Neuer Zweiter Bürgermeister Der Fischer vom Rathaus

Christian Götz stand viele Jahre auf der Bühne, beim "Theater 5" und auch bei einer Band. Seit einiger Zeit tritt er bei seinen Hobbys kürzer.

(Foto: Johannes Simon)

Christian Götz will Ansprechpartner nicht nur im Wahlkampf sein

Von Peter Bierl

Der neue Zweite Bürgermeister von Bruck, hat einige Erfahrung als Frontmann. Viele Jahre stand Christian Götz () auf der Bühne, beim "Theater 5" und in den Neunzigerjahren bei der Band "Höngdobel" als Sänger und Drummer. Seit einiger Zeit tritt der 47-Jährige bei seinen Hobbys kürzer, der letzte Auftritt, in der Rolle eines russischen Elektrikers in einer Komödie, liegt ein gutes Jahr zurück. Götz sieht sich als Familienmenschen, die Frau und die drei Kinder im Alter von vier, neun und zwölf Jahren haben Vorrang. Obendrein wurde er 2014 für die BBV in den Stadtrat gewählt. Er hat sich in dem Gremium als einer derjenigen profiliert, die sich nicht häufig, aber wenn, dann klar äußern. Götz protestierte gegen die Abholzung eines Waldes zugunsten der Erweiterung der Firma Schleifring, rügte den Bau eines Kinderhauses im ehemaligen Kester-Haeusler-Park als Gemurkse und zählte zu den Kritikern der neuen Siedlung auf dem früheren Sportplatz des alten Graf-Rasso-Gymnasiums.

In der Ecke kennt er sich aus. Götz ist gebürtiger Brucker in der vierten Generation, nicht einmal die CSU könnte bei seiner etwaigen OB-Kandidatur eine Alien-Invasion an die Wand malen, und er war Schüler an dieser Penne am alten Standort im Zentrum. In der Nähe wohnt er heute wieder, nach einem zwölfjährigen Intermezzo in Freising, wo er Biologie studiert hat. Angefangen hatte Götz zunächst mit Kunstpädagogik, dann in der Gastronomie gearbeitet und schließlich ein Biologie-Studium zügig absolviert. Nach dem Abschluss arbeitete er an der TU am Lehrstuhl für Fischbiologie und war anschließend freiberuflich mit Projekten im Bereich der Gewässerökologie beschäftigt, was beides mit einem weiteren Hobby, dem Angeln, harmoniert. In der Folgezeit war er als Lehrer für Biologie und Chemie am Gymnasium in Freising sowie an den Realschulen in Bruck und Germering beschäftigt. Die befristeten Verträge waren ihm als Familienvater zu unsicher, und so bewarb sich Götz mit Erfolg als Umweltplaner in einem Planungsbüro in München.

Einige Zeit nachdem Götz wieder nach Bruck gezogen war, gewann ihn der BBV-Fraktionschef Klaus Quinten für eine Kandidatur auf der Stadtratsliste. Dazu bedurfte es keiner großen Überredungskünste, weil Götz ein solches Engagement schon ins Auge gefasst hatte. An der BBV gefällt ihm, dass sie eine kommunale Vereinigung ohne übergeordneten Parteiapparat ist. Dass die Positionen in der Gruppe mitunter auseinander gehen, sieht Götz eher als Vorzug. Als Zweiter Bürgermeister möchte er nun vor allem im Bereich der Ökologie Akzente setzen. Die Grünflächen im Fliegerhorst sollen die zivile Konversion überleben und die Stadtwerke will der Diplombiologe in die Pflicht nehmen, damit Fische wieder die Amper rauf und runter schwimmen können, ohne in einer Kraftwerksturbine geschreddert zu werden.

Außerdem möchte sich Götz im übertragenen Sinn als Fischer betätigen. Die geringe Beteiligung bei der OB-Wahl findet er bedenklich. Götz will kontinuierlichen Kontakt zu bestimmten Gruppen halten, zur Initiative Lichtspielhaus, zum Bauernmarkt und vor allem zu den jungen Leuten von der Subkultur im Alten Schlachthof, wo er selber einst auf der Bühne stand. "Die sind für die CSU doch nur im Wahlkampf interessant", rügt er.