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Mitten in Olching:Heiliges Versprechen

Der Olchinger Nikolaus lässt sich heuer nicht in der Öffentlichkeit antreffen. Doch er will Buben und Mädchen belohnen, die ihm ein Bild malen

Glosse von Christian Hufnagel

Es ist alles anders. Ganz anders. Alles ist irgendwie kompliziert und entzweit. Selbst die Traditionen halten in der Pandemie nicht mehr zusammen. Wer sie pflegt, muss sich was ausdenken und kann nicht hoffen, dass es die Menschen zu diesem Anlass an einem Ort und übergeordnet in einem geistigen Raum zusammenbringt: Ansteckungsgefahr. Das Gedenken an die Opfer der Kriege etwa war natürlich noch nie eine Veranstaltung mit großem Rummel. Aber diesmal war der Volkstrauertag mancher Ortens noch leiser als sonst, etwa wie in Germering ein explizit "stilles Gedenken" vor dem Kriegerdenkmal mit Oberbürgermeister, Vertretern der Kirchen, der Reservisten- und Veteranenvereine und des VdK. Noch weniger Öffentlichkeit gab es bei der Kranzniederlegung am Luftwaffenehrenmal in Fürstenfeldbruck, wo die Bundeswehr gleich ganz unter sich blieb.

Einen Beitrag zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus, wie es so beherzt heißt, muss derzeit jedes Brauchtum durch Verzicht oder möglichst kontaktlose Abwandlung leisten. Das trifft etwa die Organisatoren der guten Laune ins Mark. Fasching fällt im Landkreis so gut wie aus. Ein bisserl was geht allenfalls online. Und so präsentiert die Brucker Heimatgilde ihr Kinderprinzenpaar statt vor Publikum im Saal auf einer Videostreaming-Plattform. Ist den Narren hier ein wenig der Spaß verdorben, so wird den Kindern der nächtliche Zauber eines Laternenumzuges hinter einem Pferd mit Reiter genommen. Aber auch in den Kindertagesstätten feierte der Einfallsreichtum fröhliche Urständ. Beispielhaft seien die Kleinen im Germeringer "Allnest" genannt, die einen "Sankt Martin to Go" erfanden und die Familien mit Windlicht, Liedblatt und Ausmalbild belieferten.

Auf dieses Bescherungsmodell ist nun auch der "Nikolaus von Olching" gekommen, den die CSU "wegen dem Virus" heuer ja nicht in die Hauptstraße schicken könne, wie der Gute in einer Pressemitteilung bedauert. Also sollen die Kleinen ihm schreiben, dazu ein "schönes Bild" von ihm malen und unter Nikolaus-Olching@t-online.de zuschicken. Die Belohnung: "Ich werde Euch antworten und bis spätestens 6. Dezember stelle ich Euch einen Nikolaus vom Fairtrade-Laden vor die Tür." Wenn das kein heiliges Versprechen ist. Es ist eben alles anders.

© SZ vom 16.11.2020
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