Am Erinnerungsort des Attentats im Olympiadorf in München und an der Gedenkstätte am Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck ist am Freitag der zwölf Opfer des palästinensischen Terrorkommandos vom 5. September 1972 gedacht worden. Dabei kamen elf Sportler aus Israel und ein bayerischer Polizist ums Leben. Die Motivation der Täter sei „Hass auf Israel und Hass auf jüdische Menschen gewesen“, sagte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, bei der zentralen Gedenkfeier in Fürstenfeldbruck. „Dieser Hass tritt uns bis heute entgegen, in München, in Deutschland, in der ganzen Welt.“
Am Mahnmal hatten sich etwa 50 Teilnehmende eingefunden, darunter Angehörige der Opfer, Kommunalpolitiker, Vertreter der Polizei und der Bundeswehr sowie Hannes L. Götz, der das Mahnmal geschaffen hat. Die zwölf geschmiedeten Flammenstrahlen symbolisieren die zwölf Opfer des Anschlags und die zwölf Stämme Israels.
„Wir leben noch immer oder wieder in unsicheren Zeiten“, sagte die stellvertretende Fürstenfeldbrucker Landrätin Martina Drechsler (CSU). Der Anschlag ermahne dazu, wachsam zu sein. Staatssekretär Sandro Kirchner (CSU) vom bayerischen Innenministerium erinnerte daran, dass zwei israelische Sportler von den Mördern bereits im olympischen Dorf umgebracht wurden; die anderen sowie der Polizist starben bei der „Befreiungsaktion“ auf dem Fliegerhorst, die „katastrophal scheiterte“. Kirchner rief dazu auf, den Antisemitismus in jeder Form zu bekämpfen, es sei eine Verpflichtung, jüdisches Leben zu schützen.

Von den Nazis als „Hauptstadt der Bewegung“ bezeichnet, wollte München 1972 Gastgeber für heitere Spiele sein, erinnerte die Holocaustüberlebende Knobloch. Die Stimmung in der Stadt sei heiter gewesen, bis zum Attentat auf die Israelis. Das einzige „Vergehen“ der Opfer sei gewesen, dass sie Juden waren. Auch heute sei Judenhass wieder ein großes Problem geworden und habe „nichts von seinem Gift verloren“.
Sowohl Knobloch als auch Talya Lador-Fresher, Generalkonsulin des Staates Israel für Süddeutschland, verwiesen auf die Kontinuität von Judenhass und Judenmord. Sie erinnerten dabei an das Pogrom vom 7. Oktober 2023. Damals ermordeten die Hamas und ihre Verbündeten mehr als 1200 Menschen im Süden Israels und verschleppten mehr als 240. Der Anschlag von München 1972 sei insofern ein Wendepunkt gewesen, als der Terror erstmals live im Fernsehen zu sehen gewesen sei, sagte Lador-Fresher, die die Geiselnahme als Kind vor dem Bildschirm verfolgte. Die Terroristen der Hamas wiederum stünden für eine neue Stufe des Grauens, weil sie mit Körperkameras filmten, wie sie ihre Opfer in den Kibbuzim und auf dem Musikfestival quälten, vergewaltigten und ermordeten, und ihre Videos sofort online stellten.
Alle Rednerinnen trugen die Namen der Ermordeten des Olympia-Attentats vor: David Berger, Yossef Gutfreund, Amitzur Shapira, Andrei Spitzer, Eliezer Halfin, Kehat Shorr, Yakov Springer, Ze'ev Friedman, Yossef Romano, Mark Slavin und Moshe Weinberg sowie der Polizist Anton Fliegerbauer. Anschließend beteten Rabbiner Shmuel Aharon Brodman, Prodekan Pfarrer Otto Gäng und Pfarrer Matthias Biber für die Opfer.

Am Vormittag hatten sich in München Vertreterinnen und Vertreter verschiedener jüdischer und israelischer Organisationen, die Generalkonsulin Talya Lador-Fresher, Polizeipräsident Thomas Hampel und Sapir von Abel vom Jüdischen Museum München zum Gedenkspaziergang durch den Olympiapark getroffen. Die Begehung des Tatorts findet jedes Jahr statt, um an die elf ermordeten Mitglieder der Olympia-Mannschaft und an den getöteten bayerischen Polizeibeamten zu erinnern.
Den Weg vom Erinnerungsort Olympia-Attentat bis zum Haus an der Connollystraße 31, dem Quartier der israelischen Delegation, begleitete am Freitag auch ein Zeitzeuge: Godel Rosenberg, der die Spiele 1972 als junger Reporter vor Ort erlebt hatte und später Pressesprecher von Franz Josef Strauß war. Im Anschluss an seine Schilderungen sagte Lador-Fresher: „Es war der erste Terroranschlag, der live übertragen wurde, und er hätte für uns alle ein Zeichen setzen müssen: dafür, wie sehr Terror unser Leben verändern kann, und dafür, was wir dem entgegensetzen müssen.“ Die Frage, wie man der neuen Dimension des Terrors als demokratische Gesellschaft begegne, bleibe offen.
Korrekturhinweis: In einer früheren Version hieß es, der Künstler Fritz Koenig sei bei der Gedenkfeier anwesend gewesen. Das war falsch, er ist 2017 gestorben. Sein Name wurde verwechselt mit Hannes L. Götz, der das Mahnmal schuf und der anwesend war.

