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Obdachlosigkeit:Andauernde Herbergssuche

Auffälliges Gebäude: Etwa 50 Personen wohnen in dem Haus der Stadt Fürstenfeldbruck in der Hasenheide.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Stadt Germering begibt sich wegen der Obdachlosen auf den Wohnungsmarkt. Die von ihr zur Verfügung gestellten Zimmer in Häusern und Containern reichen nicht aus. Andere Kommunen stehen besser da

Von Andreas Ostermeier, Germering

Eine hohe Zahl an Obdachlosen beschäftigt die Stadt Germering. Per Aufruf sucht die einwohnerstärkste Kommune des Landkreises nach freien Häusern und Wohnungen, in denen sie Einzelpersonen und Familien unterbringen möchte, die kein Dach über dem Kopf haben. Von einer andauernden Aufgabe ist in den Unterlagen für die Stadträte zu lesen. Zwar ist die Liste derer, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, etwas kürzer geworden, doch weiterhin handelt es sich nach Aussage von Martin Rattenberger, dem Leiter des städtischen Sozialamts, um an die 100 Personen.

Von einer andauernden Aufgabe spricht auch eine Mitarbeiterin von Christian Huber, dem Leiter des Ordnungsamts in Mammendorf. Zwar sucht die Gemeinde momentan nicht nach Unterbringungsmöglichkeiten, doch dass die Zahl derer, die ihre Wohnung verloren haben, gestiegen ist, bestätigt auch sie. Dabei gleichen sich die Betroffenen und die Gründe auf dem Land und in der Stadt: Arbeitslosigkeit oder Suchtprobleme gehören zu den Ursachen von Obdachlosigkeit, ebenso Probleme mit Vermietern, steigende Mieten und die Anerkennung als Asylbewerber, die auch bedeutet, dass der Betroffene die Asylunterkunft verlassen muss.

Für die Unterbringung von Menschen, die kein Zuhause haben, sind die Kommunen zuständig. Sie versuchen entweder Wohnungen anzumieten oder bauen ein Wohnhaus für Obdachlose. Die Kreisstadt hält ein eigens für diesen Personenkreis gedachtes Haus in der Hasenheide bereit. 50 Personen leben momentan dort. Zudem gibt es in Fürstenfeldbruck noch eine Notschlafstelle, in der neun Personen unterkommen können. Dieses Haus an der Kapuzinerstraße wird von der Caritas geführt.

Daneben bietet die Kreisstadt Vermietern Zeitmietverträge an. Diese sehen so aus, dass die Stadt einige Zeit die Miete für einen Obdachlosen zahlt und damit dem Vermieter eine Sicherheit bietet. Dieser kann während der Zeit den neuen Mieter kennenlernen und sich entschließen, mit ihm einen Mietvertrag zu schließen. Das Vorgehen der Kreisstadt war erfolgreich, vor vier Jahren verzeichnete sie 140 Obdachlose, inzwischen sind es nach Auskunft von Doreen Höltl, im Rathaus zuständig für soziale Angelegenheiten, weniger als 20.

Die Stadt Germering will vom Bau eines nur für Obdachlose gedachten Hauses absehen. Das hat der Stadtrat so beschlossen. Stattdessen sucht die Stadt nach dezentralen Unterbringungsmöglichkeiten, also nach Häusern und Wohnungen, verteilt über das Stadtgebiet. 19 Wohneinheiten kann sie laut Martin Rattenberger Menschen ohne Obdach anbieten. Außerdem gibt es in Germering Container mit Ein-Zimmer-Räumen, Bad und Kochnische.

Die Verwaltungsgemeinschaft Mammendorf, zu der acht Kommunen im Nordwesten des Landkreises zählen, behilft sich mit der Anmietung von Gebäuden und Wohnungen - nicht nur innerhalb des Gemeindegebiets. In Mammendorf sind fünf Wohnungen belegt, ebenso viele Personen hat die Gemeinde in Fürstenfeldbruck untergebracht. Dort nutzt sie das erste Obergeschoss eines Hauses. Momentan leben dort eine Frau mit drei Kindern sowie ein alleinstehender Mann. Allerdings kann es sein, dass das Haus Ende des nächsten Jahres abgerissen wird. Dann muss Mammendorf nach einer neuen Unterkunft für diese Personen suchen.

Auch die Stadt Olching nutzt Gebäude in Nachbargemeinden für die Unterbringung von Obdachlosen. Dafür zahlt sie Zimmermieten in einem Hostel in Gröbenzell und einer Pension in Fürstenfeldbruck. Außerdem sind Wohnungslose in zwei Häusern in Olching untergebracht. Aktuell handelt es sich um 48 Personen. Stadtsprecherin Martina Sohn sagt, die Stadt könne derzeit den Bedarf an Wohnraum für Obdachlose decken, muss also momentan nicht nach geeigneten Wohnungen suchen.

Ähnlich schaut es in Puchheim aus. Die Zahl der Obdachlosen oder von Obdachlosigkeit Betroffenen sei gesunken, sagt Katharina Bock, zuständig für soziale Hilfe. Von 2017 bis 2020 ist die Zahl der Obdachlosen in Puchheim von 59 auf 28 Personen gesunken. Menschen ohne Bleibe konnte die Stadt neu gebauten Wohnraum anbieten, die sechs neue Wohnungen befinden sich an der Schwarzäckerstraße. Zudem hat sie etlichen obdachlose Personen eine Mietwohnung vermitteln können, wenn auch nicht immer im Landkreis oder der nahen Umgebung von München.

Immobilienbesitzer, die bereit sind, der Stadt Germering Wohnraum für Obdachlose anzubieten, können sich beim Liegenschaftsamt der Stadt telefonisch unter 089/89419-214 oder per E-Mail liegenschaften@germering.bayern.de melden.

© SZ vom 17.03.2021
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