Nachhaltigkeit oder nachhaltiges Handeln, viel bemühte Worte, wenn es darum geht, Klima- und Umweltschutz oder die Bewahrung der Schöpfung einzufordern. Aber was bedeutet es, nachhaltig zu leben, was wird damit bezweckt und was kann jeder Einzelne für sich und seine Umwelt tun, damit auch nachfolgende Generationen noch gut leben können? Auf solche Fragen hat der erste Nachhaltigkeitstag in Eichenau mit Schwerpunkt auf Ernährung und Naturgarten eine Vielzahl von Antworten und starke Impulse für ein nachhaltiges Leben gegeben. Dazu gab es eine Reihe von Fachvorträgen mit wertvollen Tipps und ein buntes Beiprogramm sowie einiges zum Probieren: Kaffee und Kuchen, Gemüse und Obst aber auch Samentütchen und Kräutertüten für Salate und Suppen zum Mitnehmen. Wie Bürgermeister Peter Münster (parteifrei) zur Begrüßung sagte, „ganz nach dem Motto: informieren, schnabulieren, ausprobieren“.
Nachdem der erste Energietag der Gemeinde im Vorjahr gut angekommen sei, könne nun dank der Initiative von Lisa Stockmann (Grüne) und der Referentin für Umwelt und Ernährung des Gemeinderates, Marion Behr, ein weiterer Info-Tag geboten werden. Ziel sei es, Interesse zu wecken und nachhaltige Verbindungen, Vernetzungen und ein besseres Verständnis für Zusammenhänge von menschlichem Leben und Auswirkungen auf das Umfeld zu erreichen. „Kleine Messen liegen im Trend“, sagte der Gemeindechef, daher sei am Wochenende 13./14. September ein weiterer Energietag geplant „und einen zweiten Nachhaltigkeitstag wird es wohl auch geben, auch wenn es viel Arbeit macht“.
„Viel Arbeit, aber auch viel Freude“, knüpfte Lisa Stockmann an und dankte allen Beteiligten, insbesondere dem Ernährungsgrat, der Agenda 21-Gruppe, der Bürgerstiftung des Landkreises sowie Slow Food Fünfseenland, die den Aktionstag mit organisiert hatten. Rund 800 Besucher ließen sich zum Beispiel von der Klimaschutzmanagerin im Landratsamt, Malgorzata Kroban, aufklären, dass jeder Mensch pro Jahr durchschnittlich 10,4 Tonnen CO₂ produziert und dass sich der „Fußabdruck“ durch eine bewusste Ernährung mit weniger Fleisch und bei bevorzugter Nutzung regionaler und saisonaler Produkte, sowie durch den sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln oder „wenn man öfter mit dem Fahrrad fährt, statt mit dem Auto“ verbessern lässt.
Ein Gastredner war der Vorsitzende des Landesverbandes für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV), der bedauerte, dass angesichts der kritischen Weltlage Klima- und Umweltschutz in vielen Ländern, auch in Deutschland, auf fast allen politischen Ebenen an Bedeutung verloren habe. „Wenn Bomben fallen wie in der Ukraine, ist dies unwichtig“, dafür habe er Verständnis. „Uns aber geht es gut“, daher dürfe nicht nachgelassen werden, unseren Planeten bewohnbar zu erhalten. Klimaschutz und Biodiversität seien existenziell für das Leben auf der Erde. Eine junge Frau „hätte nicht gedacht, dass in der Friesenhalle so ein breites Angebotsspektrum Platz hat, ich bin begeistert“, sagte sie und erfuhr von Max Keil (Bauernquelle), bei Brucker Land, Bauermarkt und Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), dass es Konsumenten selbst in der Hand haben, regionale Produkte zu kaufen und damit auch die Macht besäßen, auf das direkte Umfeld einzuwirken. Ein Besucher lobte das Engagement der Gemeinde, „weil nachhaltiges Handeln gesamtgesellschaftlich gesehen werden muss und auch die Politik dabei gefordert ist“.
Mitglieder der Kreisgruppe Bund Naturschutz und des LBV animierten dazu, möglichst viele naturnahe Bereiche zu schaffen, in denen sich Insekten, Kleintiere und Vögel leben können. Über ein ständiges Kommen und Gehen freuten sich Gärtnerei Würstle, die Buchhandlung Rezai, Münchner Kindl-Senf, der Förderverein Pfefferminzmuseum, Bio-Bäckerei Gürtner, Rita Walter, die Gartenkräuter-Smoothies anbot, Susanne Sommer mit mit Beispielen für nachhaltige Floristik, sowie die Pflanzentauschbörse (Grüner Gockel der Friedenskirche Eichenau). Zudem gab es Bastelangebote für Kinder sowie weitere Initiativen aus Direktvermarktung, Gartenberatung und Umweltbildung.
Lidija und Richard Bartels informierten über die Zielsetzung der Slow-Food-Bewegung, gute, saubere und faire Lebensmittel den Vorzug zu geben, und Edith Wimmer, die in Fürstenfeldbruck die „Füllosophie“ betreibt, erklärte, dass Einkaufen ohne Verpackung, wenn Kunden die nötigen Behältnisse selbst mitbringen, einfach, unkompliziert und hygienisch unbedenklich sei. Michaela Stock vom Brucker Ernährungsrat informierte über regionale Erzeugung und Vermarktung und Marion Behr über Umweltbeirat, Bürgeracker und Bürgergarten in Eichenau, das sich als lebendige Gartenstadt versteht.



