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Mitten in Puchheim:Kindergarten auf der Wiese

Die Stadt könnte Pädagogik-Geschichte schreiben, wenn kommt, was Eltern von 20 Kindern wollen

Der Kindergarten ist ein deutscher Exportschlager, selbst das Wort wurde in fremde Sprachen übernommen. Weiterentwicklungen dürfte ein ähnlicher Erfolg beschieden sein. Eigentlich schon etabliert ist der Waldkindergarten, der darin besteht, dass ein ausrangierter Bauwagen auf eine Lichtung gestellt wird und die Kinder mit Holz, Steinen, Laub und Dreck spielen müssen, bevor sie in die Industrie 4.0 entlassen werden.

Den Waldkindergarten haben die Dänen erfunden, so wie das Lego, und die Deutschen haben ihn erst viel später importiert. In Puchheim soll nun ein sogenannter Naturkindergarten eröffnet werden. Der Stadtrat wusste damit wenig anzufangen, denn der Träger hatte angeblich kein Konzept vorgelegt. Unter einem Waldkindergarten könne man sich etwas vorstellen, was aber sei ein Naturkindergarten, wollte CSU-Fraktionsvorsitzender Thomas Hofschuster wissen. Bürgermeister Norbert Seidl erklärte den Unterschied: "Ein Naturkindergarten ist ein Waldkindergarten ohne Wald." Der Bauwagen wird nicht zwischen und unter Bäumen, sondern auf einer freien Wiese aufgestellt. In Gernlinden besteht ein solcher Naturkindergarten aus einer Hütte auf einer Wiese am Sportplatz neben einem bescheidenen kleinen Waldstück. Das wäre demnach ein Wald- und Wiesenkindergarten.

Die Bezeichnung ist besser als Naturkindergarten, weil der Naturbegriff allerlei Schwierigkeiten mit sich bringt. Versteht man darunter die wilde, unberührte Natur, blieben vielleicht noch einige Korallenriffe und Flecken in der Antarktis als Standorte übrig. Ist einfach die umgebende Umwelt gemeint, wäre jeder Kindergarten ein Naturkindergarten.

Der Standort in Puchheim ist eine Fläche neben dem Altenheim Haus Elisabeth und in der Nähe eines Umspannwerkes. Hofschuster forderte deshalb, dass der Naturkindergarten gehörigen Abstand zu der Anlage wahrt, weil es doch immer wieder Bedenken wegen möglicher Strahlung gebe. Der Stadtrat stellte schließlich fest, dass in Puchheim Bedarf an 20 Plätzen besteht, egal wie das Ding nun heißen mag. Unter dem Label "Wiesenkindergarten" könnte Puchheim allerdings Pädagogik-Geschichte schreiben.