Im April 2025 sind am Ostrand von Moorenweis bei Erdarbeiten zur Erweiterung des Gewerbegebiets „Krautgärten“ Siedlungsspuren aus vorgeschichtlichen Zeiten entdeckt worden. Unter den Funden waren auch Grabstätten, wobei das Skelett einer Frau schnell als kleine Sensation die Runde machte. Neun Monate lang wurde nach der ersten Entdeckung die humose Schicht der insgesamt 2,6 Hektar großen Erweiterungsfläche penibel untersucht. Dabei wurden weitere Entdeckungen gemacht und es bestätigte sich, dass die Funde zum Teil aus der Jungsteinzeit stammen.
„Es konnten in lockerer Streuung über die Fläche verteilt 123 archäologisch relevante Befunde festgestellt werden“, heißt es im Abschlussbericht der ortsansässigen Grabungsfirma 3 Archäologen GbR. In erster Linie handle es sich um Siedlungsbefunde, also Reste von Holzgebäuden, Vorratsgruben und ähnlichem. Anhand der Anordnung der Funde sei es gelungen, zwei Hausgrundrisse zu rekonstruieren, von denen eines vermutlich in die frühe Bronzezeit (circa 2200 bis 1600 vor Christus) und das andere in die mittlere bis späte Latènezeit (jüngere Eisenzeit, circa 200 bis 100 vor Christus) datiert werden könne.
Aus historischer Sicht besonders wertvoll seien die auf der Südhälfte der Fläche gefundenen Gräber, die der Jungsteinzeit zugeordnet werden können. Ebenso bedeutsam seien die gefundenen Reste einer Grabgrube und sogenannter Kreisgräben, welche ehemals vorhandene, durch Ackerbau eingeebnete Grabhügel dokumentierten. „Mit anderen Worten, auf der Fläche befand sich einmal ein Gräberfeld, dessen Ausmaße wir nicht kennen“, erklärt ein Archäologe. Im Süden, Westen und Osten scheine die Grenze des kleinen Gräberfeldes erreicht zu sein, in östlicher Richtung sei eine Fortsetzung im anschließenden Flurstück möglich.

Bestätigt hat sich laut den Fachleuten im Landesamt für Denkmalpflege auch die Zuordnung der Bestattungen zur nach den charakteristischen Verzierungen von Gefäßen benannten Schnurkeramikkultur (spätes Neolithikum, 3000 bis 2200 vor Christus, Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit). Insgesamt konnten fünf sicher zuzuordnende Bestattungen freigelegt werden, zudem einige Keramikscherben mit Bezug zu einer Bestattung.

„Die Funde ergänzen unser Wissen über Bestattungssitten dieser Kultur in der Region, auch wenn sie aus konservatorischer Sicht keine außergewöhnliche Ausstattung aufweisen“, teilt das Amt mit. Neben den Gräbern seien zudem vereinzelt Siedlungsspuren aus der Bronzezeit sowie der Latènezeit festgestellt worden. „Diese Befunde sind für eine Besiedlungsgeschichte des Areals von Interesse, zumal insbesondere die Latènezeit im näheren Umfeld bislang noch nicht nachgewiesen war“, schreiben die Experten. Mangels umfangreicherer Strukturen ließen sich die Funde nur eingeschränkt interpretieren.

Archäologie:Grab aus der Steinzeit gefunden
In Moorenweis stoßen Archäologen auf die letzte Ruhestätte einer Frau, die gut 2500 Jahre vor Christus bestattet worden ist. Nun werden weitere Gräber gesucht.
Auch die anthropologischen Untersuchungen des gefundenen Skeletts waren nicht so aufschlussreich wie erhofft. Aufgrund der schlechten Knochenerhaltung lieferten sie laut dem Denkmalamt keine weiterführenden Ergebnisse. Ausgehend von der Fundsituation der Knochen hatten die Experten auf eine Hocker-Bestattung geschlossen, bei der die Toten mit angezogenen Beinen auf der Seite liegend beigesetzt wurden. Da das Skelett Richtung Westen ausgerichtet war, dürfte es sich um eine Frau gehandelt haben. Männer wurden laut einem Archäologen nach Osten blickend beerdigt.
Die Funde liefern einen weiteren Beleg, dass die Moorenweiser Gegend in vorgeschichtlicher Zeit Siedlungsgebiet war. So waren zum Beispiel 1986 „Am Herzbichl“ Spuren einer Siedlung der „Münchshöfener Kultur“ (mittlere Jungsteinzeit, circa 4500 vor Christus) entdeckt worden. Dass der Ausbau des Gewerbegebiets wegen der archäologischen Untersuchungen unterbrochen werden musste, habe der Gemeinde keine Probleme bereitet, sagt Bürgermeister Christoph Gasteiger. Die Kosten für die Grabungen beliefen sich auf mehr als 200 000 Euro.

