bedeckt München

Müllvermeidung:Alles lose

Unverpackt-Laden

Aline Pronnet füllt im Unverpackt-Laden aus einer Abfüllstation Berglinsen in ein Glas.

(Foto: Günther Reger)

In der Brucker Liebigstraße eröffnet der erste "Unverpackt"-Laden

Von Erich C. Setzwein, Fürstenfeldbruck

An Freitagen der vergangenen Wochen war es immer nur ein Probelauf, an diesem Wochenende aber wird es zum ersten Mal richtig ernst im neuen Unverpackt-Laden an der Liebigstraße. Wobei, so richtig neu ist das Geschäft nicht mehr, verkaufen doch dort die Senffabrikanten von Münchner Kindl die in Bruck gemachten Senfe und Soßen. Nun aber, nach längerer Bedenkzeit und kleinerer Umbauten, haben die Geschäftsführerinnen Catalina und Lisana Hartl einen Bereich geschaffen, in dem für die Kunden Selbstbedienung herrscht. Alles, was dort angeboten wird, ist lose. Das heißt, dass jeder seine eigenen Behälter, Beutel und Flaschen befüllen darf. "So entsteht nur einmal Müll, weil wir immer nur eine Großpackung haben und nicht vielfacher durch weitere Verpackungen", sagt Aline Pronnet, bei Münchner Kindl für die Kommunikation zuständig und seit Jahren mit der Zero-Waste-Problematik beschäftigt. Sie steckt wesentlich hinter der Ladenidee, weil sie in der Kreisstadt noch kein Geschäft entdeckt hat, in dem sie Dinge des täglichen Bedarfs unverpackt einkaufen kann.

Catalina Hartl, für den kaufmännischen Bereich in der Firma zuständig, ist froh darüber, dass die Einrichtung der Ladenecke so unkompliziert möglich gewesen sei. "Wir mussten nichts ändern", sagt sie. Die Kunden, die den Laden schon von Senf- und Soßenkäufen kennen, finden das Sortiment nach wie vor in der Kühltheke und werden dort auch bedient. Nur ist die Theke etwas mehr in die Mitte des Ladens gerückt worden, um für die Behälter und Abfüllstationen Platz zu schaffen. So sind Glasbehälter mit Müsligrundzutaten, Kichererbsen und einer Nudelsorte gefüllt, in aus Großküchen bekannten Edelstahlbehältern befinden sich weitere Lebensmittel. Alles regional, alles bio auch die drei Sorten Getreide. Wer selbst gleich die Weizen-, Roggen- oder Dinkelkörner zu Mehl vermahlen will, kann dies an der Getreidemühle tun. Selbstverständlich gehören zu den Lebensmitteln auch Essig, Olivenöl und natürlich Senf aus der eigenen Manufaktur. Praktisch erscheint es auch, Gewürze in Kleinstmengen kaufen zu können. Und wer Waschmittel benötigt, pumpt sich eine Flasche voll. Abgerechnet wird am Schluss, und die Kasse ist schließlich auch so umgerüstet worden, dass das Gewicht der Gläser, Flaschen und Behälter abgezogen und, wenn gewünscht, auch die Allergen- und Zutatenliste mitausgedruckt werden kann.

Vorerst ist das Geschäft im Gewerbegebiet Hasenheide nur freitags von zehn bis 18 Uhr geöffnet. Aber, sagt Lisana Hartl, man werde auf Kundenwünsche reagieren. Sie hofft darauf, dass die meist ökologisch orientierten Besucher des Bauernmarktes in Fürstenfeldbruck, die dienstags oder samstags dort einkaufen, auch den Weg in die Liebigstraße finden. Anpassen an Kundenwünsche wollen die Geschwister Hartl und Aline Pronnet das Angebot bei Bedarf. "Wir müssen gemeinsam lernen", sagt Lisana Hartl. Wunschzettel liegen schon aus, die ersten sind auch schon ausgefüllt.

Eröffnung des Unverpackt-Ladens mit Tag der offenen Tür im Rahmen der Öko-Erlebnistage, Samstag, 14. September, zehn bis 18 Uhr.

© SZ vom 13.09.2019
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema