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Mitten in Mammendorf:Problemkreisel wird Garten Eden

Wie es ein wahres Kunstwerk des Straßenbaus ins ZDF geschafft hat

Glosse von Stefan Salger

Mammendorf rückt in den Fokus. Ist plötzlich auf Augenhöhe mit der Lübecker Bucht mit ihren Hotels, mit dem Corona-Hotspot in Offenbach, der Giga-Factory in Grünheide: Länderspiegel ZDF, Samstagabend: Moderator Ralph Schumacher spricht von einem Kreiseldrama. Und dann flimmert der Nabel Mammendorfs über den TV-Bildschirm: Sieht noch harmlos aus. Bis der erste Lastwagen sich ächzend um die Kurve zwängt. Da weiß Deutschland: Die runde Sache ist ein Problem ohne Ende. Asphaltierte Ausweglosigkeit. Buslinien wurden umgeleitet. Das Ding muss wieder zurückgebaut werden. Was das Tor des Monats für die Sportschau, das ist der Hammer der Woche für den Länderspiegel. Ein Superlativ. Diese Trophäe freilich ist etwa so begehrt wie der Dinosaurier des Jahres des Naturschutzbundes. Kein Wunder, dass es im Bericht heißt, das Rathaus habe sich nur schriftlich geäußert.

Auch andere Kreisverkehre haben Imageprobleme. Die Biermöslblosn nannte im "Heimatlied" ein Olchinger Exemplar in einem Atemzug mit anderen Negativeinrichtungen: "Zwischen Kreisverkehr, Umgehungsstraße, Lärmschutzwand und Müllverbrennung...". Und erzählte vom Kreisverkehr im Heimatort - "so saueng, dass die Feierwehr grodaus drüber brettert". Eben das war auch in Mammendorf das Problem, bevor der innere Bordstein erhöht wurde. Mit der Folge, dass Busse und Lastwagen nun im sauengen Kreisel hängen bleiben. In Germering gab's auch Probleme. Da verschwand der Wolf aus Holz aus dem Dehnerkreisel, der die Schafherde jagte, die ein Münchner Künstler dort im Auftrag der Stadt aufgestellt hatte. Etwas später tauchte der Wolf wieder auf, mit buntem Fell. Künstlerische Freiheit halt.

Was Mammendorf daraus lernen kann? Den Schrumpfkreisel nebst rot-weißem Betonring zum Kunstwerk erklären! Kunst am Bau (oder Bau als Kunst) darf Normen sprengen und spart Kosten. Der Kreisel hätte das Zeug zum "Kunstwerk des Monats". Er wäre im Mai auf Augenhöhe mit dem Schablonendruck "Garten Eden" von Georg Optenberg in der Krefelder Artothek. Der Hammer!

© SZ vom 10.05.2021
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