Neue SZ-Serie: "Im Märzen der Bauer" Ein Jahr auf dem Bauernhof

Landwirt Georg Huber aus Puchheim und einige seiner Berufskollegen lassen sich von der SZ über die Schulter schauen und erklären, was sie wann machen. Und warum sie gerne Bauern sind

Von Ingrid Hügenell, Puchheim

Georg Huber ist ein sehr engagierter Mensch und mit Leidenschaft Landwirt. Als Kreisobmann wird er im Landkreis oft gefragt, wenn es um Themen geht, die die Landwirtschaft angehen. Das reicht vom Artenschutz bis zur gesunden Ernährung. Der Landwirtschaftsmeister steckt viel Freizeit in diese Aufgaben. Aufklärung ist ihm wichtig.

Oft hat Huber der in Puchheim den Kreuthof bewirtschaftet, allerdings den Eindruck, dass viele Menschen den Bezug zur Landwirtschaft verloren haben und nicht wissen, unter welchen Bedingungen Nahrungsmittel produziert werden. Und wer weiß denn tatsächlich, warum Bauern im März nachts bei Frost auf Feld fahren, wie viel Zeit sie im Winter im Büro verbringen und was schlechtes Wetter im Sommer für die Ernte bedeutet. Die SZ wird Huber und seine Familie ein ganzes Jahr begleiten und einmal im Monat die anfallenden Arbeiten erklären. Kollegen von Huber werden berichten, wie viel Arbeit die Schafzucht im Frühling macht, wie die Milch in den Lebensmittelmarkt kommt und wie man einen Wald so bewirtschaftet, dass auch die übernächste Generation etwas von ihm hat. Schweine- und Geflügelzüchter sollen ebenso zu Wort kommen wie ein Saatgutproduzent. Auch das Spannungsverhältnis von Landwirtschaft und Umweltschutz soll eine Rolle spielen.

Im Mittelpunkt steht der Kreuthof der Familie Huber. Im Jahr 1837 Jahren kaufte Johann Baptist Huber den Hof am Puchheimer Kreutweg, den der 44-jährige Georg Huber nun in siebter Generation bewirtschaftet. Lange gehörte das benachbarte Hotel Parsberg dazu, das nun von Hubers älterem Bruder geführt wird.

Das Fortführen des Hofs und dessen Bewahrung für die nächste Generation ist für Huber eine selbstverständliche Verpflichtung, die er gerne erfüllt, zuweilen aber auch als belastend empfindet. Denn keiner in der langen Reihe möchte der sein, der den Hof aufgibt, zumal ein Hoferbe bereit steht: der 16-jährigen Xaver. Er möchte zunächst eine Metzger- dann eine Landwirtschaftslehre absolvieren. Auch Hubers gleichaltrige Frau Christine ist vom Fach, sie ist Agrarbetriebswirtin sowie unter anderem Kräuterpädagogin, Entspannungspädagogin und Fastenleiterin. Mit ihrer Kräuteria, in der sie Kräuterspaziergänge, Brotbackkurse, Fastenseminare und vieles mehr anbietet, trägt sie wesentlich zum Einkommen der Familie bei. Tochter Freya, 17, macht Abitur und strebt einen Beruf im sozialen Bereich an. Josefine, 13, zeigt großes Interesse an Kochen und Ernährung. Hubers Mutter Charlotte, 84, lebt ebenfalls auf dem Hof, der Vater ist vor zwei Jahren gestorben.

Die Familie Huber auf ihrem Hof vor der Kräuteria: Mutter Christine (von links), Xaver, Vater Georg, die Töchter Josefine und Freya sowie Alt-Bäuerin Charlotte. Vorne hat Hofhund Leopold Platz genommen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Zum Kreuthof gehören 100 Hektar bewirtschaftete Fläche und zwölf Hektar Wald. Milchvieh hat Huber nicht, aber 40 Hühner, deren Eier er verkauft, und 28 Pferde, die meisten sind gegen Geld in seinem Stall untergebracht. Zum Hof gehört auch Mischlingshund Leopold. Vom Hof leben Georg und Christine Huber, die drei Kinder und Hubers Mutter. "Uns geht es gut", sagt Huber. "Aber es ist Arbeit ohne Ende." Von der Urproduktion alleine, also der reinen Landwirtschaft, könnte die Familie nicht leben.

Die Einkünfte aus der Kräuteria, der Pensionspferderhaltung, dem Verkauf von Christbäumen und landschaftspflegerischen Auftragsarbeiten seien notwendig. Die Vermietung des alten Stalls tue dem Betrieb unglaublich gut. "Wir sind zum Glück breit aufgestellt", sagt Huber. Zeit zum Durchschnaufen bleibt dabei wenig, Landwirte arbeiten in aller Regel sieben Tage pro Woche.

Urlaub machen die Hubers schon, aber nie gemeinsam. Meist fährt Christine Huber alleine mit den Kindern weg. Die Eltern finden es wichtig, dass auch ihre Kinder etwas von der Welt sehen, wie die Klassenkameraden. Voriges Jahr war die Ernte so früh beendet, dass Huber es geschafft hat, mit Sohn und Töchtern nach Portugal zu fliegen, ans Meer. Immerhin für vier Tage, aber ohne seine Frau.

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Vor einem Jahr hat Huber beschlossen, von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft umzustellen. Der Wunsch, natur- und umweltverträglicher zu wirtschaften, spielte dabei eine Hauptrolle. Weitere Gründe kamen hinzu: "Konventionell für den Weltmarkt zu produzieren macht keinen Spaß. Man macht viel Umsatz, aber es bleibt nix übrig." Biologisch zu wirtschaften sei auch nicht einfach, aber: "Ich wollte wissen, ob ich das auch kann." Die ersten beiden Jahre kann Huber, alles was er auf seinen Äckern produziert, nur als Futtermittel verkaufen, erst danach kann er auch wieder, wie vor der Umstellung, Lebensmittel für Menschen anbauen, beispielsweise Brotgetreide und Braugerste.

Huber muss nun sein gesamtes Netz an Lieferanten von Saatgut und Hilfsmitteln wie auch an Käufern seiner Produkte neu aufbauen. Dabei hilft ihm der Naturlandverband, dem er angehört. Der Ökoanbau ist viel arbeitsaufwendiger als der konventionelle, weil natürlich Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel nicht verwendet werden dürfen, gleichzeitig sinken die Erträge. Für die Umstellung bekommt Huber höhere Prämienzahlungen pro Fläche vom Staat, das summiert sich auf 340 Euro pro Hektar und Jahr. "Die brauch' ich auch dringend", sagt er.

Ob sich die Umstellung wirtschaftlich auszahlt, wird sich erst zeigen. Denn für seine Öko-Produkte braucht der Landwirt auch Käufer, die bereit sind, den höheren Preis zu zahlen.