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Naturpflege:Artenschutz am Amperdamm

Fürstenfeldbrucker Stadtwerke verzichten dieses Jahr erstmals aufs Mulchen. Stattdessen wird drei Tage lang gemäht. Das ist zwar kosten- und zeitintensiver, fördert aber Flora und Fauna

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Amperdämme sind eine sensible Zone. Spaziergänger suchen und genießen dort die Nähe zu Fluss und Natur. Am Mittwoch werden die für den Unterhalt des Damms zuständigen Stadtwerke mit der Umsetzung eines neuen Pflegekonzepts beginnen. Dann wird erstmals nicht gemulcht, sondern das Mähgut später abgefahren. Das Verfahren ist schonender für Insekten und fördert die Artenvielfalt. Weil Pflegemaßnahmen aber regelmäßig Ärger und Unverständnis auslösen, erklärte ein leitender Mitarbeiter des regionalen Energieversorgers am Montag die geplanten Maßnahmen.

Christian Wiegner von den Stadtwerken an einer Stelle, die nicht zurückgeschnitten werden muss.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Noch gut in Erinnerung haben viele Bürger den "Kahlschlag" von 2011. Damals wurden in großem Maßstab am Amperstausee, nahe dem Veranstaltungsforum, Bäume gefällt und Büsche herausgeschnitten, die auf oder am Damm gewachsen waren. "Wie eine Autobahn" und "wie eine Mondlandschaft" sehe es dort aus, sagten Spaziergänger, denen das Verständnis für die Maßnahme fehlte. Gleichwohl wurde deutlich, dass es keine wirkliche Alternative gab. Denn so schön ein von Bäumen gesäumtes Ufer auch sein mag - das Wurzelwerk kann das Bauwerk destabilisieren. Im Extremfall könnte der Damm brechen - Überflutungen wären die Folge. Ein Risiko, das auch angesichts des Hochwassers in Teilen Bayerns und im Westen Deutschlands niemand ernsthaft eingehen will. Beim Hochwasser von 1999 wurde der Damm zwar stellenweise überflutet, er hielt damals aber der Belastung stand.

Blick von der Heubrücke Richtung Ampersee: Der bei Spaziergängern beliebte Damm ist dicht bewachsen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Klagen gibt es auch immer wieder, dass die Grünpflanzen und Blumen, die den Amperdamm bisweilen sehr malerisch überwuchern, regelmäßig entfernt werden. Auch dies erfolgt aber aus Sicherheitsgründen. Denn nur so lassen sich Schäden, beispielsweise durch Wurzelwerk oder Tiere wie den Biber, frühzeitig erkennen. Am Mittwoch wird nun gemäht. Die Arbeiten auf dem etwa zwei Kilometer messenden Teilstück zwischen Eisenbahnbrücke und Amperbrücke im Stadtzentrum werden sich voraussichtlich drei Tage hinziehen. An der steilen Böschung kommen Balkenmäher zum Einsatz.

Nach Worten von Christian Wiegner, der als Bereichsleiter Technik der Stadtwerke (von denen die Wasserkraftwerke in Schöngeising und Fürstenfeldbruck betrieben werden) für die Amperdämme zuständig ist, wird künftig zweimal gemäht, im Juli und erneut im Oktober. Dabei wird das Mähgut, anders als beim Mulchen, nicht gehäckselt. Es bleibt zunächst auf der Fläche und wird in einem zweiten Arbeitsschritt entfernt. Das kostet mehr Zeit und Geld als das Mulchen. Doch man leiste damit einen Beitrag zum Umwelt- und Insektenschutz und komme auch den Forderungen von Umweltverbänden nach, sagt Wiegner. Stehen bleiben können die Blühpflanzen, die auf der dem Ufer abgewandten Seite neben dem Damm wachsen.

© SZ vom 20.07.2021
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