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Naturschutz:Kahlschlag und Kies für eine ökologische Ausgleichsfläche

Begrünt und bewachsen war der alte Bahndamm bei Olching. Nun gleicht er eher einem Kiesberg.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Bund Naturschutz und die Grünen kritisieren das Vorgehen der Bahn am alten Bahndamm in Olching

Von Peter Bierl, Olching

Der Kahlschlag ist nahezu komplett auf einer Länge von etwa 50 Meter des alten Bahndamms bei Olching, in dem Bereich vorne in Richtung der Straße nach Gröbenzell. Links auf der Böschung steht noch eine Reihe kleiner Bäume, rechts befinden sich zwei größere Exemplare und ganz hinten noch ein größerer Ahornbaum, bevor der dichte Bewuchs beginnt und am Boden die typischen Schottersteine der Bahn zu sehen sind.

Als die Fläche vor einem Jahr gerodet wurde, protestierten Ariane Zuber vom Bund Naturschutz in Gröbenzell und die Olchinger Stadt- und Kreisrätin Ingrid Jaschke (Grüne). Sie erhielten damals die Auskunft, dort werde die Bahn AG einen Magerrasen als ökologische Ausgleichsfläche für den Umbau des Bahnhofs Buchenau anlegen. Der Bahndamm gehört zu einer längst stillgelegten Trasse von Emmering über Olching, Allach und Unterföhring zum Rangierbahnhof München-Nord, die 1939 als Teil des Nordrings für den Güterverkehr angelegt wurde. Am südlichen Ende steht ein Bauwerk, das als "Hitler-Brücke" firmiert.

Statt den Magerrasen anzulegen, wurden ein Jahr später einzelne Bäume gefällt, die bei der Rodung verschont geblieben waren. Nach Angaben der Bahn AG handelte es sich um tote und kranke Eschen, die entfernt werden mussten, um die Verkehrssicherheitspflicht auf einem Rad- und Fußweg auf dem Damm sowie der unterhalb verlaufenden Straße zu gewährleisten. Auf dem Damm gibt es weder Fuß noch Radweg, unterhalb verläuft auf der einen Seite ein Feldweg, auf der anderen eine Anliegerstraße. "Das scheint eine Standardantwort zu sein, deren Wahrheitsgehalt sich durch Wiederholungen nicht erhöht. Denn der Aufwuchs bestand überwiegend aus Ahorn und anderen Laubbaumarten, kranke Eschen sind Fehlanzeige", sagt Jaschke. Sie und Zuber kritisieren außerdem, dass die Bahn AG nun auch noch Kies aufschütten ließ, was für einen Magerrasen unsachgemäß sei.

Es handelt sich um keine Kiesaufschüttung, widerspricht eine Pressesprecherin der Bahn AG. Vielmehr seien die durch die Wurzelrodungen entstandenen Gruben mit vorhandenen Kiesmaterial aus dem Bahndamm aufgefüllt, verzogen und stabilisiert worden. Geplant sei ein Silikatschotterboden, anschließend solle "autochthones Saatgut mittels örtlichen Mahdguts" aufgebracht werden, damit über den Sommer ein standortgerechter Magerrasen entstehen könne. Das alles finde in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt statt.

Was man derzeit dort sehen kann, ist eine Kiesschicht auf dem gerodeten Abschnitt des Dammes, nicht an den Böschungen. Der stellvertretende Pressesprecher des Landratsamtes erklärte dazu, "die Kiesschicht ist ohne Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde aufgebracht worden". Zur Problematik der "unsachgemäßen Ausbringung des Kalkschotters auf den Silikatschotter wurde bereits ein Ortstermin mit den zuständigen Mitarbeitern der Deutschen Bahn von Seiten der unteren Naturschutzbehörde veranlasst, damit das weitere Vorgehen abgesprochen werden kann", teilte Simon Bausewein mit. Im westlichen Anschluss an dem Bahndamm werden schon seit Jahren Pflegemaßnahmen durch den Landschaftspflegeverband zur Förderung des Magerrasens auf einem Silikatstandort angestellt.

© SZ vom 14.05.2021
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