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Mobilität:Werbung für die Brennstoffzelle

Sebastian Goldner von Proton spricht vor 100 Zuhörern der Grünen-Veranstaltung im Puc.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Puchheimer Grünen informieren über den alternativen Fahrzeugantrieb, den die Firma Proton entwickelt

Der Appell von Sebastian Goldner an die deutschen Lkw- und Busbauer war unüberhörbar. "Tut was", sagte das Mitglied der Geschäftsleitung der Puchheimer Firma Proton, die die Entwicklung und Produktion von Brennstoffzellen betreibt. Tue die deutsche Nutzfahrzeugindustrie nichts, komme die Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie demnächst aus China, zeigte sich Goldner überzeugt. Das Interesse an seinem Vortrag auf Einladung der Puchheimer Grünen war groß, 100 Besucher kamen ins Puc.

Der Energieeinsatz der Wasserstoff-Brennstoffzelle in Kombination mit einer Batterie kommt im Verkehr besonders für schwere Fahrzeuge wie Züge, Lastwagen oder Busse in Frage. Bisher liege das Augenmerk der Bundesregierung jedoch allein auf der Elektromobilität. "Das ist politisch so gewollt", bedauerte Goldner. Auch bei der Wasserstoff-Brennstoffzelle prophezeite er, dass China die Nase weit vorne haben werde. "Schon 2025 will China 20 Prozent der Busse und Lkw mit dieser Technik fahren lassen, ab 2030 sollen eine Million Fahrzeuge mit Wasserstoff-Brennstoffzelle unterwegs sein." Gegenüber einem Dieselbus spare diese Technik 50 Tonnen CO₂ pro Jahr ein.

Hintergrund des chinesischen Weges sei auch das Bewusstsein dort, dass die Elektromobilität natürlich Abfallberge alter Batterien schaffe. Goldner ist sich sicher: "Das wissen die Chinesen, diese Berge wollen sie nicht haben." In Deutschland gebe es nur vereinzelt Versuche mit dieser Technik. Seit 2018 führen in Norddeutschland zwischen Cuxhaven und Buxtehude zwei Züge der französischen Firma Alstom sehr erfolgreich durchs Land. Betankt werden die neuen Züge mit Hilfe einer mobilen Tankstelle. Aus einem 13 Meter hohen Stahlcontainer wird der gasförmige Wasserstoff in die Züge gepumpt. Dank einer Reichweite von 1000 Kilometern könnten sie mit nur einer Tankfüllung einen ganzen Tag lang im Netz fahren. "Das alles mit schadstofffreier Energieversorgung", bekräftigte Goldner. Inzwischen würde es auch eine Energiefreigabe des Eisenbahn-Bundesamtes geben.

Die Puchheimer Firma hat selbst Tests mit Bus und Lkw gemacht. "Die Reichweite der Wasserstoff-Brennstoffzelle gegenüber reinen Batterieantrieb beträgt das 2,4-fache", berichtete Goldner von der Testphase. Er zeigte sich enttäuscht, dass die deutschen Bushersteller wie Daimler und MAN nicht einsteigen. "Daimler will bis 2022 einen Bus bauen", so der Vertreter der Firma Proton. MAN mache gar nichts.

80 Mitarbeiter beschäftigt Proton in Puchheim. 5000 Brennstoffzellen könnten dort pro Jahre im Drei-Schicht-Betrieb gefertigt werden. Das sei noch keine industrielle Massenfertigung, weil es der Markt momentan noch nicht hergebe. "30 000 Stück", so Goldner, wären auch möglich. "Der Zielmarkt ist Europa", sagte Goldner. Die Infrastruktur befindet sich im Aufbau. Bisher gibt es 150 Wasserstofftankstellen in Europa, davon hundert in Deutschland. Bis 2025 ist die Zielmarke 750 Tankstellen europaweit und 400 in Deutschland. Ein Wasserstofftank füllt sich laut Goldner innerhalb von drei Minuten, was lange Wartezeiten wie beim Aufladen eines Elektrofahrzeuges vermeiden würde. Vier Wasserstofftankstellen würden 60 Elektro-Schnellladetankstellen ersetzen.

Dass die Brennstoffzelle als Antrieb vor allem für Stadtbusse ideal sei, sieht auch Manfred Sengl, der Bürgermeisterkandidat der Grünen und Moderator der Veranstaltung, so. "Die Aussichten sind sehr gut, aber es fehlen die Stückzahlen", so Sengl, forderte, die politischen Rahmenbedingungen für diese Technologie zu schaffen.

© SZ vom 20.12.2019
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