Süddeutsche Zeitung

Nahverkehr:Zurück zum Mittelbahnsteig

Puchheim erwägt, die Planungen der Bahn zu akzeptieren

Von Peter Bierl, Puchheim

Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) will von der Forderung nach einem Außenbahnsteig abgehen und einen barrierefreie Umbau des Mittelbahnsteigs akzeptieren, den die Bahn AG stets favorisiert hatte. "Wir sollten die Gelegenheit nicht ausfallen lassen", andernfalls werde man vor 2030 gar nichts bekommen, warnte er auf der Seniorenbürgerversammlung am Mittwoch, die erstmals wieder in Präsenz im Saal des Kulturzentrums stattfinden konnte, Die meisten Fragen der mehr als 40 Teilnehmer bezogen sich auf das Thema Mobilität.

"Beim Verkehr ist immer so viel Emotion dabei, wir sollten auf dem Boden bleiben", mahnte der Bürgermeister, als es um Tempo 20 in der Lochhauser Straße ging, worüber sich viele ärgern. Aber auch das Nachgeben in Sachen barrierefreiem Umbau des Bahnhofs könnte noch für Zwist sorgen. Schon einmal war der Stadtrat eingeknickt, woraufhin Senioren- und Behindertenbeiräte protestierten. Die Kommunalpolitiker schwenkten um, gemeinsam sammelte man Tausende Unterschriften für den Außenbahnsteig, die Regierung gab nach. Die erneute Wende begründete der Bürgermeister mit der Machbarkeitsstudie zum viergleisigen Ausbau der S-Bahnlinie 4.

Demnach will Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) vorerst nur ein drittes Gleis bis Eichenau verlegen lassen, aber schon Platz für einen vierten Schienenstrang freihalten. Ein barrierefreier Umbau des Mittelbahnsteigs könnte vor dem Ausbau erfolgen, erklärte Seidl. Er plädiere für eine "möglichst optimierte Variante mit zwei Liften". Damit wären die Bedenken, ein Aufzug könnte - wie derzeit in Gröbenzell - monatelang ausfallen, ausgeräumt. Das beide Lifte gleichzeitig ausfallen sei ein "geringes Risiko", findet Seidl. Es bliebe noch das Problem der langen Rampen, die in eine zweite Unterführung führen würden, räumte er ein. "Wir sind noch in der Positionsfindung", betonte der Bürgermeister.

Bereits entschieden hat der Stadtrat in Sachen Lochhauser Straße. Seit dem Herbst gilt zwischen AEZ und Bahnhof Tempo 20, zum Unmut mancher Bürger. "Das ist zu viel, die Straße ist doch keine Rennstrecke", schimpfte eine Seniorin. Sie fahre seitdem nach Eichenau zum Einkaufen. Seidl antwortete, dass man in einem solchen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich nur Tempo 20 ausweisen oder es bei 50 Stundenkilometer belassen müsse. "Man gewöhnt sich daran", sagte der Bürgermeister. Wichtiger wäre, die Aufenthaltsqualität in dieser Einkaufsmeile der Stadt zu verbessern, wandten einige Bürger an.

Das habe man vor, weil der Bereich in einem "prekären und mangelhaften Zustand" sei, sagte Seidl. Ein erster Versuch der Umgestaltung sei an der mangelnden Bereitschaft der Eigentümer gescheitert, nun wolle die Kommune den ganzen Bereich zum Sanierungsgebiet erklären, um eine größere Handhabe zu bekommen. Im Planieviertel konnte die Immobiliengesellschaft Deutsche Wohnen zu Sanierungen der Wohnhäuser gebracht werden, weil die Stadt mit dem Vorkaufsrecht drohte. Zuerst werde man in der Lochhauser Straße eine Voruntersuchung machen, um festzustellen, was die Bürger möchten, anschließend folge die Ausweisung.

Die Seniorenbürgerversammlung im Puc begann mit einer Informationsmesse für die Besucher, auf der Vereine und Verbände ihr Angebot präsentieren konnten, darunter die Johanniter, die Volkshochschule und der FC Puchheim, anschließend gab es einen Vortrag über die Chancen, die digitale Medien den Älteren bieten. Der Vorsitzende des Seniorenbeirates, Karl Heinz Türkner, berichtet über die Tätigkeit des Gremiums und die Seniorenreferenten des Stadtrates, Barbara Ponn (Grüne) und Michael Peukert (FW), stellten sich vor. Der Bürgermeister verzichtete auf den großen Überblick zu kommunalen Projekten, der auf regulären Bürgerversammlungen üblich ist. Seidl verwies auf die geplante Umgestaltung des Altenheims Haus Elisabeth sowie strittige Fragen, wie das Debakel mit der Greensill-Bank oder das geplante Neubauviertel an der Alpenstraße. Und der Bürgermeister versprach, dass es 2022 wieder ein Volksfest geben werde.

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SZ vom 18.06.2021
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