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Mitten in Olching:Lärmschutz ohne Zuständigkeit

Der Stadtentwicklungsausschuss diskutiert über einen Lärmaktionsplan. Weil die Stadt da aber eh wenig Einfluss hat, geht es plötzlich wieder um die Südwest-Umfahrung

Kolumne von Karl-Wilhelm Götte

Lärm gibt es in Olching genug. Das weiß dort jeder. Die Amperstadt ist eingekreist von der Autobahn, der B471 und zwei Staatsstraßen mit viel Durchgangsverkehr. Dazu gibt es reichlich Bahnverkehr und des nachts laut polternden Güterverkehr auf den Gleisen. Deshalb ist der Beschluss über einen Lärmaktionsplan, den der Stadtentwicklungsausschuss gefasst hat, von eher zweifelhafter Bedeutung. Bauamtschef Markus Brunnhuber betrachtete diesen Plan dann auch als einen "zahnlosen Tiger", weil die örtlichen Handlungsspielräume begrenzt sind. "Wir wissen, wo es laut ist, aber wir können nichts selber tun", resümierte Brunnhuber, als er dem Ausschuss die Ergebnisse vortrug. Die Lärmaktionsplanung beruht auf dem Bundesimmissionsschutzgesetz und geht auf die EU-Umgebungslärmrichtlinie zurück. Die Regierung von Oberbayern hat die Kommunen zur Teilnahme an der Maßnahme aufgefordert.

Dabei werden jedoch nur "klassifizierte Hauptverkehrsstraßen" in Betracht gezogen. "Es gibt auch in den Olchinger Nebenstraßen viel Verkehr", hakte Grünen-Fraktionssprecherin Ingrid Jaschke ein. "Der Lärm dort wird einfach ignoriert." Da werde Aktionismus vorgetäuscht der bedeutungslos sei. "Dieser Aktionsplan ist ein Placebo und eine Täuschung der Bürger", wetterte die dritte Bürgermeisterin weiter. Dem widersprach Maria Hartl (CSU) vehement. Die Aktivistin in Sachen Olchinger Südwest-Umgehungsstraße stellte sich hinter den Aktionsplan. "Es steht einmal mehr drin, was auf unseren Straßen los ist", sagte Hartl. Für sie steht deshalb fest: "Die Ortsumfahrung ist für Olching wichtig." Als Jaschke daraufhin lachte, konterte Hartl: "Wenn sie lachen wollen, gehen sie woanders hin." Hartls Parteikollege Tomas Bauer sprang ihr argumentativ zur Seite und entnahm dem Lärmaktionsplan eine erhebliche Reduzierung des Verkehrs in der Fürstenfeldbrucker und Roggensteiner Straße zwischen neun und 30 Prozent. Sitzungsleiter Maximilian Gigl (CSU) beendete den aufflackernden erneuten Streit um die Südwest-Umgehung und holte zügig das Votum des Ausschusses ein. Die Mehrheit stimmte dem vorgelegten Aktionsplan zu.

© SZ vom 23.10.2020

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