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Mode:Vergänglicher Farbenrausch

Die Gröbenzeller Künstlerin Dora Dorl-Nastasa präsentiert bei einer Modenschau die neuesten Entwürfe aus der Kollektion "Laune der Natur". Auf den Kleidern finden sich aus buntem Papier akribisch gefaltete Blüten

Von Nadine Schrödl, Olching

Bei der Künstlerin Dora Dorl-Nastasa aus Gröbenzell war kürzlich die blumige Vielfalt eines ganzen Jahres auf dem Laufsteg zu sehen. Zwölf Kleider hat die 47 Jahre alte Designerin entworfen - für jeden Monat eines. Entstanden sind sie aus Krepp-, Origami- oder Seidenpapieren. Ihre Kollektion trägt den Namen "Laune der Natur" und ist von den kräftigen Farben Rot, Orange, Gelb, Lila sowie von Weiß geprägt.

"Jetzt raus wie geprobt und Spaß haben!" Das ist die letzte Anweisung von Dorl-Nastasa an die Models in der Kulturwerkstatt Kom am Olchinger Mühlbach. Die Frauen, die Kleider vorführen, sind Freundinnen und Bekannte der Künstlerin. Alle Altersgruppen sind vertreten, Großmutter, Mutter und Enkelin einer Familie sind dabei. Fotograf Umberto Pettovel aus Gröbenzell hält die Modenschau und ihre filigran gestalteten Kleider im Bild fest. Veröffentlicht werden die Aufnahmen auf ihrer Webseite und in den sozialen Medien. Den Auftakt auf dem Laufsteg macht die "Blumenfee" in einem weißen Ballkleid mit einer drei Meter langen Schleppe. Diese besteht aus 1525 roten Röschen. Zu den Sommermonaten hin gehen die Papierblüten in Orange- und Gelbtöne über. Den August repräsentiert ein knielanges Kleid aus Sonnenblumen. Mit dem Herbst verbindet Dorl-Nastasa vor allem die Farbe Lila. Ein ausladendes, bodenlanges Kleid mit einem Rock aus roten Weihnachtssternen schließt das Jahr und Dorl-Nastasas Kollektion ab. Ein Jahr habe sie an den zwölf Kleidern gearbeitet, berichtet sie. Zunächst fertigt sie Hunderte naturgetreue Blüten samt Blütenstempel und Staubfäden, die sie anschließend an dünnen Stoffen befestigt. Je nach Anzahl und Größe der Blüten brauche sie pro Kleid drei Wochen bis zwei Monate, sagt Dorl-Nastasa, für eine Rosenblüte der Schleppe der "Blumenfee" zwanzig Minuten. Eines der aufwendigsten Stücke ist das Astern-Kleid, der Oktober. Die fein geschnitten violetten Blüten mit ihren gelben Stempeln nehmen viel Zeit in Anspruch. "Bis eine Blume fertig ist, dauert es 35 Minuten. Mehr als 900 Stück habe ich in fünf Schichten angebracht", sagt die Künstlerin. Da sie das Gestalten und die Kunst liebt, verliert sie nie die Lust, an den aufwendigen Kleidern zu arbeiten. "Ich mag es bunt und blumig. Mein Herz schlägt schneller, wenn ich an Blumen denke. Dann sehe ich keine Arbeit mehr", sagt die gelernte Kosmetikerin.

OLCHING: Präsentation der aktuelle Mode von Lila-Atelier.de

Überblick über die Blumenpracht.

(Foto: LEONHARD SIMON)

Noch länger als die Handarbeit dauerte die Findungsphase. Zunächst musste sie zu jedem Monat die passende Blüte finden, dann ausprobieren, wie sie sich aus Papier gestalten lässt. Bei den Wintermonaten sei die Suche besonders schwer gewesen. Für den Januar sind es die weißen Christrosen und für den Februar gelbe, orangefarbene und violett blühende Stiefmütterchen. Inspiration für ihre Kunst hole sie sich am liebsten in der Natur. Dazu zitiert sie Claude Monet: "I must have flowers, always, and always" - ich muss immer und immer Blumen haben.

Die Suche nach dem passenden Model nahm ebenfalls viel Zeit in Anspruch. Die Frau, die das Kleid vorführt, müsse sich darin wohlfühlen, um es gut präsentieren zu können. Das Alter der Models sollte den Monat widerspiegeln, den sie darstellen. So beginnt die Modenschau mit jungen Frauen für den Frühling und endet mit älteren Frauen für Herbst und Winter. Die Präsentation fand unter strengen Hygienemaßnahmen statt. Da einige der Models Krankenschwestern, Flugbegleiterinnen oder Kindererzieherin sind, seien viele der Frauen bereits geimpft, sagt Dorl-Nastasa. Die anderen hätten sich für das Event testen lassen. Fünf bis zehn Minuten habe das Anziehen der aufwendigen Kleider gedauert. Danach musste alles schnell gehen, da die Models sich in den Kleidern weder hinsetzten noch auf die Toilette gehen können. Trotzdem ist Dorl-Nastasa sicher, dass die Kleider auch zu Veranstaltungen getragen werden können - auf der Bühne zu Konzerten oder auf dem roten Teppich beispielsweise. Die Idee, jedem Monat ein Kleid zu widmen, hatte die Künstlerin nach ihrer Kollektion "Die vier Jahres Zeiten" aus dem vorigen Jahr. Während damals ein Kleid eine Jahreszeit zusammenfasste, fertigte sie nun für jeden Monat eines. Die Jahreszeiten-Kleider integrierte sie, teils in abgeänderter Form. Die jetzige Kollektion bewahrt Dorl-Nastasa für künftige Ausstellungen, Fotoshootings oder Schaufenster auf. In einem Online-Shop verkauft sie Deko-Artikel, ebenfalls meist aus Papier. Auch ein Kleid verkaufe sie hin und wieder, sagt sie. Da es sich um außergewöhnliche Einzelstücke handle, liege der Preis im vierstelligen Bereich. Ein weiteres Kleid stehe bereits in Aussicht. Für den Tag der deutschen Einheit will sie eines in den Farben der Deutschlandflagge entwerfen.

© SZ vom 10.06.2021
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