Bei Grabungen in Moorenweis haben Archäologen ein Grab aus der späten Steinzeit gefunden. Momentan gibt es archäologische Arbeiten in dem Areal an den Krautgärten, weil dort das Gewerbegebiet erweitert werden soll. Wie Pressesprecherin Katharina Schmid vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) sagte, handle es sich um eine Körperbestattung, die aufgrund der Hockerstellung und anhand eines Beigabengefäßes der Schnurkeramikkultur zuzuordnen ist. Da solche Gräber aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend in der Region selten sind, sprechen die verantwortlichen Archäologen von einem „besonders wertvollen Fund“.
Um eventuell weitere Gräber oder Überbleibsel aus dieser Zeit zu sichern und zu dokumentieren, werden sich die Grabungen noch einige Zeit hinziehen. Die Grabungen verbunden mit den Untersuchungen der Funde und Befunde liefen weiter, noch könnten keine weiteren Aussagen getroffen werden, heißt es: „Wir hoffen aber, bereits in Kürze nähere Angaben zur Grabung und zu den Befunden treffen zu können.“ Dies bestätigt auch der Archäologe Stefan Sandbichler, der vor Ort in die Grabung eingebunden ist.
Der Fund wirft aus Sicht der Fachleute viele Fragen auf. Handelt es sich um ein Grab in einem Gräberfeld, wie groß ist es und wo war die Siedlung, deren Bewohner die Begräbnisstätte nutzten? Es könnte also spannend bleiben und noch so einiges Wertvolles im Boden schlummern. Die Gemeinde lässt nun im gesamten Erweiterungsbereich den Oberboden abtragen, damit nichts verloren geht, was für die Erforschung der Frühgeschichte der gesamten Region von Bedeutung sein könnte.
Die schnurkeramische Kultur umfasst im Wesentlichen die Zeit am Übergang vom Neolithikum (Jungsteinzeit) zur Bronzezeit. Schnurkeramikkultur wird die Epoche nach der für die Zeit charakteristischen Gefäßverzierung benannt, bei der mit einer Schnur umlaufende Rillenmuster in den Ton eingedrückt wurden. Da ein Tongefäß eine Schnurverzierung aufweist, lässt sich die Bestattung auf etwa 2500 bis 2600 vor Christus einordnen.
Die Knochen werden untersucht
Wie mittlerweile bekannt geworden ist, sind in dem Grab mit großer Wahrscheinlichkeit die sterblichen Überreste einer Frau gefunden worden. Die Leiterin des Moorenweiser Baumamtes, Astrid Wolter, hat den Überresten inoffiziell bereits den Namen „Ertha“ gegeben, was sich altsprachlich von Erde ableiten lässt. Klarheit über das Geschlecht werden aber erst Untersuchungen der Knochen in der archäologischen Staatssammlung in München bringen. Auch das Sterbealter und eventuelle Gründe für den Tod könnten dabei ersichtlich werden.
Das Keramikgefäß wird im Landesamt untersucht. Die Auffindesituation zeigt, dass die Person mit angewinkelten Armen und angezogenen Beinen auf der Seite liegend begraben wurde, so wie damals üblich war. Da Hockergräber geschlechtsspezifisch angelegt wurden, Männer mit Blickrichtung nach Osten, Frauen mit Blick nach Westen, lässt sich auf eine Frau schließen.

