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Nahverkehr:Buddeln für die Barrierefreiheit

Die Bauarbeiten am S-Bahnhof Buchenau schreiten voran. Ob noch Änderungen zugunsten der Reisenden möglich sind, ist derzeit aber fraglich

Der S-Bahnhof im Brucker Westen wird nicht einfach barrierefrei umgebaut. Dort entsteht "Bavaria's next Top Bahnhof". So lautet jedenfalls das Versprechen, dass die Bahn AG ihren Kunden auf einem Schild macht. Die Baustelle zumindest macht optisch einiges her mit einem guten Dutzend Baggern und Kippern, und der Rohbau schreitet voran. Die Vorderseite des neuen Außenbahnsteigs auf der Südseite, die aus Betonfertigteilen besteht, ist fast fertig. Der Tunnel unter den Gleisen, wo die neue Unterführung samt Aufzügen entstehen soll, ist ausgehoben und mit Spundwänden gesichert.

Der alte Mittelbahnsteig sieht kahl aus, weil das Dach abgebaut worden ist. Dafür ist es dort teilweise ziemlich eng, weil im vorderen Bereich in der Mitte ein Streifen durch Plastikzäune abgetrennt ist. Immerhin kommt man noch an die Fahrkartenautomaten. Die Seite zum Gleis 2 hin soll auf 96 Zentimeter erhöht, ebenso wie der nördliche Außenbahnsteig an Gleis 1, der Bahnsteig zum Gleis 3 wird stillgelegt. Die neue Fußgängerunterführung wird mit Treppen und Aufzügen zu allen Bahnsteigen ausgestattet, Rampen gibt es nicht. Die Bahnsteige 2 und 3 bekommen neue Dächer, und es soll ein Wetterschutz mit Sitzplätzen am Busbahnhof errichtet werden.

In Zukunft sollen sowohl die Bahnsteige als auch die Züge barrierefrei erreicht werden können.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Bahnsteige sollen laut Bahn vor Weihnachten fertig werden, im Frühjahr 2020 soll die ganze Arbeit erledigt sein. Wegen des engen Zeitplans müsse immer wieder in der Nacht und an Wochenenden gearbeitet werden, hatte die Bahn AG erklärt. Während des Umbaus solle der Zugverkehr "mit kleineren Einschränkungen" weiterlaufen. Deshalb seien Arbeiten in der Nacht "unabdingbar", weil in dieser Zeit weniger oder gar keine Züge unterwegs sind.

Ob die Bauarbeiten im Zeitplan liegen oder es Schwierigkeiten gibt, ob sich Anwohner über den Lärm beschwert haben oder gar das Angebot der Bahn AG angenommen, haben, im Hotel zu nächtigen, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Im Rathaus verweist man auf die Bahn, aber deren Pressesprecherin muss passen, weil der Projektleiter im Urlaub sei. Einen Stellvertreter gebe es nicht, und sonst wisse auch niemand Bescheid. Die Anwohner, die an diesem Tag auf der Straße anzutreffen sind, tragen es mit Gelassenheit. Beim Setzen der Spundwände sei es ein paar Mal etwas lauter geworden, sagt eine Frau.

Auch Mirko Pötzsch (SPD), der Verkehrsreferent des Stadtrates, hat nichts von Beschwerden gehört. Er und Thomas Brückner vom Verkehrsforum haben beim offiziellen Spatenstich Anfang April dem bayerischen Verkehrsminister Hans Reichhhart (CSU) eine Petition überreicht, in der sie noch einige kleinere Änderungen fordern. So fehle ein Dach auf Bahnsteig von Gleis 1, die Treppe auf der Nordseite zum Durchgang im blauen Haus sei für Rollatoren, Rollstühle und Kinderwagen ungeeignet und die Rampe so situiert, dass Fahrgäste, die zur Bushaltestelle wollen, einen Umweg von 80 Metern haben. Der Minister habe ihnen freundlich zugehört, aber ihnen wenig Hoffnung gemacht. "Er hat zugesagt, dass er es wohlwollend prüft, aber sein Budget beschränkt sei", erzählt Pötzsch. Obwohl die Petition von Parteien, Beiräten und Sozialverbänden unterstützt wird, geht der Verkehrsreferent davon aus, dass sich die Initiative erledigt hat. "Jetzt werden Fakten geschaffen."

Mit schwerem Gerät und vielen Fachkräften wird der Bahnhof Buchenau umgebaut.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Dass die Unterführung nicht mit Rampen ausgestattet wird, hält Mirko Pötzsch für vertretbar. Seine Einschätzung: "Eigentlich sollte man erwarten, dass ein kaputter Aufzug heutzutage schnell repariert wird, das ist eine Frage der Qualität und der Wartung."