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Musik aus Fürstenfeldbruck:Pioniere des Rock'n'Folk

Die Fürstenfeldbrucker Band "Cheerio Joe" hat mit Cover-Versionen angefangen und schreibt ihre Songs mittlerweile selbst. Mit einem Live-Konzert am Volksfestplatz eröffnet sie den letzten Filmabend des Autokinos

Von Christina Strobl, Fürstenfeldbruck

Ein kariertes Hemd, schwarze Kappe, Sonnenbrille: Man sieht, dass Authentizität ein Zuhause bei dem jungen Mann gefunden hat. Die Sonne blendet ihn, als er sich hinsetzt, doch sobald er sich in der angenehmen Kühle des Schattens befindet, nimmt er die Brille ab. Sein Blick verspricht Lebensfreude, während er über seine Musik spricht. Lukas Liebl liebt und lebt sein Musikerleben: "Das ist die ultimative Freiheit."

Für den Student der Germanistik und Geschichtswissenschaften, gibt es nichts Schöneres, als mit seiner Band Cheerio Joe im Tourbus unterwegs zu sein. Von einer Stadt, in die nächste, von einem Konzert zum nächsten. "Das ist für mich das Beste am Leben als Musiker!"

Seit 2012 lebt der 32-Jährige schon seinen Traum. Anlässlich einer Familienfeier von Sebastian Pittrich, 35, schlossen sich die beiden mit einer befreundeten Sängerin zusammen, um Pittrichs Vater ein Ständchen zum runden Geburtstag zu singen. In den Leben der beiden spielte die Musik schon immer eine zentrale Rolle. Schnell wurde aus einem kleinen Hobby eine wirkliche Leidenschaft: "Das hat so Spaß gemacht", erinnert sich Pittrich. Er lächelt ungezwungen, während er an die damalige Zeit zurückdenkt, die gleichzeitig zur Geburtsstunde von Cheerio Joe werden sollte.

Gemeinsam musizierten die beiden heute 35- und 32-Jährigen fortan immer öfter, Liebl am Bass, Pittrich an der Gitarre, an der Mundharmonika und am Mikrofon. Um ihre Tonkunst weiter zu verbessern, sahen sich die Freude nach weiteren Bandmitgliedern um und blieben schließlich bei Max Spieler, 27, hängen. "Schmocki", wie ihn seine Freunde nennen, wäre der perfekte Schlagzeuger für die Band. Auch eine Sängerin hatten sie schon parat, die sich jedoch nach einiger Zeit von der Band verabschiedete.

Wieder live: Das Konzert der Brucker Band "Cheerio Joe" auf dem Brucker Volksfestplatz wird auch auf die Autokinoleinwand übertragen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Was mit Cover-Versionen von Werken von Musikern wie Bob Dylan begann, entwickelte sich zu einer Vielzahl eigener Stücken weiter. Das derzeitige Set von Cheerio Joe besteht lediglich aus zwei Cover-Versionen, die quasi als Notnagel gelten, sollte das Publikum danach verlangen oder falls der Auftritt länger dauert als geplant. Besonders das Songwriting hat einen hohen Stellenwert bei den Bandmitgliedern: "Mir ist wichtig, dass man die Menge mit den Songs abholen kann", sagt der gebürtige Fürstenfeldbrucker Liebl, neben Pittrich der zweite Haupttexter des Quartetts. "Den Hörern kann es egal sein, was ich mir beim Schreiben des Textes gedacht habe. Sie sollen dabei ihre eigenen Erlebnisse vor Augen haben und ihre eigenen Gefühle und Gedanken dazu entwickeln." Die Texte sind sowohl in englischer als auch in deutscher Sprache und drehen sich um das, was jeden Menschen auf der Welt bewegt und berührt, um das Leben. "Ich versuche sowohl negative als auch positive Erlebnisse abzuspeichern und dann daraus zu schöpfen", fährt Liebl fort. "Und nicht nur das, was ich erlebt habe, sondern auch das, was meine Freunde und andere Menschen im Leben erfahren haben."

Aus dem Pool von gesammelten Erlebnissen kann der 32-Jährige dann am besten schöpfen, wenn er, fernab von Menschen, in der Natur einen klaren Kopf bekommen kann.

"Was die Texte auszeichnet, sind vor allem das lyrische Schreiben und die Sprachbilder, die Lukas mit seinen Wörtern zeichnet", so Bandkollege Sebastian. "Generell wollen wir unsere Lyrics aber nicht so offensichtlich gestalten", fügt er hinzu. Viel wichtiger sei es, dass die Leute zum Nachdenken gebracht werden.

Mit dieser Einstellung musizierten sich Cheerio Joe nicht nur in die Herzen zahlreicher Fans aus Fürstenfeldbruck und Umgebung, sondern konnten auch schon zwei Alben aufnehmen: Noch in Zusammenarbeit mit ihrer ehemaligen Sängerin veröffentlichte die Gruppe 2016 das Album "Happy Ends". Zwei Jahre darauf folgte dann das zweite Album, "Travel Through the Ages", welches bereits mit der derzeitigen Sängerin, Tina Fischer, 29, aufgenommen wurde.

Mit der neuen Sängerin beschloss die vierköpfige Gruppe schließlich, dass auch ein neuer Name hermüsse. "Früher nannten wir uns ,Enzgeil&Durschtig', aber dann kam "Cheerio Joe". Sie seien aus dem ursprünglichen Bandnamen rausgewachsen. "Joe" war der Name eines ehemaligen Schlagzeugers, was den Freunden in Kombination mit "Cheerio" als sehr melodisch erschien.

Was den vier Bruckern besonders am Herzen liegt, ist, ihre Authentizität zu bewahren. Wenn sie ihren Fans eines versprechen könnten, dann wäre das, dass sie sich niemals verstellen würden. "Ich denke, uns soll man einfach dann hören, wenn man die Schnauze voll hat, von all dem überproduzierten Kommerz, der heutzutage im Radio rauf und runter läuft", sagt Leadgitarrist Pittrich. Durch ihre lockere Art, mit Menschen und der Welt umzugehen, verschafften sich die vier Brucker einen Namen in der hiesigen Musikszene. Vielen dürfte die Band nicht nur ein Begriff durch ihre regelmäßigen Auftritte auf dem traditionellen Subkultur-Open-Air sein. Auch auf dem Fürstenfeldbrucker Volksfest, das jedoch heuer ausfallen musste, sind sie gern gesehene Unterhalter. Was Cheerio Joe ausmacht, ist ihr individueller Stil: Ihre Musik zeichnet sind sowohl durch eine Mischung aus Rock'n'Roll, Folk und Country-Musik aus. Weil es keine konkrete Bezeichnung für diesen Musikstil gab, taufte das Kollektiv es "Rock'n'Folk". Eines steht fest: Ihre Musik bedeutet den Mitgliedern von Cheerio Joe alles. "Auch wenn sie heutzutage nur noch aus Beton und Plastik besteht, bedeutet mir die Musik die Welt", so Pittrich. Es sei mit Abstand das beste Gefühl, Menschen seine eigenen Songs vorzutragen, in die unbekannten Gesichter zu schauen und zu sehen, was ihr eigener Song mit ihnen mache, sagt Liebl.

Cheerio Joe. Live-Act beim Abschlussabend im Autokino FFB. Samstag, von 20 Uhr an, Volksfestplatz Fürstenfeldbruck

© SZ vom 11.07.2020

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