer, mit denen sie meist ans Rednerpult tritt und mit denen sie sich optisch vom dort vorherrschen Einheits schwarz-grau-blau abhebt. "Schwer zu beschreiben" sei das Gefühl, das sie bei ihrer ersten Rede gehabt habe. "Wenn man vorne am Rednerpult steht, lässt man zwangsläufig den eigenen Weg hierher Revue passieren", heißt es. Wort für Wort habe sie sich alles aufgeschrieben, damit nichts schief gehen kann, obwohl sie sonst eher eine freie Rednerin sein. "Denn zur Wahrheit gehört: das erste Mal im Plenum des Bundestages zu reden, macht selbst den geübtesten Redner doch etwas nervös", gibt sie einen ein Blick in ihres Gefühlswelt. Gesprochen hat sie in ihrer ersten Rede über das BAföG. Etwas schade sei das gewesen, weil sie eigentlich ihre Premiere mit einer Ansprache zum digitalen Wandel und den sich daraus ergebenden Herausforderungen und Chancen für das Land geplant hatte. "Das klappte leider nicht so ganz", erklärt sie.

Ansonsten finden sich in ihrem Text noch ganze Reihe dieser typischen Politikersätze, die stark klingen, von niemanden bezweifelt werden und keinem weh tun: "Unsere Demokratie braucht engagierte Leute", "Demokratie ist nämlich mehr als nur wählen zu gehen", "Es gilt heute die Weichen für morgen zu stellen" oder auch "Denn auch Europa ist aus meiner Sicht ein ganz Zentrales Zukunftsthema".