bedeckt München 17°
vgwortpixel

Mitten in Gröbenzell:Von Hunden, Leinen und einem Weiher

Im Gröbenzeller Gemeinderat schlägt die Debatte um die Anleinpflicht hohe Wellen

Vor einem Monat hat die Stadt München sieben Schilder am Böhmerweiher aufgestellt: "Hunde sind an der Leine zu führen". Sieben Wörter auf sieben Schildern, das ist alles. Natürlich war damit zu rechnen, dass die neue Verhaltensregelung bei den Besuchern der ehemaligen Kiesgrube Reaktionen auslösen könnte, insbesondere bei jenen, die mit ihrem Hund an den See kommen. Dass der Akt tatsächlich - Achtung, Wortspiel! - hohe Wellen schlägt und er nicht nur Hundebesitzer zu einer Reaktion veranlasst, sondern auch jene, die gut ohne den besten Freund des Menschen auskommen, hat die jüngste Sitzung des Gröbenzeller Gemeinderats gezeigt.

Reinhard Paesler (CSU) spricht das Thema unter "Verschiedenes" zu vorgerückter Stunde an. Beim Spaziergang mit seiner Frau zum Böhmerweiher sei er als Gemeinderat identifiziert und angesprochen worden. Was es denn mit dieser Anleinpflicht für Hunde auf sich habe, sei er gefragt worden. Wer die Schilder aufgestellt habe und ob die Gemeinde als Miteigentümerin des Sees überhaupt gefragt worden sei So berichtet es der ehemalige Umweltreferent ohne auch nur andeutungsweise die Position der Fragenden preiszugeben. Dazu muss man wissen, dass der Böhmerweiher von Hundebesitzern als letzte Möglichkeit im Münchner Westen dargestellt wird, mit dem felligen Freund zu baden.

Dazu passt Martin Runges (Grüne) Beobachtung. Häufig sehe er Besucher, den Autokennzeichen nach nicht aus dem Landkreis oder der Umgebung. Indirekt impliziert der Zweite Bürgermeister, es sei nicht Aufgabe der kleinen Gemeinde Gröbenzell, ein Freizeitgelände für Hunde aus der ganzen Region zu schaffen. Weitere Gemeinderäte outen sich als Befürworter des Leinenzwangs. So auch Bürgermeister Martin Schäfer (UWG), der wie sein Vize mit der zunehmenden Enge argumentiert. Mit einem nicht ganz unwesentlichen Detail glätten sie schließlich die Wogen: Auch bisher gab es schon aus Gründen des Naturschutzes ein Schild, das zum Anleinen der Hunde aufrief. Nur war das als Bitte formuliert, was nicht funktionierte. Es wurde ignoriert.

© SZ vom 16.09.2019
Zur SZ-Startseite