Stadtplanung:Freizeitvergnügen für die nächste Generation

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In Freiham soll ein Badesee entstehen. (Foto: Catherina Hess)

Im Germeringer Stadtrat macht man sich frühzeitig Gedanken über die Idee aus München, in Freiham einen See anzulegen.

Von Karl-Wilhelm Götte, Germering

Der Freihamer See ruft bei den Germeringern einige Vorfreude hervor, schafft aber auch erheblichen Frust. "Da bin ich ja dann schon 53 Jahre alt", meinte Daniel Liebetruth, SPD-Fraktionschef im Germeringer Stadtrat und klang entsetzt. Denn erst 2042 - in 18 Jahren - sei an Germering östlicher Stadtgrenze mit Baden im See zu rechnen, so die aktuellen Planungen der Stadt München. Bisher war von 14 Jahren die Rede. Liebetruth hatte erst einmal die Lacher der zahlreichen Seniorinnen und Senioren im Saal auf seiner Seite. "Das erlebe ich dann nicht mehr", raunte die eine oder der andere ebenso vergnügt vor sich hin.

Der von der Landeshauptstadt versprochene See westlich der Autobahn A99 zwischen der Bodenseestraße und der Verlängerung des Birnbaumsteigwegs im Norden befindet sich immer noch im Stand einer Machbarkeitsstudie. Im vergangenen Oktober haben die Münchner Planer das Projekt in Germering vorgestellt. Schon damals hat der Stadtentwicklungsausschuss des Germeringer Stadtrats seine Bedenken in Sachen Verkehrserschließung und Parkraumangebot angemerkt. Ebenso sollte München die Lärmentwicklung und Lärmschutz für die westlich angrenzende Bebauung, die vor allem die Anwohner in der Walkürenstraße betrifft, berücksichtigen. Germering hat ein Anhörungsrecht, aber kein Mitentscheidungsrecht. München hat jedoch durchblicken lassen, dass sie das Projekt Erholungsgebiet Freihamer See nicht gegen Germeringer Interessen durchsetzen will.

Eine Idee davon, wie der Badesee bei Freiham aussehen könnte, liefern die Landschaftsarchitekten Wankner und Fischer Partnerschaft. (Foto: WANKNER UND FISCHER PARTNERSCHAFT mbB LANDSCHAFTSARCHITEKTEN STADTPLANER)

Jetzt hat die Stadt München dem Germeringer Stadtrat eine umfassende tabellarische Übersicht zum weiteren Verfahren übermittelt. Darin ist auch die Germeringer Positionierung in Sachen Pkw-Stellplätze berücksichtigt. "Es wird auch ein Verkehrsgutachten erstellt", teilte Bauamtschef Jürgen Thum in der Sitzung des Bauausschusses mit. Man habe auf die Germeringer Anregungen reagiert. Das Gutachten umfasst laut Münchner Übersicht "Verkehr inklusive Stellplätze, Abwicklung des Verkehrs sowie der Rad- und Fußverkehr". Auch sollen Fußwegeverbindungen zwischen möglichen Pkw-Stellplätzen und dem See geprüft werden. Ein größerer Parkplatz direkt gegenüber dem See auf der anderen Seite der Bodenseestraße wird von den Münchner Planern eher kritisch gesehen, weil das gerade eine Aufforderung wäre, mit dem Auto zu kommen. Sollte der Parkplatz dort trotzdem angesiedelt werden, müsse eine Verbindung zum See per fußläufige Über- oder Unterführung der Bodenseestraße kommen. "Die Anwohner müssen auf jeden Fall vor dem Parksuchverkehr geschützt werden", formulierte Liebetruth. Ebenso sollte der Park&Ride-Parkplatz an der S-Bahnstation Harthaus nicht für die Seebesucher zur Verfügung stehen.

Ehe der See kommt, der mit etwa sieben Hektar flächenmäßig etwa doppelt so groß werden soll wie der Germeringer See, wird es also dauern. Bevor es einen Grundwassersee geben kann, muss der Kies auf dem Areal ausgebaggert werden. Das allein dauert voraussichtlich zehn Jahre. Neben der ungeklärten Parksituation ist auch der Lärm um den Standort des anvisierten Badesee herum ein großes Problem. Der Grenzwert von 59 Dezibel ist nur mit massiven Lärmschutzwänden vor allem an der Bodenseestraße, einzuhalten. Auch die Auswirkungen auf das Germeringer Grundwasser soll genauer untersucht werden. "Funktionieren dann die Wärmepumpen noch", sprach Stadtbaumeister Thum ein mögliches Problem an. Bisher hatten die Planer eine Absenkung des Grundwasserspiegels als sehr gering eingeschätzt. Stadträtin Sandra Andre (CSU) regte zudem an, mit München zu klären, wer in Notfällen - zum Beispiele beim Einsatz der Feuerwehr - zuständig ist. "Auf jeden Fall sollten wir den Zeithorizont von 18 Jahren kritisch hinterfragen", nahm Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) den Unmut von Liebetruth auf. Er selbst wäre 2042 immerhin auch schon 78 Jahre alt. Ob jedoch während des Kiesabbaus bereits gleichzeitig gebadet werden kann, hält Thum aufgrund des Lärmproblems für wenig wahrscheinlich.

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