Die FDP und der Historische Verein für die Stadt und den Landkreis Fürstenfeldbruck trauern um Rolf Marquardt. Mit dem am 5. November im Alter von 87 Jahren gestorbenen Emmeringer verliert der Landkreis eine Persönlichkeit, die über vier Jahrzehnte ehrenamtlich gleichermaßen die Vor- und Frühgeschichte seiner Heimat erforschte und sich in der Kommunalpolitik engagierte. Der Hobby-Archäologe war maßgeblich am Aufbau des Fürstenfeldbrucker Stadtmuseums beteiligt. Als Kommunalpolitiker gehörte er 36 Jahre dem Kreistag und zusätzlich noch 39 Jahre dem Bezirkstag von Oberbayern an. Im politischen Auf und Ab und den diversen Krisen seiner Partei machte ihn seine Beständigkeit zum ruhenden Pol der FDP im Landkreis, der unbeirrbar für liberale Werte stand.
Der Diplommathematiker und Industriekaufmann war bei Siemens im IT-Bereich tätig. Er war ein bodenständiger, in seinem Lebensraum verwurzelter, zielstrebiger und zuverlässiger Liberaler, der sich in Pflicht nehmen ließ. Sein Rat war häufig gefragt, in der Politik war es der des Haushaltsexperten, in Organisationen der des Schatzmeisters. Um der Sache willen scheute er keine Mühen. So machte er beispielsweise bei Ausgrabungen noch als Rentner im hohen Alter den Rücken krumm und sich die Hände schmutzig.
Dieser Einsatz wurde auf vielfache Weise belohnt. Er und seine Mitstreiter im von ihm lange geleiteten Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte des Historischen Vereins konnten beachtliche Bodenfunde sichern. Ihnen gelang es auch, ein Kapitel Wissenschaftsgeschichte mitzuschreiben. Schließlich lieferten die Ergebnisse ihrer Grabungen, Bodenuntersuchungen und Analysen den Nachweis, dass das zwischen den Alpen und der Donau gelegene Gebiet im Münchner Westen bis zur Römerzeit nicht fast menschenleer gewesen, sondern schon bereits seit mehr als 2000 Jahren vor dem Beginn unserer Zeitrechnung besiedelt war.
Marquardt trug zusammen mit Experten maßgeblich mit dazu bei, dass im Stadtmuseum in Fürstenfeld eine eigene Abteilung für Vor- und Frühgeschichte eingerichtet werden konnte. In dieser sind von ihm und seinen Mitstreitern mitentdeckte und gesicherte prähistorische Bodenfunde ausgestellt. Die Exponate stammen aus zahlreichen Ausgrabungen, die der Verstorbene unter anderem in Emmering, Grafrath, Schöngeising oder Esting begleitete und mit leitete. Die Ergebnisse ihrer Grabungen und Forschungen veröffentlichte er unter anderem in der heimatkundlichen Kulturzeitschrift Amperland oder als Mitherausgeber der Publikation „Landkreis Fürstenfeldbruck – Archäologie zwischen Ammersee und Dachauer Moos”.
Für den Gemeinsinn des Ehrenmitglieds des Historischen Vereins spricht, dass er den Aufbau der Bürgerstiftung für den Landkreis als Gründungsmitglied förderte und bei dieser den „Karin und Rolf Marquardt-Fonds“ errichtete. Den nach seiner Frau und ihm benannten Fonds stattete der Sammler Marquardt als Zustiftung mit einem Aktienpaket und 500 Goldmünzen aus der römischen Kaiserzeit und der Epoche seiner Geburtsstadt Augsburg aus, in der die ehemalige freie Reichsstadt über ein eigenes Münzrecht verfügte.
Marquardts Engagement wurde mit dem Bundesverdienstkreuz, der Bezirksmedaille und der Denkmalschutzmedaille des Freistaates gewürdigt.

