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Musiker aus Emmering:Trotz Höhenflug geerdet

Tassilo Probst spielt nicht nur hervorragend Geige, sondern auch ganz ordentlich Klavier - eine Voraussetzung, um an der Musikhochschule studieren zu dürfen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Tassilo Probst gehört zu den hoffnungsvollsten Nachwuchsgeigern

Schritt für Schritt nähert sich Tassilo Probst seinem großen Traum: ein bekannter Soloviolinist zu werden. Immer dabei ist seine 330 Jahre Geige, ein Meisterwerk von Giovanni Gracino. Dass es einmal ein anderer Weg werden könnte, daran hat der 17-Jährige nie gedacht, und er tut es auch heute nicht. Doch trotz seines Ehrgeizes, seiner Zielstrebigkeit, seiner Erfolge und einer Entwicklung, die man getrost als Höhenflug bezeichnen kann, bleibt der Musikstudent geerdet. "Es ist schon ein cooles Gefühl, aber man muss immer arbeiten, damit man nicht absackt. Mir ist es lieber, mich nicht zu hoch einzuschätzen. Ich bleibe lieber am Boden und steche von dort heraus". An diesem Sonntag spielt Tassilo Probst im Veranstaltungsforum, es ist sein erster Auftritt im Landkreis in diesem Jahr.

Schon 2015 wurde der Emmeringer als Jungstudent an der Musikhochschule in München angenommen, seit diesem Semester ist er vollwertiger Student dort, macht bei Ingolf Turban seinen Bachelor of Music Violine (künstlerisch), wie es offiziell heißt. Im Sommer hat er sein Abitur abgelegt. Durch die Vorlesungen und Kurse bekomme er noch einmal einen ganz anderen Blick auf bestimmte Themen. "Wir lernen zum Beispiel, wie Konzertsäle gebaut werden und wie sie akustisch funktionieren. Oder welche Psychologie hinter dem Lernen eines Instruments steckt", erzählt Probst. Ein wenig versteht er das Studium auch als Sicherheit. "Man weiß ja nicht, was alles passiert, vielleicht eine Verletzung oder eine Krankheit. Dann hilft so ein Diplom schon, wenn man einen neuen Beruf sucht." Das Spannendste am Studium seien aber auf jeden Fall die vielen interessanten Menschen, die man dort kennen lernt.

Mit dem Studium ist die Zeitplanung des 17-Jährigen nicht gerade einfacher geworden. Ständig muss er Uni, Auftritte, Wettbewerbe, Meisterkurse, Unterricht und Üben miteinander in Einklang bringen. Um die Termine und Anfragen kümmert sich seine Mutter, sie ist Managerin, Fahrerin, Motivatorin. "Im Sommer gab es eine Phase, da war ich gerade mal zwei Tage zu Hause." Den Rest der Zeit war er überall in Deutschland unterwegs, vom renommierten Louis-Spohr-Wettbewerb in Weimar, wo er den zweiten Platz belegt hat, bis hin zu einem Solokonzert auf dem Dach des Münchner Flughafens mit den Münchner Philharmonikern. "Das war schon ein sehr cooles Konzert, vielleicht das bisher spannende in diesem Jahr", erzählt er begeistert. Insgesamt zehn Solokonzerte hat er seit dem Abitur in diesem Jahr schon gegeben.

Probst ist es bei aller Leidenschaft für sein Instrument aber auch wichtig, sich immer wieder Zeit für sich zu nehmen. Vor allem Fußball spielt er gerne, vom letzten Kick im Garten hat er noch ein paar rote Striemen auf dem Handrücken: Kollision mit einem Rosenstrauch. Genauso begeistert, wie er selbst spielt, diskutiert er über die aktuelle Trainerfrage bei seinem Lieblingsverein, dem FC Bayern, und die Situation der Bundesliga im Allgemeinen. "Diese Ablenkung ist mir wichtig, weil ich dadurch neue Energie für die Musik sammeln kann", sagt er.

Seine erste Geige hat Probst im Alter von vier Jahren bekommen. Als er an Weihnachten seinen Vater dieses Instrument hat spielen hören, wollte der junge Tassilo das auch können. Mit elf Jahren hat er dann auch noch angefangen Klavier zu lernen - als Vorbereitung auf die Musikhochschule, denn dort ist es Zugangsvoraussetzung, auch Klavier spielen zu können. Und Saxofon spielen kann Probst auch. Nur eines liegt ihm nicht so sehr: das Singen. Im Studium steht Chor dennoch auf dem Stundenplan.

"Ich weiß, dass ich oft Glück hatte auf meinem Weg", blickt der Emmeringer auf die letzten Jahre zurück. Glück, für das er allerdings hart arbeitet, es sozusagen erzwingt. Ein besonderer Glücksfall sei das Zusammentreffen mit David Frühwirth gewesen. Der 45-jährige Violinist ist seit vielen Jahren einer von Probsts Lehrern und mittlerweile auch ein enger Wegbegleiter. Überhaupt hat der 17-Jährige in den vergangenen Jahren mit vielen bekannten Größen seines Instruments zusammengearbeitet. So hat er Meisterkurse bei Linus Roth, Julia Fischer, Pier Amoyal und Daniel Hope besucht, war vor Ingo Turban Schüler bei Sonja Korkeala.

Bei seinem Konzert am Sonntag in Fürstenfeld wird Tassilo Probst von Johannes Umbreit, Professor an der Münchner Musikhochschule begleitet, das Programm, das die beiden spielen, steht unter dem Titel "Klassik und virtuose Romantik".

"Klassik und virtuose Romantik", Konzert mit Tassilo Probst, Sonntag, 1. Dezember, von 19 Uhr an im kleinen Saal des Veranstaltungsforums Fürstenfeld. Eintritt ab 16 Euro