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NS-belastete Straßennamen:Patrone mit Erklärungsbedarf

Zusatzschilder zu historisch belasteten Straßennamen in Fürstenfeldbruck

Über die NS-Vergangenheit des Generals Emil Zenetti und des Jagdfliegers Josef Priller klären nun Zusatztafeln an Straßenschildern auf.

(Foto: Stadt Fürstenfeldbruck)

Nach sechs Jahren ist der Streit in Fürstenfeldbruck vorläufig beendet. In der früheren Fliegerhorstsiedlung wurden die ersten Zusatztafeln aufgehängt

Die ersten Informationstafeln zu NS-belasteten Straßennamen in Fürstenfeldbruck hängen. Die Schilder mit den Namen von Wehrmachtssoldaten in der früheren Fliegerhorstsiedlung erhielten kleine Zusatztafeln mit dem einheitlichem Hinweis, dass die Namensgebung 1962 erfolgte, dem damaligen Traditionsverständnis von Gesellschaft und Bundeswehr entsprach und heute umstritten sei. Die größeren Tafeln zu Wernher von Braun, Paul von Hindenburg und Julius Langbehn sollen folgen.

Seiner Ansicht nach verstößt es gegen das Grundgesetz, "einen Todesrichter wie General Emil Zenetti durch einen Straßennamen in aller Öffentlichkeit ein ehrendes Gedenken zuteil werden zu lassen", sagte Jakob Knab. Im Artikel 2 ist das Verbot der Todesstrafe verankert. Allerdings habe die Entscheidung "von vorneherein" festgestanden, weil die Mehrheiten im Brucker Stadtrat und im Landtag eindeutig seien. "Zu gegebener Zeit werden wir eine Eingabe an den Bundestag richten" kündigte Knab an. Der Religionslehrer aus Kaufbeuren befasst sich seit Jahrzehnten mit der Traditionspflege der Bundeswehr und hat die Debatte um die Straßennamen auf dem Fliegerhorst mit initiiert. Daraufhin ließ der damalige Kommandeur 2006 alle Schilder entfernen, mit denen Helden der Nazi-Luftwaffe geehrt wurden. Lediglich in der Siedlung außerhalb des militärischen Bereichs, wo die Stadt zuständig ist, blieben die sechs Straßenpatrone hängen.

Knab hatte zuletzt an den bayerischen Landtag appelliert. Seine Petition war jedoch im Ausschuss von einer Mehrheit aus AfD, CSU und Freien Wählern abgewiesen worden. Der Brucker Stadtrat hatte im April 2018 mit einer Mehrheit aus CSU, FDP, FW und einem Teil der BBV beschlossen, keine Straße umzubenennen, sondern Zusatztafeln anzubringen. Damit sollten die Namen "im Sinne einer historischen Einordnung mit einem erläuternden Medium über die positiven und negativen Eigenschaften der Person" versehen werden. Die Hälfte der vor sechs Jahren als NS-belastet identifizierten Straßennamen hatte der Stadtrat schon früher rehabilitiert.

Es folgte ein hauptsächlich hinter den Kulissen ausgetragener Streit um den Inhalt der Schilder, der sich ein weiteres Jahr hinzog, bevor die Mehrheit sich auf die Texte einigen konnte. Insbesondere Grüne und SPD hatten die Vorlagen als inhaltsleer bis verharmlosend gerügt.

Der Vorschlag mit den Zusatztafeln stammt ursprünglich von dem ehemaligen BBV-Stadtrat Klaus Zieglmeier. Er hatte eine Umbenennung abgelehnt, weil damit die braune Vergangenheit unter den Teppich gekehrt würde. Auf die Frage, ob er mit dem nun beschlossenen Texten zufrieden sei, erklärte Zieglmeier jetzt der SZ: "Da sage ich nichts dazu." Viel wichtiger sei ihm, dass weiter diskutiert werde. 2008 hatte Zieglmeier den Brucker Eishockeyverein aufgefordert, die Bezeichnung Crusaders, also Kreuzritter, abzulegen. Der Name sei unerträglich, insbesondere für den Nachwuchs. "Sollen sich die Kleinen ein Beispiel an einem der finstersten Kapitel aus der Geschichte nehmen und blutrünstig siegen, um jeden Preis, im Namen des Herrn", fragte er damals.

Unter den sechs Soldatennamen in der Siedlung befinden sich zwei Angehörige der Legion Condor, die während des spanischen Bürgerkriegs Zivilisten massakrierte und Guernica verwüstete. General Zenetti war als Freikorpsoffizier an den Massakern während der Räterepublik in München 1919 beteiligt. Er kommandierte das Luftgaukommando VII in München ab Juli 1938 und verlangte von den Offizieren folgende Haltung: "Eiserner Widerstandswille, fester Glaube an unsere gute Sache und das unbedingte Vertrauen zur Führung und zum Führer." Als Gerichtsherr sei Zenetti für Todesurteile der Wehrmachtsjustiz zuständig gewesen ist, seine Ehrung als Straßenpatron darum "zunehmend unerträglich", schrieb die Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz.

Die größeren Hinweistafeln mit individuellen Texten zu Wernher von Braun, Hindenburg, Langbehn nennen deren Verantwortung für oder Beteiligung an den Verbrechen des Faschismus, wobei über den SS-Sturmbannführer von Braun zu lesen ist, dass er auch "Wegbereiter der Mondrakete" gewesen sei. Die Tafeln zu von Braun und Hindenburg werden gerade angefertigt, teilte die Pressesprecherin des Rathauses mit, die Langbehnstraße in Puch bekomme ihre erst im Zuge der Umgestaltung im Rahmen der Dorferneuerung.