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Naturprodukt:Luftiges Polster

Alling: LANDPACK - ökologische Isolierverpackung

Außen Karton, innen Stroh: Das nachhaltige Verpackungsmaterial stellen Thomas Maier-Eschenlohr und Patricia Eschenlohr in Puchheim her.

(Foto: Johannes Simon)

Die Puchheimer Firma Landpack stellt Versandpackungen für den Online-Lebensmittelhandel her. Statt Styropor schützt Stroh die Waren

Von Katharina Knaut, Puchheim

Stroh wurde bereits im Hausbau verwendet, zum Fertigen von Schuhen oder als Flechtmaterial von Bienenkörben. Der gebürtige Puchheimer Thomas Meier-Eschenlohr und seine Frau Patricia fügen dieser Liste einen weiteren Verwendungszweck hinzu: Stroh als Verpackungsmaterial für Online-Lebensmittelhändler. Vor drei Jahren gründeten sie das Start-Up Unternehmen "Landpack". Seither liefern die ehemalige Unternehmensberaterin und der Medizintechniker ihre mit Stroh ausgelegten Kartons an Online-Lebensmittelhändler und lösen so das Verpackungsproblem. Für ihre Idee wurden sie nun auch mit dem Förderpreis des bayerischen Landwirtschaftsministerium sowie dem Deutschen Verpackungspreis ausgezeichnet.

"Wir wollten eine Verpackung schaffen, die umweltfreundlich sowie leicht zu entsorgen ist und die außerdem noch Freude bereitet", erklärt Patricia Eschenlohr. Verschiedene Materialien haben sie dazu ausprobiert, innerhalb weniger Tage wurde jedoch deutlich: "Stroh siegt über alles." Also entwickelten sie ein thermodynamisches Verfahren, das Stroh zu Platten presst. Diese werden in biologisch abbaubaren Hüllen verpackt. Sechs dieser flachen Pakete kleiden anschließend einen Karton aus.

Das Stroh sorge für eine sehr gute Kälte- und Wärmeisolation, sei ein hervorragender Stoßdämpfer, und die Fertigung der Platten benötige nur wenig Energie. Damit sei Stroh die bessere Alternative zu Styroporverpackungen, die im Onlinelebensmittelhandel vor allem verwendet werden. "Wenn zum Beispiel ein Paket vom Lieferdienst nur vor die Tür gestellt wird und längere Zeit in der Sonne steht, hat unsere Box aus Stroh viel mehr Spielraum als eine aus Styropor", meint Eschenlohr.

Die Grundstruktur der beiden Materialien ist vom Aufbau gleich, beide besitzen winzige Hohlräume. Im Stroh sind diese allerdings um ein Vielfaches kleiner, wodurch sich die bessere Isolierung ergibt. Außerdem müssen beim Styropor die Hohlräumer künstlich herbeigeführt werden, während sie im Stroh bereits vorhanden sind. Dadurch ergibt sich bei der Fertigung von Styropor ein wesentlich höherer Energieaufwand. "Styropor benötigt rund 1000 Kilowattstunden pro Kubikmeter, das entspricht 1000 Föhnen, die eine Stunde laufen. Wir benötigen dagegen nur 20 Kilowattstunden, die Anfahrt und den Treibstoff des Lastwagens bereits mitgerechnet", erläutert Eschenlohr.

Der Hauptvorteil der "Landbox" besteht jedoch in der Umweltfreundlichkeit bei der Entsorgung. Das Stroh wird ohne Klebstoff zusammengehalten und kann dementsprechend nach der Auslieferung des Pakets weiterverwendet werden. "Manche Endverbraucher benutzen es als Sitzkissen, andere als Streu für ihre Haustiere", meint Patricia Eschenlohr. Für eine Box benötigen sie je nach Größe rund ein Kilo Stroh. Das Material beziehen sie von den Landwirten aus der Region. Die Eschenlohrs begleiten die Ernte so lange wie möglich. Sie sind in der Wachstumsphase des Weizens dabei, bei der Ernte und bei der Einlagerung. "Wir wollen so viel wie möglich über Stroh lernen, um unsere Box noch weiter zu optimieren." Das Ehepaar hat sogar eigene Versuchsfelder, auf denen sie verschiedene Sorten erforschen. Dabei wollen sie feststellen, welchen Einfluss Witterung, Wetter und Boden auf verschiedene Getreidearten hat und wie sich das auf das Stroh auswirkt.

Ihr Produkt verkaufen die Eschenlohrs in Deutschland sowie Österreich und der Schweiz. "Wir haben auch Anfragen aus Amerika, wollen uns aber erst mal im deutschsprachigen Raum etablieren." Die Expansion planen sie für später. An Engpässen beim Material scheitert es zumindest nicht. "Stroh gibt es überall."

© SZ vom 17.09.2016
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