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Natur:Die dem Pilz trotzt

Die Flatterulme ist der Baum des Jahres 2019. Im Gegensatz zu den ebenfalls heimischen Berg- und Feldulmen wird sie kaum von der Krankheit befallen, die diese an den Rand des Aussterbens gebracht hat

Die Flatterulme, Baum des Jahres 2019, ist jahrzehntelang völlig unterschätzt worden. Lange dachten die Forstfachleute, der Baum mit den leicht asymmetrischen und doppelt gezackten Blättern sei für das Ulmensterben ebenso anfällig wie seine in Mitteleuropa gleichermaßen verbreiteten Verwandten, die Berg- und die Feldulme. Doch das war ein Irrtum. "Lange hat die Flatterulme unter diesem Gerücht gelitten", berichtet Olaf Schmidt im Forstlichen Versuchsgarten in Grafrath. Der Leiter der Landesanstalt für Forstwirtschaft Freising ist am Tag des Baumes trotz seines Urlaubs extra in den Landkreis gekommen, um in der Grafrather Dependance seines Institutes die Flatterulme mit einer Exkursion zu würdigen.

Wie Schmidt den zwölf Teilnehmern, unter ihnen auch der Chef des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Günter Biermayer, erläutert, haben die Fachleute inzwischen erkannt, dass die Flatterulme im Unterschied zu Berg- und Feldulme sehr widerstandsfähig gegen das Ulmensterben ist. Während die Bestände der anderen beiden Ulmenarten in den vergangenen Jahrzehnten durch das auch Holländische Krankheit genannte Ulmensterben dramatisch zurückgegangen sind, sind die der Flatterulme bemerkenswert stabil. Der Baum des Jahres 2019 wird von dem für die Übertragung der Krankheit verantwortlichen Ulmensplintkäfer nur sehr selten befallen (siehe Kasten). "Der Ulmensplintkäfer erkennt die Flatterulme nicht als Wirt", erläutert Biermayer.

Flatterulme Forstlicher Versuchsgarten Grafrath

Eine einzelne Flatterulme steht im Grafrather Forstlichen Versuchsgarten. Deutlich sind ihre Brettwurzeln zu erkennen. Flatterulmen können bis zu 35 Meter hoch werden. Das Bild zeigt sie im ersten Frühjahrslaub.

(Foto: Matthias Döring)

Womöglich liegt das daran, dass die Flatterulme nach Schmidts Ausführungen mit Berg- und Feldulme aus ökologischer Sicht gar nicht so viel gemein hat, wie es der Name impliziert. Einen Hinweis darauf geben die sogenannten Brettwurzeln - sternförmige, rippenartige Gebilde, die keine weitere europäische Baumart besitzt. Sie kommen vor allem bei Bäumen in den Tropen vor und ermöglichen es ihren Trägern, über einen längeren Zeitraum im Wasser zu stehen. Deshalb ist die bis zu 35 Meter hohe Flatterulme oft in Auwäldern anzutreffen, häufig im Verbund mit Eichen oder Eschen. Die Nähe zur eigenen Art hingegen meidet sie. Das bestätigt der Standort in Grafrath: Auf Nummer sechs des Äußeren Rundweges steht eine einzelne Flatterulme.

"Wir haben leider nicht sehr viele von ihnen", sagt Schmidt. Allerdings erhofft sich der Forstwirt durch den neuen Blick auf die Ulmus laevis, dass diese vermehrt gepflanzt wird. Bei den Waldbauern wachse das Interesse an dem stark gemaserten Holz. Das schlägt sich auch bei den Holzpreisen nieder; sie sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das Amt für forstliches Saat- und Pflanzengut ist derzeit Biermayer zufolge dabei, die Saatbestände zu optimieren.

Zur Herkunft ihres Namens berichtet Schmidt, dass dieser vermutlich auf die Stiele zurückzuführen ist, an denen die Flatterulme im Frühjahr ihre bräunlich-grünen Samen, sogenannte Flügelnüsschen, trägt. Ganz ähnlich wie bei den die Blättern der Espe, die auch Zitterpappel genannt wird, genüge ein leichter Windstoß, und schon flattern die Früchte der Flatterulme im Wind.