München/Fürstenfeldbruck Vorwurf der Vergewaltigung

Landgericht verhandelt gegen Lastwagenfahrer, der sich an der Tochter seiner Freundin vergangen haben soll

Von andreas salch, München/Fürstenfeldbruck

Zwei Jahre lange soll die Drohung gewirkt haben. Doch dann kam alles ganz plötzlich ans Licht - bei einem Streit einer 17-Jährigen mit ihrer Mutter. Bei der Auseinandersetzung im September 2017 erzählte sie ihr, dass sie im Sommer 2015 von deren Partner in der damals gemeinsamen Wohnung im östlichen Landkreis vergewaltigt worden sei. Zu diesem Zeitpunkt war die heute 18-Jährige erst 14 - juristisch gesehen also noch ein Kind. Einen Tag nach der mutmaßlichen Tat soll der Angeklagte, ein Lkw-Fahrer, dem Mädchen damit gedroht haben, er werde sie nach Nigeria zurückbringen, sollte sie ihrer Mutter auch nur ein Wort von der Vergewaltigung sagen. Das Mädchen schwieg, bis zu jenem Streit im September 2017. Als die Mutter ihren Lebensgefährten, der bei dem Streit anwesend war, mit dem Vorwurf konfrontierte, soll dieser die damals 17-Jährige unvermittelt geohrfeigt haben. Der Lkw-Fahrer wurde festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Seit diesem Montag muss er sich vor dem Landgericht München II verantworten.

Als die Vertreterin der Staatsanwaltschaft die Anklage verliest, macht der 44-Jährige zunächst einen eher gleichgültigen Eindruck. Doch dann ringt er einen Augenblick mit den Tränen, beugt sich nach vorn und senkt seinen Kopf. Zu den Vorwürfen aus der Anklage will der Lkw-Fahrer keine Angaben machen, auch nicht zu seiner Person. Die Hintergründe zu der mutmaßlichen Tat bleiben deshalb erst einmal im Dunklen. Nach seiner Festnahme im September 2017 befand sich der 44-Jährige bis Februar vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Doch im September 2018 hatte das Oberlandesgericht München entschieden, dass der Lkw-Fahrer erneut wegen der Vorwürfe in Untersuchungshaft müsse.

Der Beginn des Prozesses am Montag verlief schleppend. Denn der Wahlverteidiger, von dem sich Angeklagte ursprünglich vertreten ließ, erschien nicht. Der Anwalt, so die Vorsitzende Richterin, habe kurz vor Beginn der Verhandlung mitgeteilt, dass er mit dem Fall nichts mehr zu tun habe. Da auch der Pflichtverteidiger des Lkw-Fahrers nicht erschien, hatte das Gericht kurzfristig einen weiteren Anwalt hinzugezogen. Doch der erklärte, er sei gerade erst aus dem Urlaub zurückgekommen, kenne die Akten nicht und sehe sich somit außer Stande, den Angeklagten zu verteidigen.

Nach Eröffnung der Verhandlung machte der Lkw-Fahrer nur wenige Angaben. Er stamme aus Nigeria, sei verheiratet und habe zwei Kinder. Außerdem lebe er die meiste Zeit in Spanien. Laut Anklage soll der 44-Jährige immer wieder nach Deutschland gereist sein, wo er dann für einige Wochen bei seiner Lebensgefährtin und deren ältester Tochter wohnte, die er vergewaltigt haben soll. Ursprünglich hatte das Gericht geplant, bereits an diesem Donnerstag ein Urteil in dem Prozess zu verkünden. Angesichts der Schwierigkeiten zum Auftakt dürfte sich das Verfahren aber hinziehen.