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Mitten in Puchheim:Miss Marple fängt den Räuber

Clever gelöst hat eine Puchheimer Seniorin einen Kriminalfall

Von Stefan Salger

Kriminalität

Mit einem Gutschein und einem kleinen Weihnachtspräsent bedankt sich Ermittlungsbeamtin Christiane Borowski bei der "Miss Marple von Puchheim".

(Foto: Polizei Germering)

Agatha Christies "Miss Marple" lebt! Die knorrige und geniale Amateurdetektivin wohnt undercover in Puchheim. Beleg ist der jüngste Polizeibericht aus Germering, in dem Inspektionsvize Andreas Ruch den Hut zieht für eine krimireife Leistung. Ein Bild schickt er gleich mit. Das zeigt, wie eine 82 Jahre alte Dame einen Gutschein und ein Weihnachtspräsent erhält - "für ihre wertvolle Mithilfe bei der Aufklärung eines Raubes". Wie Miss Marple mit bürgerlichem Namen heißt, wird an dieser Stelle nicht verraten, um künftige Ermittlungserfolge nicht zu gefährden.

Oft werden Senioren von Kriminellen über den Tisch gezogen. Doch mit ihrer Opferrolle findet sich die Rentnerin nicht ab. Und so können zwei Kriminalfälle in Puchheim aus dem Jahr 2017 zusammengeführt und dadurch ein Raub geklärt werden. Dem Täter wird zum Verhängnis, dass er an beiden Tatorten seine DNA-Spur hinterlässt - und dass ihm Miss Marple auf der Spur ist: Während der Osterfeiertage 2017 nutzt ihr Untermieter die Abwesenheit der damals 79-jährigen Hauseigentümerin aus und reißt sich deren Schmuck sowie den "Notgroschen für ein neues Dach" in Höhe von 30 000 Euro in bar unter den Nagel. Recht bald fällt der Tatverdacht auf den 21-Jährigen. Große Teile des Schmucks tauchen bald in Münchner Pfandleihhäusern auf. An einer Schatulle wird ein DNA-Fragment gesichert. Vor Gericht gesteht der Mann ein Jahr später den Diebstahl, auch wenn er von den 30 000 Euro nichts wissen will.

Anfang August 2017 wird dann einer 75-jährigen Frau abends in Puchheim ihre Handtasche entrissen, der Täter entkommt trotz Großfahndung. An der leeren Tasche, die später gefunden wird, werden DNA-Spuren gesichert. Miss Marple hat noch Aussagen ihres Ex-Untermieters vor Gericht im Kopf und kommt bei der Lektüre des Berichts über den Handtaschenraub ins Stutzen. Die Täterbeschreibung trifft doch auf ihren Schmuckdieb zu - Frisur und extravagante Bekleidung passen. Sie fügt Indizien zusammen und kommt zu dem Schluss: Das ist der selbe Täter. Im Mai 2019 holt sie die Polizei ins Boot. Die lässt die DNA beider Fälle vom Landeskriminalamt vergleichen. Ergebnis: Miss Marple liegt richtig! Der mittlerweile 24-jährige Täter sitzt bereits wegen anderer Delikte ein und muss sich nun auch wegen des Raubes von 2017 verantworten.

© SZ vom 09.12.2020/ecs
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