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Mitten in Olching:Einmaliger Adventskalender

Olching Polizeibericht: Christbauständer gewerblich entwendet.
(Foto: Polizeiinspektion Olching, oh)

Dieb entwendet 24 Christbaumständer. Aus denen ließe sich so einiges machen

Glosse von Amelie Sittenauer

Seit dem 19. Jahrhundert gehört es zum christlichen Brauchtum, dass die Vorfreude auf das Fest der Geburt Jesu Christi mit einem Adventskalender zelebriert wird. Freuten sich früher vor allem Kinder auf das Öffnen der 24 Türchen, wird nun, im kommerzorientierten Spätkapitalismus, endlich allen das "Recht auf Adventskalender" zuteil. Da leicht zu besorgende Schaubilder oder Mandarinen nur leider in Olching und anderswo auf der Welt nicht mehr besonders hoch im Kurs stehen, beginnt der Weihnachtsrummel folglich auch nicht mehr erst bei den Weihnachtsgeschenken. Spätestens Ende November sollten 24 originelle Objekte gefunden, verpackt und in den selbst gebastelten Adventskalender eingearbeitet sein.

Ein Dieb in der Olchinger Tucholastraße wollte wohl besonders originell sein. Denn in der Nacht auf Sonntag entwendete er dort 24 Christbaumständer aus einem Verkaufsstand. Will er seiner weihnachtlichen Vorfreude etwa in einem monumentalen Adventskalender Ausdruck verleihen? Mit diesen Weihnachtsbaumhaltern ließe sich zugegebenermaßen so einiges anfangen. Vielleicht ein erweiterbares Klettergerüst? Oder eine künstlerische Skulptur? Ganz aktuell ließen sich die Metallkreuze natürlich auch als Corona-Abstandshalter einsetzen. Dagegen könnten legal erhältliche Kalender-Pendants für Kosmetik, Feinkost oder gar Erotik einpacken. Ein geradezu perfides Spiel wäre es natürlich, die Christbaumständer nach der Devise: "Man weiß erst, was man hatte, wenn man es verloren hat", als Adventskalender zu inszenieren - und Tag für Tag einen von ihnen zurückzubringen. Eine perfide, aber durchaus inspirierende Kalender-Idee.

© SZ vom 24.11.2020
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