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ÖPNV:Behinderte haben das Nachsehen

Übergangszeiten vom Bus zur Bahn in Gernlinden sind nun kürzer

Von Erich C. Setzwein, Maisach

Alle Interessen zu berücksichten und niemanden unbeachtet zu lassen, ist oft so gut wie unmöglich. Zum Beispiel beim Personennahverkehr mit Bussen um Landkreis. Gerade eben haben sich einige Anwohner der Allinger Straße in Eichenau über die Routenführung einer neuen Buslinie durch ihre Straße beschwert und sind in einer eigens anberaumten Informationsveranstaltung über die Planung des Landkreises als Betreib er der Buslinien aufgeklärt worden. Im Maisacher Ortsteil Gernlinden haben Anwohner der Hugo-Brunninger-Straße ihren Unmut kundgetan über die Haltestelle vor ihrer Tür. Denn während der Wartezeiten an der Haltestelle liefen die Dieselmotoren der Busse weiter, was Lärm und Gestank verursache. Die Gemeinde ist der Beschwerde nachgegangen und hat im laufenden Betrieb einige Änderungen am Fahrplan erreicht. Die Busse halten nun nicht mehr so lange und statt der Fahrzeuge mit Euro-fünf-Standard sollen mehr Busse mit dem Abgasstandard Euro sechs eingesetzt werden.

"Die Bushaltestelle zu verlegen, ist nicht möglich", sagte Bürgermeister Hans Seidl (CSU), als es im Gemeinderat um die Bushaltestelle am Bahnhof Gernlinden ging. Während also die Anwohner etwas zufriedener sein dürften, wirkt sich die Fahrplanänderung auf alle Fahrgäste mit den sogenannten Mobilitätseinschränkungen aus. Wer also nicht gut zu Fuß, mit Rollstuhl oder Kinderwagen unterwegs ist, für den sind "die Umsteigezeiten zu kurz", bemängelte die Fraktionssprecherin der Grünen und Referentin für Mobilität im öffentlichen Raum, Barbara Helmers. Das sah auch der Bürgermeister so: "Das ist schon sehr sportlich und schwer zu schaffen." Zum Teil geht es um bis zu zwei Minuten reduzierte Übergangszeiten vom Bus zur Bahn. Wie die Fahrgäste die Kompromisslösung empfinden und welche Erfahrung sie beim Umsteigen machen, das soll laut Seidl in einer Fahrgastbefragung herausgefunden werden. Diese soll im November stattfinden. Ob dann schon im Dezember der Fahrplan erneut angepasst werden müsste, ist noch unklar.

Klas ist jedoch jetzt schon, dass von Mitte Dezember an nur noch Omnibusse mit der Abgasnorm sechs zum Einsatz kommen werden. Was zumindest zu einem geringeren Schadstoffausstoß führen könnte. Ausgeschlossen sei dagegen, dass Busse im öffentlichen Personennahverkehr mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet würden. Dies wäre, heißt es von der Verwaltung, schon allein deshalb kontraproduktiv, da an den Haltestellen Fahrkarten verkauft werden müssten. "Das geht nicht, wenn der Motor und damit der Bordrechner jedes Mal abgestellt werden muss."

© SZ vom 14.09.2020
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