Müll in FürstenfeldbruckZu viele Wertstoffe im Restmüll

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Schöner Mist: In Miltenberg ist der Streit um eine Anordnung über die Abholzeiten von Restmülltonnen eskaliert (Archivbild)
Schöner Mist: In Miltenberg ist der Streit um eine Anordnung über die Abholzeiten von Restmülltonnen eskaliert (Archivbild) Imago

Eine Untersuchung des Inhalts von Abfalltonnen ergibt, dass darin reichlich Biomüll und auch viele Kunststoffverpackungen landen. Dabei sollte das doch alles getrennt entsorgt werden

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Wie trennen die Landkreisbürger ihren Müll? Landet in der Restmülltonne wirklich nur Restmüll oder sind dort auch Wertstoffe enthalten? Kreisräte und Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) wollten es jetzt ganz genau wissen und gaben eine Analyse des Restmülls in Auftrag. Das Ergebnis: Im Restmüll finden sich alle möglichen Wertstoffe, die eigentlich getrennt erfasst werden müssten, darunter reichlich Bioabfälle und Plastikverpackungen. Darauf mit verstärkten Kontrollen oder gar Sanktionen zu reagieren, hält der AWB allerdings nicht für ein geeignetes Mittel. Stattdessen will er die Bürger künftig besser aufklären und darauf hinweisen, dass Müllvermeidung und Mülltrennung einen wichtigen Beitrag zu CO₂-Einsparung und Ressourcenschutz leisten.

Statistisch gesehen entfallen auf jeden Landkreisbürger pro Jahr 132 Kilogramm Restmüll, der alle zwei Wochen von Entsorgungsfirmen direkt an den Grundstücken abgeholt wird. Er enthält, wie die Untersuchung, die das Institut für Abfall, Abwasser und Infrastrukturmanagement (INFA) aus Ahlen/Westfalen für den AWB erstellt hat, 47 Kilogramm organische Abfälle - das sind 35 Prozent. Dabei sollten diese Abfälle eigentlich entweder auf dem heimischen Komposthaufen landen oder separat über die Bioabfallsammlung abgeholt werden. Knapp 35 Kilo dieser organischen Abfälle seien noch verwertbar, heißt es in der Studie, die am kommenden Montag dem für Abfallfragen zuständigen Werkausschuss des Kreistags in öffentlicher Sitzung vorgestellt wird. 27 Kilo davon sind Küchenabfälle. Acht Kilo entfallen auf verpackte Lebensmittel - sie gelten als nicht weiter verwertbar. Wie die Autoren in ihrem Abschlussbericht schreiben, liegt die über den Restabfall entsorgte organische Menge im Landkreis Fürstenfeldbruck um etwa acht Kilo pro Einwohner und Jahr über dem Mittelwert von zum Vergleich herangezogenen Kreisen.

Im Kreis Fürstenfeldbruck werden Wertstoffe vorwiegend im sogenannten Bringsystem gesammelt, das heißt, die Bürgerinnen und Bürger liefern ihre Wertstoffe bei insgesamt 19 großen und 287 kleinen Wertstoffhöfen sowie an 18 Grüngutsammelstellen selbst an. Ergänzend wurde für einige Bereiche ein Holsystem eingeführt: eine Papiertonne und eine - allerdings kaum beworbene und kaum angenommene - Wertstofftonne.

Ob dieses Abfallsystem noch zeitgemäß ist, geändert oder zumindest angepasst werden muss, darüber gibt es unter den Kreisräten eine schon viele Jahre andauernde Diskussion. Auch über die Frage, ob die gängige Biomüllsammlung über kleine Säcke aus Papier oder Stärke, die dann am Straßenrand aufgelesen werden, der richtige Weg ist, oder ob der Landkreis nicht besser auf eine Biotonne umstellen und sogar den Bau einer eigenen Biomüllvergärungsanlage ins Auge fassen sollte. UBV-Kreisrat Jakob Drexler macht sich seither bei jeder Gelegenheit für eine Änderung des Sammelmodus hin zu einer Biotonne stark, wie sie auch viele andere Landkreise anbieten. Die Daten der Restmüllanalyse sollen den Kreisräten nun auch als Grundlage und Hilfestellung bei der Beantwortung der Systemfrage dienen.

Der AWB erhofft sich zunächst von der Abschaffung des Eigenkompostierbonus, die vom neuen Jahr an greifen wird, dass weniger organisches Material im Restmüll landet. Denn künftig werden alle Haushalte im Landkreis Bioabfallsäcke erhalten - vorher waren es nur jene, die nicht selbst kompostierten. Die Untersuchung ergab nämlich auch, dass Eigenkompostierer mehr organische Stoffe in die Restmülltonne werfen - um etwa fünf Kilo pro Einwohner und Jahr mehr - als jene, die die Bioabfallsäcke nutzen. Das ist allerdings wenig überraschend, denn Speiseabfälle, Fleisch- und Fischreste, gekochte Speisereste und verdorbene Lebensmittel gehören nicht in den Komposter.

Die größten noch verwertbaren organischen Mengen im Restmüll wurden in den Großwohnanlagen gefunden. Großwohnanlagen stellen eine von vier unterschiedlichen Siedlungsstrukturen dar, die das beauftragte Institut im Landkreis untersucht hat. Zu den Großwohnanlagen zählen die Haushalte in der Richard-Wagner-Straße in Germering, aus deren Restmüll an einem turnusmäßigen Leerungstag im Mai Stichproben entnommen wurden. Die weiteren Proben entstammten der Lochhauser Straße in Puchheim (städtische Struktur), dem neuen Siedlungsgebiet Schwaigfeld in Olching (neu-ländliche Struktur) und der Sankt-Nikolaus-Straße im Moorenweiser Ortsteil Dünzelbach (alt-ländliche Struktur). In den Gebieten, die als alt-ländliche Siedlungsstrukturen eingestuft werden, ist der Anteil mit 90 Prozent Eigenkompostierern am höchsten, im Bereich der Großwohnanlagen liegt er nur bei fünf Prozent. Dort, wo die Bebauung dichter ist, auch das hat die Studie ergeben, finden sich mehr Wertstoffe im Restmüll, neben organischen Wertstoffen auch Papier, Kartonagen und Altglas.

Vor allem aber finden sich Leichtverpackungen aus Kunststoff, Metall oder Verbundmaterial im Restmüll - immerhin 18 Kilo pro Einwohner und Jahr. Das entspricht einem Anteil von 14 Gewichtsprozent im Restmüll. Die Autoren der Studie stellten auch einen Vergleich mit den Zahlen aus sechs anderen Kreisen an: Demzufolge finden sich in den Fürstenfeldbrucker Restmülltonnen deutlich mehr Leichtverpackungen und auch deutlich mehr Bioabfälle als andernorts. Allerdings verfügen die Vergleichslandkreise allesamt über Biotonnen und ein Holsystem für Plastikverpackungen. Das im Landkreis praktizierte Bringsystem hat indes den Vorteil, dass die an den Wertstoffhöfen angelieferten Leichtverpackungen derart sortenrein erfasst werden, dass sie anschließend besonders hochwertig verwertet werden können. Am genauesten nehmen es die Bürger beim Sortieren von Grünabfällen. Diese werden zu 96 Prozent getrennt erfasst und abgeliefert. Auch Problemmüll und Schadstoffe werden offenbar ordentlich an den eingerichteten Abgabemöglichkeiten entsorgt. Im Restmüll finden sich nur geringe Mengen davon.

© SZ vom 16.11.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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