Süddeutsche Zeitung

Nahverkehr:Verbittert über die Hinhaltetaktik der Bahn

Verkehrsausschuss für den nordwestlichen Landkreis fordert in einem Brief an den Verkehrsminister in deutlichen Worten Verbesserungen beim Zugbetrieb

Im Verkehrsausschuss der Gemeinden im nordwestlichen Landkreis herrscht Verbitterung über die Hinhalte-Taktik der Bahn bei der Erfüllung des Versprechens, an allen Wochentagen einen durchgängigen Stundentakt für Regionalzüge an den Bahnhöfen in Mammendorf, Haspelmoor und Althegnenberg einzuführen. Nach einem Vorstoß des Ausschusses über den Bayerischen Landtag gibt es zwar Verbesserungen, der durchgängige Stundentakt soll aber erst nach Fertigstellung der zweiten Stammstrecke im Jahr 2026 realisiert werden.

"Wir wollen uns nicht erneut vertrösten lassen, zumal sich der Ausbau der Stammstrecke vermutlich noch länger hinziehen wird", sagt Ausschuss-Geschäftsführer Alfred Beheim. Angesichts der Zunahme der Bevölkerung und der resultierenden Verkehrsentwicklung brauche die Region den Stundentakt schon jetzt. Beheim fordert "wegen akuten Bedarfs" sofort einen zusätzlichen werktäglichen Halt zwischen 6.15 Uhr und 7.30 Uhr in Richtung München. In Abstimmung mit den Ausschuss-Vorsitzenden, den Bürgermeister Paul Dosch (Althegnenberg) und Franz Robeller (Hattenhofen) hat der Geschäftsführer einen Brief an den neuen Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, Hans Reichart (CSU), gerichtet, mit der Forderung, sich mit Nachdruck darum zu kümmern, dass der durchgängige Stundentakt beim Fugger-Express zeitnah eingeführt wird.

Dabei wird insbesondere auf die Petition vom März hingewiesen. Damit hatte der Ausschuss die Forderungen nach einer Vielzahl fehlgeschlagener Versuche bei der Bahn auf der politischen Ebene dringlich gemacht. Der vormalige Verkehrsausschuss des Landtages hatte im Frühjahr einstimmig beschlossen, der Petition "soweit irgend möglich" Rechnung zu tragen. Der neue Staatssekretär Josef Zellmeier (CSU) hat nun mitgeteilt, die Umsetzung sei "mangels infrastruktureller Kapazitäten nicht möglich". Die Fahrplangestaltung des Fugger-Express sei mit den beiden Engpässen Pasing und Augsburg sowie den weiter nördlich und westlich gelegenen Knotenbahnhöfen "fahrplantechnisch eine Herausforderung".

Die intensive Prüfung des Anliegens durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) habe ergeben, dass alle Halte zwischen München und Augsburg erst nach Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke durch eine Regional-Bahn eine stündliche Bedienung erhalten können, heißt es. Zugesagt wird jedoch, "im Rahmen der derzeit vorhandenen technischen Möglichkeiten" mit dem Fahrplan 2019 in Althegnenberg fünf weitere Halte zu ermöglichen. "Damit ist das mit unseren langjährigen Bemühungen und mit dem Ergebnis der Petition verfolgte Ziel aber noch lange nicht erreicht", erklärt der Geschäftsführer. Er mahnt beim Minister an, der von Ministerpräsident Markus Söder propagierte Erklärung zum Ausbau des Schienenverkehrs Taten folgen zu lassen.

Die erste öffentliche Zusage, dass Regionalzüge im Stundenabstand an allen Wochentagen auch an den drei Bahnhöfen halten sollen, liegt laut Beheim schon 20 Jahre zurück. Damals sei die Einführung nach Abschluss des viergleisigen Ausbaus der Strecke zwischen Olching und Augsburg versprochen worden. "Nach der Fertigstellung hat man uns fortlaufend mit den verschiedensten Argumenten auf später vertröstet", heißt es in dem Schreiben. Besonders verärgert sei man über das Argument gewesen, die Einführung des durchgängigen Stundentaktes an den drei Bahnhöfen im Landkreis könnte bei Fahrgästen aus Schwaben zu Negativreaktionen führen. "Den Verkehrsweg zwischen Augsburg und München wie auch die darauf fahrenden Züge haben nicht allein die schwäbischen Steuerzahler, sondern auch unsere Bürger finanziert und damit unstrittig einen identischen Anspruch an Mitnutzung erworben", heißt es in dem Brief.

Zudem nähmen die Kommunen die von der viergleisigen Strecke ausgehende Belastung in Kauf. Man sollte also nicht zweierlei Maß anlegen. Das Schreiben ging auch an Landrat Thomas Karmasin (CSU) sowie an die Abgeordneten des Landtages, Martin Runge (Grüne), Hans Friedl (Freie Wähler) und Benjamin Miskowitsch (CSU), von denen man tatkräftige Unterstützung erwartet.

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SZ vom 02.01.2019
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